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27.07.2000

17:28 Uhr

Reuters FRANKFURT. Weil die am Donnerstag veröffentlichten US-Konjunkturdaten den Horizont für die künftige Zinspolitik der US-Notenbank nicht klären konnten, fielen die europäischen Renten zunächst gemeinsam mit den US-Staatsanleihen. Danach setzte allerdings eine ebenso rasche Erholung der Kurse ein. Auftrieb hatten dem Bund-Future am Nachmittag auch die Aussagen des Bundesfinanzministeriums zur Verwendung der Erlöse aus den UMTS-Erlösen verschafft. Der richtungweisende Zinsfuture notierte gegen 17.00 Uhr MESZ nach plus fünf Ticks mit 105,67 Punkten. Zuvor hatte der Kontrakt zwei Mal Anlauf auf 105,80 Punkte genommen. Nach den US-Daten markierte er ein vorläufiges Tagestief von 105,37 Punkten.

Während die Daten zum viel beachteten US-Arbeitskostenindex für das erste Quartal den Erwartungen weit gehend entsprochen hatten, lagen die Auftragseingänge für langlebige Güter im Juni drastisch über der Prognose. Die Arbeitskosten stiegen im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Vierteljahr um 1,0 (Prognose 1,1) Prozent und gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,4 %. Im ersten Quartal waren sie noch um 1,4 % gegenüber Vorquartal gestiegen.

Die Aufträge für langlebige Güter legten dagegen im Juni gegenüber Mai um 10,0 (Prognose 0,1) Prozent zu. Ram Bhagavaluta, Chefvolkswirt bei Nat West Global Financial Markets, sagte, auch wenn man hinter die Auftragszahlen schaue, sei wenig von einer Abkühlung der Wirtschaft zu spüren. Auf Grund starker Flugzeug-Bestellungen hatte der Teilindex im Juni um 43 (Mai 6,8) Prozent zugelegt. Ohne diesen Effekt wäre der Auftragseingang nur um 0,8 (Mai 7,1) Prozent gestiegen. Und ohne Rüstungsgüter hätte die Ordertätigkeit 3,9 (6,4) Prozent ausgemacht. "Leute, die nach einer Schwäche in der Wirtschaft suchen, werden enttäuscht sein", sagte Bhagavatula.

Am US-Anleihemarkt dominierte am Nachmittag aber wieder die Ansicht, die Daten hätten die Hoffnung auf stabile Leitzinsen nicht eingetrübt. Händler hoben hervor, die Auftragseingänge seien nur wegen der stark schwankenden Bestellungen im Transportwesen so hoch gewesen. Der Anstieg der Arbeitskosten hätte sich außerdem deutlich abgeschwächt. Die 30-jährige US-Staatsanleihe lag gegen 17.00 Uhr deshalb 19/32 Stellen höher bei 106-27/32 Punkten nach einem Tief kurz nach der Datenveröffentlichung von 105-25/32 Punkten.

Das Bundesfinanzministerium hatte im Zusammenhang mit den erwarteten Erlösen aus den UMTS-Mobilfunklizenzen, die ab Montag in Deutschland versteigert werden, bekräftigt, es bleibe für die Investoren ein verlässlicher Emittent. Die Einnahmen aus der Auktion am kommenden Montag haben nach Angaben des Sprechers insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2000 Rückwirkungen auf die Kreditaufnahme des Bundes. Bei Haushaltsplanung für das Jahr 2001 geht das Ministerium von mindestens 20 Mrd. DM Einnahmen aus. Experten hatten Erlöse von bis zu 120 Mrd. DM prognostiziert.

"Je höher die Einnahmen, um so besser für den Anleihemarkt", sagte dazu ein Händler. Je mehr Schulden der Bund tilgen könne, um so weniger Anleihen müsse er zu seiner Finanzierung ausgeben. Dies würde zu einem knapperen Angebot an zehnjährigen Bundesanleihen, die das Vergleichsmaß am Rentenmarkt sind, führen und somit zu steigenden Kursen.

Für das späte Geschäft haben die Händler unterschiedliche Erwartungen. "Wir können die 106 heute noch sehen, aber mehr sicher nicht vor der Veröffentlichung der US-Daten morgen", sagte ein Händler. Ein anderer erwartete für den weiteren Handel eine Seitwärtstendenzen.

Der Bobl-Future lag nach plus vier Ticks bei 103,09 Punkten, der Schatz-Future unverändert bei 101,35 Punkten. Die zehnjährige Bundesanleihe Juli 2010 notierte mit 100,59 % nur leicht über dem Vortagesschluss von 100,56 %.

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