Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2002

19:00 Uhr

Europol warnt vor Fälscherbanden

Blüten aus dem Balkan

Auch für Montenegriner und Kosovaren ist das Euro-Zeitalter angebrochen. Und das, obwohl beide jugoslawischen Teilrepubliken weder zu den EU-Anwärtern noch zur Euro-Zone gehören.

jow PRAG. Für beide Regionen aber gilt: Der Euro hilft, ihre angeschlagene Wirtschaft zu stabilisieren - ähnlich wie zuvor in Bulgarien, das seine Landeswährung Lew schon lange fest an den Euro gebunden hat.

Hatten die Montenegriner noch im vergangenen Jahr die D-Mark als offizielle Währung kennen und lieben gelernt, so müssen sie sich seit dieser Woche an den Euro gewöhnen. Der Notenbankchef der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro, Ljubisa Krgovic, erwartet einen reibungslosen Übergang von der Mark zum Euro. Dennoch gibt es Ärger, denn Experten der jugoslawischen Bundesregierung in Belgrad und der montenegrinischen Teilrepublik in Podgorica streiten zurzeit darüber, welche Währung die Föderation künftig übernehmen soll. Montenegros Finanzminister Miroslav Ivanisevic befürwortet die Euro-Einführung als Stabilitätsanker für ganz Jugoslawien. Belgrad dagegen beharrt auf dem Dinar als Einheitssymbol in allen Teilrepubliken.

Ein wenig anders sieht die Lage im Kosovo aus, das nach wie vor international überwacht wird. Auch dort galt zuletzt die D-Mark als offizielle Währung. Seit dieser Woche indes werden Kontenführung und Lohnzahlung auf Euro umgestellt. Bis Ende Februar 2002 laufen beide Währungen - DM und Euro - parallel. Danach gilt nur der Euro. Zuständig für den Umtausch ist dort die von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Bank- und Zahlungsbehörde des Kosovos (BPK), die als Notenbankersatz fungiert. Doch anders als in Mitteleuropa, wo der Bargeldtausch in Euro weithin ohne Limits erfolgt, bestehen im Kosovo Obergrenzen. Nur bis zu 1000 DM dürfen gebührenfrei umgetauscht werden, bis zu 10 000 DM sind bereits gebührenpflichtig, der Umtausch von mehr als 10 000 DM ist nur über eine bargeldlose Geldeinlage möglich.

Doch so sorglos, wie es auf den ersten Blick scheint, ist der Euro-Umtausch auf dem Balkan nicht. Die europäische Polizeibehörde Europol warnte zum Jahresende, Fälscherbanden könnten die Euro-Einführung im Kosovo und Montenegro dazu nutzen, um den Balkan mit falschen Euro-Scheinen zu überfluten. Ermittler warnen vor allem vor dem freien Umtausch auf der Straße oder in Wechselstuben. Eine weitere Risiko-Quelle für Euro-Blüten sehen sie in Spielcasinos, die auch in ärmeren Ländern des Balkans verbreitet sind. Nicht geteilt wird die Angst vor Euro-Blüten auf dem Balkan von ortskundigen Bankern. Zwar liege der DM-Umlauf in Mittel- und Osteuropa sowie der Türkei zwischen 60 bis 90 Mrd. DM und entfalle das Gros auf Jugoslawien. Doch gebe es bisher keine konkreten Anzeichen dafür, dass ausgerechnet der Balkan eine Quelle für Euro-Blüten sei, so ein Banker, der für Südosteuropa zuständig ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×