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01.02.2001

13:49 Uhr

ap BERLIN. Die Massenschlachtung von rund 400 000 Rindern in der Bundesrepublik wird Gesamtkosten von 647 Mill. DM verursachen. Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin erklärte, leistet die EU dazu 285 Mill. DM. Deutschland müsse für 362 Mill. DM aufkommen. Die Kosten entstünden für den Kauf der Rindern, die Schlachtung, BSE-Tests und Entsorgung.

Ein Schlachtbeginn ist nach Angaben des Ministeriums frühestens in einer Woche möglich. Details würden bis Mitte nächster Woche ausgearbeitet. Über eine Ausschreibung sollen Schlachthöfe gefunden werden, die sich an der Aktion beteiligen. Zu diesen Schlachtereien sollen dann die Bauern ihre Rinder bringen. Das Ministerium wies darauf hin, dass die rund 400 000 in Frage kommenden Tiere ein kleiner Teil der in Deutschland jedes Jahr geschlachteten Rinder von vier Mill. sei. Die zur Massenschlachtung anstehenden Tiere gehörten zu dieser Rindermenge. Es würden somit nicht mehr Tiere als früher geschlachtet.



Höhn bezweifelt Rechtmäßigkeit



Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe kündigte an, dass in seinem Bundesland die Tötung der Tiere "auf möglichst schonende Weise" mit der Spritze erfolgen soll. "Das ist ein bisschen teurer, aber wir werden das im Brandenburgischen mit der Spritze machen", sagte der SPD-Politiker dem "Berliner Kurier".

Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn bezweifelt unterdessen die Rechtmäßigkeit der Massentötung. In der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" erklärte die Grünen-Politikerin, sie "rechne damit, dass es Klagen geben wird, ob diese Marktbereinigung mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist".

Höhn wertete es als Teilerfolg von Verbraucherschutzministerin Renate Kühnast, dass ein Teil der getöteten Rinder dazu genutzt werde, die Interventionsbestände der EU mit BSE-getestetem Rindfleisch aufzufüllen. Das betreffe ungefähr die Hälfte der 400 000 Rinder und sei eine "beachtliche Größenordnung", sagte Höhn. Sie plädierte dafür, in Zukunft die Rinderbestände in der EU zu verringern.



Protest der Gewerkschaft und Tierärzte

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) appellierte an die Bundesregierung, die Rinder nicht zu vernichten, sondern zu verwerten. Der NGG-Bundesvorsitzende Franz-Josef Möllenberg sagte am Donnerstag in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es sei unsinnig, Fleisch und Häute dieser Tiere zu beseitigen, während rund 50 000 Tonnen nicht auf BSE getesteten Rindfleischs unverkäuflich in deutschen Kühlhäusern lagerten.

Da die Bundesregierung alle Rinder, die getötet werden sollten, auf BSE testen wolle, müsse dieses Fleisch auch verwertet werden und die Lagerbestände mit ungetestetem Fleisch ersetzen, forderte Möllenberg. Dies sei ein dringend notwendiges Beschäftigungsprogramm für die Schlachthöfe bis hin zur Lederindustrie. Möllenberg warnte, die getöteten Bestände wieder mit Jungtieren aufzufüllen. Langfristig werde der Rindfleisch- und Wurstabsatz sinken.

Die Landestierärzte Hessen (LTK) kritisierte die geplante Massentötung. Diese sei "zutiefst unethisch" und habe nichts mit Verbraucherschutz oder BSE-Bekämpfung zu tun, da sie ausschließlich den Rindfleischmarkt stabilisieren solle, erklärte LTK-Präsident Alexander Herzog.



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