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21.02.2002

19:00 Uhr

EU-Kommissar Bolkestein will IAS weltweit durchsetzen

Brüssel wettert gegen US-GAAP

Im langjährigen europäisch-amerikanischen Streit um Rechnungslegungsstandards für Unternehmen fährt die EU neue Geschütze auf. EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein äußerte am Donnerstag Zweifel an der Qualität des US-Standards GAAP (Generally Accepted Accounting Principles).

rut BRÜSSEL. "GAAP ist eine Einladung an kreative Buchhalter, Schlupflöcher zu nutzen", sagte Bolkesteins Sprecher in Brüssel. Dies habe der Enron-Skandal in Amerika bewiesen.

Der europäische Standard IAS (International Accounting Standard) biete Investoren einen viel besseren Überblick über die Situation eines Unternehmens als der US-Standard, sagte der Sprecher weiter. "Deshalb ist IAS dem US-Standard GAAP überlegen", sagte der Sprecher.

Grund für die neuerliche Attacke der Europäer gegen GAAP ist die Weigerung der Amerikaner, den EU-Standard IAS anzuerkennen. Alle an der Wall Street gelisteten Unternehmen müssen ihre Rechnungslegung nach GAAP aufstellen.

Das will EU-Kommissar Bolkestein nicht länger hinnehmen. Der Niederländer reist Ende Mai in die USA, um für den IAS-Standard zu werben. Bolkestein werde deshalb in den USA mit dem Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt, zusammentreffen, bestätigte der Sprecher des Kommissars.

Die 15 EU-Staaten hatten sich Ende vergangenen Jahres darauf verständigt, den IAS-Standard ab dem Jahr 2007 verbindlich für alle börsennotierten Unternehmen vorzuschreiben. IAS kommt damit zwei Jahre später als ursprünglich von der EU-Kommission geplant. Die Verzögerung hatte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) durchgesetzt. Der Deutsche war damit dem Wunsch deutscher Konzerne gefolgt, die an der US-Aktienbörse gelistet sind und deshalb den US-Standard GAAP anwenden müssen. Bolkestein hatte die Verschiebung auf das Jahr 2007 scharf kritisiert. Grund: Der Kommissar sieht das Ziel der EU, bis 2005 einen einheitlichen Rechtsrahmen für die Finanzmärkte zu schaffen, dadurch gefährdet.

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