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08.01.2002

19:00 Uhr

Europa hängt am Tropf der USA

Kommentar: Deutschland bleibt das Schlusslicht

VonPETRA SCHWARZ

Noch liegen die Türme des World Trade Centers in Trümmern - aber schon bald sollen dort neue Büros entstehen. Der Aufbau ist ein Sinnbild für die robuste Verfassung der US-Wirtschaft, die sich schneller erholt als ursprünglich angenommen.

Bereits im letzten Quartal des vergangenen Jahres hat die US-Wirtschaft ihren Tiefpunkt erreicht. Volkswirte haben bereits begonnen, ihre Wachstumsprognosen für die USA neu zu berechnen. Die ersten nach oben korrigierten Vorhersagen für dieses Jahr liegen vor, der Reigen der Abwärtsrevisionen ist vorbei.

Allerdings geht der Optimismus lediglich auf eine Reihe positiver Stimmungsindikatoren zurück. Sowohl die letzten Umfragen unter Einkaufsmanagern als auch unter US-Verbrauchern hatte eine deutliche Aufhellung gezeigt. Stimmungsindikatoren nehmen die Entwicklung in der realen Wirtschaft lediglich vorweg. Dort sieht es aber noch nicht so gut aus: Der Lagerabbau ist zwar weit vorangeschritten aber noch bestehen Überkapazitäten und Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück.

Trotzdem schwappt die Welle der Zuversicht nun auch über den großen Teich. Zwar zeichnet sich auch für die europäische Wirtschaft im Zuge der US-Erholung eine Besserung ab. Aber auch hier zu Lande ist die Stimmung besser als die Lage. Die Ökonomen wissen das, sie haben ihr Prognosen noch nicht nach oben korrigiert.

Europas Sorgenkind bleibt Deutschland. Auch das Plus bei den Aufträgen im Dezember gibt keinen Anlass zu übermäßigem Optimismus. Denn die Zunahme geht fast ausnahmslos auf ausländische Auftraggeber zurück. Aus dem Inland kommen schon lange keine Aufträge mehr. Anders als in den USA ist die deutsche Konjunkturschwäche aber hausgemacht. Die hohen Sozialabgaben und die steigende Arbeitslosigkeit, die wohl das gesamte Jahr über der vier-Millionen-Grenze liegen wird, sind bildhafte Beweise der Reformunfähigkeit.

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