Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.06.2000

12:58 Uhr

EU will Mehrwertsteuer europaweit regeln

Internet bleibt kein Steuerparadies

Die Europäische Kommission wird am Mittwoch einen Vorschlag zur Mehrwertsteuer beim Internet-Handel mit Software, Videos und Musik vorlegen.

Reuters BRÜSSEL. Ziel der Initiative sind nach den Worten eines EU-Kommissionssprechrs einheitliche Bestimmungen in der Europäischen Union (EU) für die Mehrwertsteuer auf Inhalte, die von Firmen oder Privatkunden direkt aus dem Internet heruntergeladen werden können. Derzeit gehen die Finanzämter meist leer aus, wenn solche "nicht-physischen" Güter wie Musik oder Videos aus dem Internet heruntergeladen werden.



Um Schlupflöcher im Privatkundengeschäft zu stopfen, sollen sich Firmen aus Drittstaaten in einem EU-Land ihrer Wahl registrieren lassen, um dort die Mehrwertsteuer zu entrichten, sagte der Kommissionssprecher weiter. Nur Firmen mit einem Umsatz unter 100 000 Euro im Jahr sollen nach Bolkesteins Vorstellungen von dieser Regelung ausgenommen werden.
Elektronische Lieferungen werden wie Dienstleistungen taxiert Insgesamt ziele der Vorschlag zudem darauf ab, elektronische Lieferungen für die Mehrwertsteuer als Dienstleistungen einzustufen, sagte der Sprecher weiter. "Eine neue Internet-Steuer wird es nicht geben." Erfolgen Lieferungen zwischen Firmen über das Internet, solle das Bestimmungslandprinzip gelten. Befinde sich der Verkäufer außerhalb der EU und der Käufer innerhalb der Union, sei dann die Mehrwertsteuer in der EU zu entrichten.
Werde umgekehrt aus der EU ins Ausland verkauft, sei die Steuer dort zu begleichen. Bei Geschäften von Firmen innerhalb der EU solle die Steuer dort entrichtet werden, wo die Empfänger-Firma angemeldet sei. Handelt es sich bei dem Kunden um eine Privatperson, müsse die Steuer hingegen dort entrichtet werden, wo die verkaufende Firma registriert ist.



Die US-Handelskammer in Belgien hatte die EU bereits davor gewarnt, zur Lösung des Mehrwertsteuer-Problems den Internet-Handel durch bürokratische Hürden zu belasten. In Kommissionskreisen hatte es aber geheißen, der wachsende Internet-Handel und die jüngsten Fusionen von Internet-Anbietern wie AOL und Time Warner zeigten die Bedeutung, die der Steuerfrage in Zukunft zukommen werde. Deshalb müsse eine Lösung gefunden werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×