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25.06.2000

21:00 Uhr

Helmut Wagner, Vorstandschef der Asko Deutsche Kaufhaus AG, verfolgte ein ehrgeiziges Ziel. Aus der Konsumgenossenschaft wollte er ein deutschlandweit agierendes Unternehmen machen. Nur so, war Wagner zu Beginn der 80er-Jahre überzeugt, hätte das Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen mit einem Umsatz von 1,9 Mrd. DM eine Zukunft. Mit einer beispiellosen Expansionspolitik weitete der Manager den Umsatz von 1984 bis 1988 auf 14,5 Mrd. DM aus und machte das Unternehmen zu einem großen überregionalen Spieler ( >>Tabelle ).

Wagners Weg ist beispielhaft für die Expansion des europäischen Handels. An den nationalen Grenzen endete für die meisten Einzelhändler Ende der 80er-Jahre aber noch der Aktionsradius. Nur wenige Europäer wie Otto Versand und Metro AG, Carrefour und Promodès oder Ahold verfügten bereits über Auslandserfahrungen. Dynamik entfaltete die Auslandsexpansion europäischer Händler erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Der staatsbetriebene osteuropäische Einzelhandel hatte nur Mangelware verteilt. Ein landesspezifisches Konsummuster und einen funktionsfähigen Einzelhandel gab es nicht. Deshalb sahen die Westeuropäer die Chance, gute Standorte zu besetzen.

Nur international tätige Händler würden überleben, hatte Erwin Conradi, Konstrukteur der Metro-Gruppe, des drittgrößten Handelskonzerns der Welt, Mitte der 90er-Jahre prophezeit. Zu diesem Zeitpunkt hatte Asko-Chef Helmut Wagner die Handelsszene längst verlassen. Seine Expansionspolitik hatte Asko zwar zum größten SB-Warenhaus-Betreiber Deutschlands gemacht, aber auch an den Rand des Ruins getrieben. 1992 wurde Asko von Metro geschluckt.

Ihre Lektion von der Globalisierung haben Europas Händler schnell gelernt, aber ihre Politik der Verschwiegenheit, die prägend für die Branche ist, haben sie kaum aufgegeben. In Deutschland mit einem Einzelhandelsumsatz von 722 Mrd. DM gibt es nur sechs Aktiengesellschaften im Handel - Tendenz fallend. Das Interesse, sich zur Publikumsgesellschaft zu wandeln, ist gering.

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