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06.08.2000

18:00 Uhr

Euro wieder nahe der 90-Cent-Marke

"EZB gegen Euroschwäche machtlos"

Die Kursschwäche des Euro lässt sich nach Ansicht des Präsidenten des deutschen Groß- und Außenhandels, Michael Fuchs, nicht durch Zinsanhebungen der Europäischen Zentralbank stoppen.

dpa BERLIN/MÜNCHEN. Täglich würden weltweit zwischen 400 Mrd. und einer Billion Dollar gehandelt. Davon stünden nur hinter fünf Prozent Warenbewegungen, sagte Fuchs der Tageszeitung "Die Welt". Der Rest seien reine Finanzgeschäfte. "Dagegen kommen die Zentralbanken nicht an."

In der vergangenen Woche war der Euro wieder nahe der 90-Cent-Marke notiert worden - nur noch wenig über seinem bisherigen Tief von rund 0,89 $ im Mai. Die deutschen Exporteure profitieren derweil vom niedrigen Wechselkurs. Durch die anhaltende Euro-Schwäche habe Deutschland gute Chancen, seinen Weltmarktanteil in diesem Jahr zu verbessern, ergab eine am Sonntag in Berlin veröffentlichte Umfrage des Deutschen Industrie-und Handelstages (DIHT) unter den Repräsentanten der deutschen Wirtschaft in 80 Ländern. 1999 rangierte die Bundesrepublik mit einem Weltmarktanteil von 10,4 % auf Platz zwei nach den USA (16,4 %) und vor Japan (8,2 %).

Da der Euro nicht nur im Vergleich zum Dollar, sondern auch gegenüber dem japanischen Yen und dem britischen Pfund erheblich an Wert verloren habe, könnten deutsche Firmen ihre Produkte in vielen Regionen der Welt zu günstigen Preisen anbieten. Dadurch steige der Absatz im Ausland. Außerdem werde der deutsche Export durch die weltweite konjunkturelle Aufwärtsbewegung begünstigt. So profitierten deutsche Firmen besonders von der wachsenden Nachfrage nach Investitionsgütern und hochwertigen Konsumgütern.



Bauern profitieren von Euro-Schwäche



Auch die Bauern in Deutschland profitieren von der Euro-Schwäche. "Wir können dadurch im Preiskampf mit dem Lebensmitteleinzelhandel bestehen, der uns sonst längst an die Wand gedrückt hätte", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, der dpa. Ein Beispiel sei der Export von Milch. Dagegen hätten die Bauern in Großbritannien auf Grund des hoch bewerteten Pfunds große Probleme. Sonnleitner sagte, er verstehe das Klagen über einen angeblich schwachen Euro nicht. Die Inflation sei niedrig, die Kaufkraft hoch und der Euro innerhalb der Währungsunion stark.

Dagegen sagte Fuchs, ein niedriger Eurokurs schade den Importeuren, weil eingeführte Waren für sie teurer würden. Dies wiederum führe einige Monate später zu einer steigenden Inflation, wenn die Fristen der Kurssicherungsgeschäfte der Außenhändler abgelaufen seien. Fuchs rechnet deshalb in der zweiten Jahreshälfte mit einem "spürbaren Anstieg der Inflation." So lange die Wirtschaft in den USA boomt, rechnet Fuchs mit einer anhaltenden Kursschwäche.



Experten erwarten Zinsanhebung der EZB



Eine von Experten allgemein erwartete Zinsanhebung der EZB würde der Binnenkonjunktur einen Dämpfer versetzen. Wichtig sei deshalb es, jetzt die besonders in Deutschland noch zu schwache Inlandsnachfrage in Gang zu bringen, sagte Fuchs. Die großen Volkswirtschaften in Europa müssten Vertrauen in den Euro schaffen. Dazu sei die Steuerreform in Deutschland ein erster Schritt.

Das große Problem des Euro ist seiner Ansicht nach, dass er immer noch eine virtuelle Währung sei. "So lange man das Geld nicht in die Hand nehmen kann, gibt es eine psychologische Barriere." Viele ausländische Pensionsfonds etwa schreckten vor einem Engagement zurück. Die Übergangsphase von drei Jahren bis zur Ausgabe des Bargelds sei zu lang.

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