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02.01.2001

21:20 Uhr

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Euro baut Kursgewinne nach US-Daten weiter aus

Die Wachstumsabkühlung beflügelt die Währung von Euroland. Zu Jahresbeginn startet der Euro mit einem neuen Fünf-Monats-Hoch knapp unter 0,95 Dollar.

Reuters Frankfurt. Der Euro hat seinen Aufwärtstrend zum Jahresbeginn fortgesetzt und ist nach der Veröffentlichung schwacher US-Daten zum Dollar auf ein neues Fünf-Monats-Hoch knapp unter 0,95 Dollar gestiegen. Händler sagten, der deutliche Rückgang des US-Einkaufsmanagerindex habe am Nachmittag (MEZ) erneut eine Wachstumsabkühlung in den USA signalisiert und so der Gemeinschaftswährung weiter Auftrieb verliehen. Die Kursverluste an den US-Aktienmärkten hätten den Dollar zusätzlich belastet und so den Euro gestützt. Auf Grund des zum Jahreswechsel vergleichsweise dünnen Umsatzes seien die Marktreaktionen zudem leicht übertrieben gewesen, hieß es.

Gegen 20.30 Uhr MEZ markierte der Euro mit 0,9498/05 Dollar den höchsten Stand seit fünf Monaten und lag damit mehr als einen halben US-Cent über seinem am Mittag von der Europäischen Zentralbank (EZB) ermittelten Referenzkurs von 0,9423 Dollar. Zur japanischen Währung notierte der Euro mit 108,54 Yen wieder etwas schwächer, nachdem er im Tagesverlauf gegen die japanische Währung auf ein Zehn-Monats-Hoch von 108,83 Yen gestiegen war.

Der Konjunkturindex der Nationalen Vereinigung der Einkaufsmanager (NAPM) in den USA, der die Lage im Verarbeitenden Gewerbe misst, ist im Dezember auf 43,7 Punkte nach 47,7 Punkte im Vormonat gefallen, teilte die NAPM am Nachmittag in Tempe (Arizona) mit. Damit ist der Index den Angaben zufolge auf den nunmehr tiefsten Stand seit April 1991 gesunken. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem geringeren Rückgang auf 47,0 Punkte gerechnet. Die Zahlen verstärkten daher die Sorge über eine mögliche harte Landung der US-Wirtschaft. Es sei nun immer wahrscheinlicher, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Leitzinsen bereits bei ihrem nächsten Treffen am 30./31. Januar senken werde.

Der deutliche Rückgang des NAPM verlieh dem Euro Händlern zufolge am späten Nachmittag wieder einen Schub, nachdem sich die europäische Gemeinschaftswährung nach den andauernden Kursgewinnen in den vergangenen Wochen am Mittag zeitweise von seinen Höchstständen gelöst und sich bis auf knapp unter 0,94 Dollar abgeschwächt hatte. "Die NAPM-Zahl war furchtbar und hat das Szenario eines deutlich schwächeren Wachstums hier im Vergleich zu Europa unterstrichen", sagte Scott Schultz von Brown Brothers Harriman in New York. Neue Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums in der Euro-Zone wurden Händlern zufolge am Dienstag vom Markt ignoriert. Nach einer Umfrage unter Einkaufsmanagern hat sich das Wachstumstempo in der deutschen Industrie weiter verlangsamt. Im Dezember sei der BME/Einkaufsmanager-Index Deutschland (EMI) saisonbereinigt auf 54,0 (55,4) Punkte gesunken, teilte die Forschungsgruppe NTC, die den Index zusammen mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) für Reuters ermittelt, am Morgen mit. Obwohl sich das Wachstumstempo zum sechsten Mal in Folge verlangsamt habe, signalisiere der Index mit einem Wert von über 50 Punkten nach wie vor eine Expansion in Deutschlands Industrie.

Die optimistische Einschätzung des Marktes für die Perspektiven Europas und der Gemeinschaftswährung teilten am Dienstag auch der französische Nationalbank-Präsident Jean-Claude Trichet, der Präsident der Landeszentralbank Rheinland-Pfalz/Saarland, Hans-Jürgen Koebnick, und der neue Chefvolkswirt des Bundeskanzleramts, Bernd Pfaffenbach. Trichet hatte dem Sender "Europe 1" am Morgen gesagt, er erwarte 2001 in Frankreich und der Euro-Zone ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund drei Prozent. Zudem rechne er mit einem inflationsfreien, robusten und lang anhaltenden Wachstum in Europa. Trichet fügte hinzu, die Finanzmärkte nähmen immer mehr den Wert des Euro zur Kenntnis. Pfaffenbach prognostizierte für 2001 ein Wirtschaftswachstum von bis zu drei Prozent in Deutschland. "Wir können das schaffen", sagte er der "Berliner Zeitung". Koebnick sagte unterdessen, der Euro werde zum Dollar die Parität erreichen. "Das ist ein Kurs, der der Realität sehr nahe kommt", sagte das Mitglied der Bundesbank am Dienstag im Saarländischen Rundfunk.

New Yorker Devisenhändler hielten es indes für möglich, dass der Euro seine Kursgewinne weiter ausbaue, sollte er die Widerstandsmarke von 0,95 Dollar durchbrechen. Es sei sogar gut möglich, dass der Euro schon bald die Parität zum Dollar wieder erreichen werde. "Ich glaube er kann noch ein bisschen höher gehen. Die Leute haben offensichtlich die Parität im Auge", sagte Schultz von Brown Brothers.

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