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28.01.2002

11:40 Uhr

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Euro und Gemüse treiben Januar-Preise

Volkswirte erwarten bei der Inflation eine Monatsrate von 0,9 Prozent. Neben gestiegenen Nahrungspreisen und dem Euro-Effekt spielt auch höhere Steuern eine Rolle.

rtr FRANKFURT. Die Euro-Umstellung, höhere Steuern und stark gestiegene Preise für Obst und Gemüse werden Analysten zufolge die deutsche Inflationsrate im Januar nach oben treiben. Nach einer Jahresrate von 1,7 % im Dezember prognostizieren von Reuters befragte Volkswirte im Schnitt für den ersten Monat mit dem neuen Euro-Bargeld einen Anstieg um 0,9 % zum Vormonat und eine Jahresrate von 2,1 %. Auch Bundesbankpräsident Ernst Welteke hatte wegen höherer Steuern und Nahrungsmittelpreise eine Inflationsrate von zwei Prozent nicht ausgeschlossen. Wie Welteke gehen die Volkswirte jedoch davon aus, dass der Preisauftrieb nur vorübergehend stärker ist.

Die Statistikämter aus sechs Bundesländern und das Statistische Bundesamt geben die Preisdaten diesmal wegen der Euro-Umstellung erst am 31. Januar bekannt. "Besonders für diesen Monat, wo alle auf die Preise schauen, sind noch sorgfältigere Kontrollen bei der Preisermittlung vorgesehen", erklärte Günther Elbel vom Statistischen Bundesamt. Den Effekt der Steuererhöhungen auf den Preisanstieg zum Vormonat bezifferte das Bundesamt auf 0,4 %punkte. Die Auswirkungen der Euro-Einführung könnten dagegen erst in der eigens laufenden Sonderstudie Ende Februar quantifiziert werden.

Ob und wie stark sich die Euro-Preisumstellung auf das gesamte Preisniveau niederschlägt, ist nur schwer abzuschätzen, denn die Gründe für eine Preiserhöhung sind aus Statistiken nicht abzulesen. Um dies zu beziffern, analysiert das Statistikamt Preisreihen von 35 Produkten des alltäglichen Bedarfs daraufhin, ob sich neue Euro-Schwellenpreisen ergeben. Die letzten Daten im Dezember hatten eurobedingte Erhöhungen von 0,5 %punkten der Jahresteuerungsrate ergeben. Nach Stichproben der Verbraucherzentralen nahmen vor allem Gaststätten und Dienstleister den Währungswechsel für Preiserhöhungen zum Anlass, während der Einzelhandel Preise nach früheren Erhöhungen überwiegend abrundete.

Mit einer Drei vor dem Komma bei der Jahresrate, die der Wirtschaftsweise Bert Rürup erwartet, rechnen allerdings nur wenige Volkswirte. Bernd Weidensteiner von der DZ Bank schätzt, im schlimmsten Fall könnten die Preise zum Vormonat um 2,0 % auf eine Jahresrate von 3,2 % steigen. Das wäre aber nur der Fall, wenn der Einzelhandel alle Schwellenpreise aufrunden und die Gaststätten im Schnitt um zehn Prozent erhöhen würden. Ulla Kochwasser von der Industrial Bank of Japan in Frankfurt erwartet einen Preisanstieg von 1,0 % zum Vormonat und eine Jahresrate von 2,2 %. Etwa 0,4 %punkte des monatlichen Anstiegs hingen mit dem Währungswechsel zusammen. Stefan Bergheim von JP Morgan tippt auf nur 0,2 %punkte Euro-Anteil. Von Dezember auf Januar steigen die Preise nach seiner Prognose um 0,7 %, was eine Jahresrate von 2,0 % ergebe.

Die Euro-Preisanhebungen sind demnach nur zum geringeren Teil für die höhere Inflation verantwortlich. Der Löwenanteil entfalle auf die höheren Steuern für Tabakwaren, Versicherungen, Benzin und Strom. Hinzu kommen teilweise drastisch gestiegene Preise für Obst und Gemüse, die der Lebensmitteleinzelhandel mit dem strengen Winter in Südeuropa begründet.

"Dieser ganze Cocktail treibt die Preise nach oben", sagte Julian von Landesberger von der HypoVereinsbank. Der erwartete Anstieg über zwei Prozent im Januar werde aber ein Ausreißer sein. Landesberger erwartet, dass die Jahresteuerung bis zum Mai schrittweise auf 1,2 % sinkt. Dafür werde schon der statistische Basiseffekt sorgen. Bergheim rechnet bis zur Jahresmitte mit einem Rückgang auf 1,0 %. Da schon vor der Euro-Einführung Preise erhöht worden seien, könnten sie in diesem Jahr stabiler bleiben als sonst. Bundesbank-Chef Welteke nannte im Reuters-Interview für das Gesamtjahr eine durchschnittliche Rate von einem Prozent.

In der Euro-Zone wird Deutschland bei der Januar-Inflation nach Prognosen der HypoVereinsbank Spitzenreiter sein, die Inflationsrate werde hier von 2,0 % im Dezember auf 2,5 % klettern. Doch dies werde nichts an der Perspektive ändern, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen anders als bis vor Kurzem noch angenommen nicht mehr senkt, stimmen Kochwasser und Landesberger überein. Dies hätten nicht nur jüngste Äußerungen der obersten Notenbanker deutlich gemacht, sondern auch erste Wirtschaftsindikatoren, die eine Konjunkturerholung erwarten ließen.

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