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04.01.2001

09:52 Uhr

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat sich am Donnerstag im europäischen Frühhandel kräftig von seinen Einbußen nach der überraschenden Zinssenkung der US-Notenbank vom Vorabend erholt. Die Währung, die sich bereits im Handel in Fernost auf Kurse über 0,93 $ erholt hatte, kletterte im europäischen Geschäft in der Spitze bis auf 0,9498 $. Analysten begründeten die Entwicklung damit, dass sich das generelle Szenario der US-Wirtschaft nach dem Zinsschritt der Fed, nämlich einer rascheren Abkühlung als in Europa, nicht verändert habe. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde sich dem Schritt der Fed kurzfristig nicht anschließen, hieß es. Weitere Aufschlüsse über die Entwicklung der US-Wirtschaft erwarteten die Marktteilnehmer vor allem von den am Freitag um 14.30 Uhr MEZ anstehenden Arbeitsmarktzahlen für Dezember.

Gegen 09.40 Uhr MEZ kostete der Euro 0,9440/50 nach einem Schlusskurs am Vorabend in New York von 0,9276/80 $. Die US-Valuta notierte mit 114,25/30 (113,61/69) Yen.

Die US-Notenbank hatte am Mittwochabend überraschend die amerikanischen Leitzinsen gesenkt und dies mit der schwachen konjunkturellen Verfassung in den USA begründet. Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld werde um 0,5 %punkte auf 6,0 %, der eher symbolische Diskontsatz um 0,25 %punkte auf 5,75 % zurückgenommen. Sie sei zu einer weiteren Senkung des Diskontsatzes um 25 Basispunkte bereit, um - wenn nötig - eine zu schnelle Abkühlung der US-Wirtschaft zu verhindern. Dies ist die erste Leitzinssenkung zwischen zwei regulären Treffen des zinspolitischen Entscheidungsgremiums (FOMC) seit Herbst 1998, als die Fed auf eine drohende weltweite Wirtschaftskrise reagierte.

Der für die Geld- und Kreditpolitik verantwortliche Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) kommt am 30. und 31. Januar zu seinem nächsten regulären Zinstreffen zusammen. Analysten gehen zum Teil davon aus, dass die US-Notenbank zu diesem zeitpunkt die Zinsen noch ein weiteres Mal senken könnte.

Der Kursrutsch des Euro unmittelbar nach dem Zinsschritt der Fed sei fehl am Platz gewesen, sagte Jeremy Hawkins, Chef-Wirtschaftsberater bei der Bank of America. "Die kurzfristige Implikation des Schrittes der Fed ist die, dass sich das Wachstum rascher verlangsamt, als die Investoren erwartet haben," sagte er.

Händlern zufolge warten die Marktteilnehmer zunächst auf die weitere Entwicklung der Aktienbörsen. Die US-Technologiebörse Nasdaq hatte nach dem Zinsschritt der Fed am Mittwoch mit einem Plus von 14,17 % oder 324,83 Zählern auf 2616,69 Punkte den stärksten Gewinn seit ihrem Bestehen erzielt. Die Investoren wollten nun zunächst sehen, ob sich der Markt behauptet, oder wieder zurückfällt, sagten Händler. Zudem wollten sie sehen, wie die Konjuktur auf die Lockerung der Geldpolitik reagiert. Zwar könnten dies die kurzfrsitig anstehenden Daten noch nicht belegen, doch komme zunächst einmal den Arbeitsmarktzahlen für Dezember große Bedeutung zu, da diese recht klare Schlüsse über den derzeitigen Zustand der Wirtschaft zuließen.

Befragte Volkswirte rechnen im Durchschnitt mit 102 000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft und einem Anstieg der Erwerbslosenquote auf 4,1 von 4,0 %.

Die EZB, deren Rat am (heitigen) Donnerstag über die Zinsen in der Euro-Zone berät, wird dem Zinsschritt der Fed nach Einschätzung von Analysten vorerst nicht folgen. Von der Sitzung der EZB erwarten die Marktteilnehmer nach Angaben von Händlern keine Änderung der Leitzinsen. Wegen des nachlassenden Preisdrucks und einer vorübergehenden Konjunkturabschwächung in der Euro-Zone gehen die Analysten davon aus, dass die EZB die Leitzinsen unverändert läßt. Der gesunkene Ölpreis, der stärkere Euro und das zuletzt deutlich verlangsamte Geldmengenwachstum hätten die Inflationsgefahren verringert, hieß es. Auch das konjunkturelle Umfeld spreche zurzeit gegen eine Leitzinserhöhung.

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