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28.07.2000

17:22 Uhr

Reuters FRANKFURT. Die richtungweisenden europäischen Zins-Futures haben ihre deutlichen Kursverluste, die sie wegen eines unerwartet kräftigen Wachstums in den USA im zweiten Quartal und damit verbundenen Zinsängsten erlitten hatten, im späten Geschäft teilweise wieder ausgeglichen. Daran, dass die Käufe wieder eingesetzt hätten, zeige sich, dass der Markt nicht überkauft sei, sagte ein Händler. Der Rentenmarkt lag jedoch weiter im Minus, weil die veröffentlichten US-Daten Erwartungen auf steigende Leitzinsen in den USA bestärkt hätten. Kursdämpfend wirkte sich außerdem der schwache Euro-Kurs aus.

Der richtungweisende Euro-Bund-Future notierte gegen 17.10 Uhr MESZ nach minus sieben Ticks bei 105,47 Punkten. Der Terminkontrakt hatte am Vormittag ein vorläufiges Hoch von 105,64 Punkten erklommen und war nach den Daten um bis zu 37 Ticks auf 105,17 Punkte gefallen. Die zehnjährige Bundesanleihe Juli 2010 lag auf 100,41 % bei einer Rendite von 5,19 %. Zuvor war die Anleihe von ihrem Vortagesschluss bei 100,45 % auf ein vorläufiges Tief von 100,07 % gefallen. Der Bobl-Future notierte nach plus zwei Ticks mit 103,04 Punkten, der Schatz-Future gewann ebenfalls zwei Stellen auf 101,35 Punkte.

Das unerwartet starke Wirtschaftswachstum in den USA im zweiten Quartal hat Analysten zufolge erneut die Erwartung steigender Leitzinsen in den USA aufkommen lassen. Mit real 5,2 % hat sich der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beschleunigt, während Volkswirte eine deutliche Verlangsamung der Konjunktur erwartet hatten. Nachdem sich seit einigen Wochen an den Finanzmärkten die Meinung verfestigte, die US-Leitzinsen hätten mit 6,50 % ihren höchsten Stand erreicht, ist nun nach Ansicht von Analysten wieder alles offen.

Wie das Handelsministerium am Freitag mitteilte, stieg das BIP im zweiten Quartal um eine Jahresrate von 5,2 % nach einem Zuwachs von 4,8 (revidiert von ursprünglich 5,5) Prozent in den ersten drei Monaten dieses Jahres. Von Reuters befragte Volkswirte hatten dagegen einen schwächeren um 3,8 % prognostiziert. Der von den Finanzmärkten viel beachtete Preis-Deflator stieg dagegen nur um 2,5 % gegenüber dem zweiten Quartal 1999 nach revidiert 3,3 % im ersten Vierteljahr. Die Prognose hatte 2,4 % betragen.

In der nächsten Woche werden die Rentenmärkte Händlern zufolge auf eine Reihe von US-Konjunkturdaten achten, um weitere Klarheit über die weitere Zinsentwicklung zu erhalten. Am wichtigsten seien die US-Arbeitsmarktdaten für Juli, die am Freitag veröffentlicht werden.

Kursbewegend könnte auch die am Montag beginnende Auktion von UMTS-Mobilfunklizenzen sein. Je besser sie laufe, das heißt um so höher die voraussichtlichen Einnahmen des Staates und damit die Schuldentilgung des Bundes sei, um so positiver für die Kurse. Dann sei nämlich zu erwarten, dass sich auf mittlere Sicht das Angebot an zehnjährigen Staatsanleihen verknappt, was die Kurse steigen lassen würde. Der Bund-Future könnte nach Einschätzung eines Händlers erneut in Richtung 105,80-106,00 Punkte steigen.

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