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05.05.2003

07:22 Uhr

European Energy Exchange meldet Umsatzrekord

Leipziger Strombörse Emissionsrechte handeln

VonUdo Rettberg

Die European Energy Exchange (EEX) will neue Geschäftsfelder sowie neue Regionen in Europa erschließen. Die Aufnahme des Gashandels sei bei Fortschritten im Liberalisierungsprozess im Jahr 2004 möglich, sagte EEX-Vorstand Carlhans Uhle.

LEIPZIG. Die European Energy Exchange (EEX) hat im April eine neue Umsatzrekordmarke von 33 Terawattstunden erreicht. Dies sagte Hans-Bernd Menzel, Vorstand der Leipziger Strombörse, am Rande einer Energiekonferenz der Weltbank. Eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden. Über die EEX werden mehr als 10 % des hier zu Lande verbrauchten Stroms gehandelt.

Menzel erklärte, man wolle weiter wachsen und neue Geschäftsfelder sowie neue Regionen in Europa erschließen. Die Aufnahme des Gashandels sei bei Fortschritten im Liberalisierungsprozess im Jahr 2004 möglich, sagte EEX-Vorstand Carlhans Uhle. Die Börse denkt auch über den Handel von C02-Emissionszertifikaten nach. Konkrete Pläne gibt es allerdings noch nicht. Die Einführung "grüner Zertifikate" - Finanzprodukte auf Strom, der aus regenerativen Energieträgern erzeugt wurde - ist laut Menzel kein Thema.

Erfreut zeigen sich die EEX-Chefs darüber, dass die Möglichkeit des Clearings von OTC-Stromkontrakten über die Börse stark genutzt wird. Bei diesen im Freiverkehr bilateral zwischen Marktteilnehmern außerbörslich abgeschlossenen Termingeschäften (Forward-Kontrakten) wird das Kontrahentenrisiko durch Abrechnung und Abwicklung über das EEX-Clearinghaus weitgehend ausgeschaltet.

Nach dem Kollaps des Energie- und Rohstoffhändlers Enron ist die Reduzierung des Ausfallrisikos von Geschäftspartnern ein beherrschendes Thema. Die Erfolge der Leipziger Strombörse sind Indiz für die mühsamen Fortschritte in der Liberalisierung des deutschen Energiemarktes. Allerdings kann nach Meinung von Experten aus den Umsatzrekorden nicht unbedingt der Schluss gezogen werden, dass der Wettbewerb an den Energiemärkten in Europa bereits so funktioniert, wie dies im Jahr 1998 durch die deutsche Energierechtsnovelle und durch die Verträge des 2000er EU-Gipfels in Lissabon angestrebt worden sei. "Die Akzeptanz der EEX ist zumindest ein Beweis dafür, dass die Wirtschaft die Bedeutung des Risikomanagements im Energiebereich erkannt und umgesetzt hat", sagt EEX-Vorstand Carlhans Uhle.

Große Meinungsverschiedenheiten gibt es in der Branche nach wie vor bei der grundlegenden Struktur des Marktes. Diesbezügliche Diskussionen drehen sich besonders um die Frage, ob die hier zu Lande bestehende Verbändevereinigung ausreicht, im Interesse der Verbraucher mehr Wettbewerb zu erreichen, oder ob die Einführung einer unabhängigen Regulierungsbehörde notwendig ist. Diese Frage wird weiter sehr kontrovers diskutiert. Als wichtigste Aufgabe eines Regulators wird das "Unbundling" - die totale Trennung von Netzbetrieb und Energielieferung - gesehen. Duopolistische Strukturen in der deutschen Energiewirtschaft - durch die Marktmacht von RWE und Eon - haben diesen Prozess verzögert.

"Die Verbändevereinbarung ist schon fast Geschichte", sagte Wolfgang Wille, Geschäftsführer der Stadtwerke Leipzig. Die Schaffung einer staatlichen Regulierungsbehörde sei wohl nur eine Frage der Zeit. Der Regulator solle möglichst einfache Kontrollmechanismen einführen und den Markt nicht zu stark an die Kandare nehmen. Bjorn Hamso, Energieökonom bei der Weltbank, wies darauf hin, dass Regulierungsbehörden bei der Restrukturierung und Liberalisierung von Energiemärkten in Zentral- und Osteuropa eine hohe Akzeptanz gefunden haben.

Die EEX ist in der Frage Verbändevereinbarung oder Regulator diplomatisch: "Wir weisen nach, dass das Börsenmodell auch ohne Regulierungsbehörde funktioniert", sagte Menzel.

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