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17.01.2003

14:02 Uhr

Euro gilt auch als „sicherer Hafen“

Irak-Konflikt treibt Eurokurs weiter

Die anhaltenden Spannungen im Irak-Konflikt sind laut Händlern das alles beherrschende Thema im Devisenhandel. Die meisten Marktteilnehmer rechnen mit einem baldigen Angriff auf den Irak.

vwd FRANKFURT. Die Gefechtsköpfe des Irak und schwache US-Handelszahlen ebnen nach Ansicht von Devisenhändlern dem Euro den Weg für einen weiteren Anstieg. Die Marke von 1,07 $ könne möglicherweise früher als gedacht erreicht werden, heißt es.

Bereits am Donnerstagabend sprang der Euro über die Marke von 1,06 USD und damit auf ein neues Dreijahreshoch. Vor diesem Hintergrund rechnet Eugen Keller vom Bankhaus Metzler für die kommende Woche mit einem weiterhin festen Euro. Zwar werde der Devisenhandel durch den Feiertag am Montag in den USA recht dünn in die neue Woche starten. Doch trotz der aktuell stark überkauften Situation sieht der Analyst kurzfristig Luft für den Kurs bis in den Bereich 1,08/09 $. Bei 1,09 $ allerdings verlaufe der langfristige Abwärtstrend.

Da die weltpolitischen Risiken bereits teilweise eingepreist seien und der Euro "überreizt" erscheine, sollte dort der Anstieg erst einmal enden. Korrekturen seien zu erwarten, wobei der Euro wieder bis in den Bereich um 1,0370 $ sinken könne. Eine Gefahr sieht Keller vor allem in möglichen Devisenmarktinterventionen der japanischen Zentralbank. Denn neben dem Euro gehört der Yen zu den größten Nutznießern der globalen Dollar-Schwäche. Der Markt ist sich der latenten Interventionsgefahr zwar bewusst und reagiert entsprechend nervös auf größere Yen-Verkauforders, bislang ist es aber bei den verbalen Drohungen der japanischen Offiziellen geblieben.

Euro gilt auch als "sicherer Hafen"

Derzeit wird der Euro vor dem Hintergrund der weltpolitischen Spannungen neben dem Schweizer Franken als zweiter "sicherer Hafen" wahrgenommen. Dies zeigt sich auch daran, dass er nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch im Verhältnis zu anderen Haupthandelswährungen hinzugewinnen konnte. Bei einer nachhaltigen Entspannung der Lage am Persischen Golf sollte der Marktfokus allerdings wieder verstärkt auf die konjunkturelle Entwicklung gerichtet sein.

Konjunkturdaten finden derzeit zwar weniger Beachtung, doch auch sie deuten längerfristig auf einen weiter festen Euro. Stützend für diese Entwicklung dürfte hierbei unter anderem die Veröffentlichung des "Beige Book" der US-Fed gewirkt haben. Hier kommt diese zu dem Ergebnis, dass die amerikanische Wirtschaft bis Anfang Januar nur schleppend gewachsen sei. Unter anderem hat auch das Weihnachnachtsgeschäft nicht die erhofften Impulse für den Konsum setzen können. Es bleibt festzustellen, dass trotz der Ausgabenpakete der Bush-Regierung das Wohl und Wehe der US-Wirtschaft an der weiteren Entwicklung des privaten Konsums hängt. Auch das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA beunruhigt den Markt.

Doch neben den wirtschaftlichen Aussichten dominiert weiterhin die Sorge und die Ungewissheit um den Fortgang des Irak-Konflikts das Marktgeschehen. War bislang vor allem ein möglicher Starttermin Diskussionsthema, verlagert sich der Fokus nun wieder auf die möglichen Kosten einer kriegerischen Auseinandersetzung. Zusammen mit dem geplanten Konjunkturpaket der Regierung Bush ergibt sich hieraus ein enormer Belastungsfaktor, welcher sich auch in den Prognosen für das amerikanische Haushaltsdefizit widerspiegelt.

Größere Haushaltsdefizite in den USA belasten Dollar

So rechnet das amerikanische Budgetbüro für dieses und das kommende Jahr mit Belastungen von jeweils 200 bis 300 Mrd. $. Möglicherweise würde dadurch sogar das bisherige Rekorddefizit des Jahres 1992 übertroffen. Zur Erinnerung: Noch im Jahr 2000 war ein stolzer Überschuss von 236 Mrd. $ erwirtschaftet worden. In Euroland stehen im Gegensatz hierzu die Bemühungen der Wirtschaftspolitik unter dem Eindruck des Maastricht-Kriteriums und somit ganz im Zeichen eines Sparkurses.

"Die USA haben ganz große Strukturprobleme", sagt Devisenanalyst Keller. Vor diesem Hintergrund erwartet er weiter Umschichtungen aus dem Dollar in den Euro. "Die USA erwirtschaften rund 33 Prozent des Welt-BIP, aber 68 Prozent der Welt-Währungsreserven werden in Dollar gehalten", betont Keller. Diese Missverhältnis werde längerfristig zugunsten der Gemeinschaftswährung arbeiten.

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