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21.01.2002

19:00 Uhr

Ex-Fielmann-Manager Lange formt erste Kette zahntechnischer Labore

Beim Zahnersatz schnappt Flemming zu

VonLutz Beukert

Beim Marketing baut Klaus Lange, Vorstandsvorsitzender der Flemming Dental AG, Hamburg, der ersten deutschen Kette zahntechnischer Labore, auf die Erfahrung. Die hat der 46jährige Lange bei seinem Ex-Arbeitgeber Fielmann gemacht.

HAMBURG. Ähnlich der Optikkette bietet auch Flemming eine fünfjährige Garantie gegen Materialfehler auf den Keramik-Zahnersatz - einschließlich der Übernahme der Zahnarztkosten. Doch geht Lange - frei nach Fielmann - einen Schritt weiter: Gibt es innerhalb von drei Jahren einen Unfallschaden am Gebiss, wird es von Flemming ersetzt - Zahnarztkosten inklusive.

Dabei tritt Flemming als Vollsortimenter in der mittelständisch geprägten Branche an, die AG ist mit Zahnprothesen, Inlays, Kronen, Brücken und Implantaten am Markt. Rückgrat der Gruppe sind die 78 deutschen Labore, insgesamt zählt die AG 87 Standorte, davon 7 in Schweden und je eines in Lettland und Großbritannien. Mit mehr als 2 500 Mitarbeitern haben sie 2001 insgesamt 145 (2000: 120) Mill. Euro umgesetzt. Dies war zwar weniger als der Plan, der 167 Mill. Euro vorsah. Doch kann Lange dies begründen: Sechs Labore mit zusammen 22 Mill. Euro Umsatz stoßen anders als geplant erst 2002 zur Gruppe.

Größte gewerbliche Dentalkette in Europa

Der Labor-Kette steht der Verband deutscher Zahntechniker Innungen (VDZI) erwartungsgemäß sehr reserviert gegenüber. Der VDZI trete für qualitätsorientierte und funktionsfähige Marktstrukturen ein, die Handwerk und Mittelstand fördern, heißt es. "Ein unverzichtbares Element der Funktionsfähigkeit ist die Bekämpfung einseitiger Marktmacht," betont der VDZI-Generalsekretär Walter Winkler. Lange lässt dies ungerührt. Immerhin hält Flemming Dental bereits jetzt gemessen am Umsatz 3 % Marktanteil der rund 8 500 deutschen Zahnlabore. Damit ist das Unternehmen die größte gewerbliche Dentalkette in Europa. Durch die Übernahme der führenden schwedischen Laborgruppe mit sieben Niederlassungen Ende 2000 hat sich Lange die Marktführerschaft mit 15 % in Schweden gesichert. Über das Labor im südschwedischen Malmö wird auch Dänemark versorgt.

Langes Pläne zielen jedoch weiter. In fünf Jahren will er 10 % Marktanteil in Deutschland halten. Dazu braucht er 250 bis 300 Labore, die die Zahnärzte im Umkreis von bis zu 30 Kilometern versorgen.

Von der Eröffnung eigener Niederlassungen hält Lange wenig. Mit zwei eigenen Niederlassungen testet er den Markt. Der Grund: Zahnlabore benötigen einen festen Kundenstamm an Zahnärzten, die mit ihnen zusammenarbeiten, und ausgebildetes Personal. So akquiriert die Kette weiter.

Laborbetreiber bekunden Interesse

Während in der Anfangszeit um Labore geworben werden musste, registriert Lange jetzt Interesse von Seiten der Laborbetreiber. Ihnen wird eine weitere Anteilschaft von 49 % und damit auch die Gewinnbeteiligung an ihrem Betrieb angeboten. Die Labore werden daher in der Form einer GmbH & Co KG unter dem Dach der Flemming Dental AG, Hamburg, geführt.

Dass indes die Labormitarbeiter von der Übernahme durch Flemming häufig nicht begeistert sind, weiß Herbert Stolle. Beim 1. Vorstand des Freien Verbandes Zahntechnischer Laboratorien melden sich häufig Ex-Flemming-Beschäftigte, die nicht damit klarkommen, dass sie in den Flemming-Labors "nur noch ein Rädchen sind und sich mit dem Werkstück nicht mehr identifizieren" können.

Dank seines "Lieblingsgesellschafters", der Gothaer Versicherungsgruppe, kennt Lange keine Liquiditätsprobleme bei Übernahmen. Lange: " Wir sind genügend kapitalisiert und werden weder 2002 noch 2003 an die Börse gehen." Mittelfristig könnte sich dies allerdings ändern.

An der Flemming Dental AG ist die Gothaer Gruppe direkt und indirekt mit 55,38 % beteiligt. Dabei hält die Gothaer Lebensversicherung 42,87 %, die zur Gothaer-Gruppe gehörende Capiton Erste Kapitalbeteiligungsgesellschaft 12,51 %. Lange ist über seine Hanse Assekuranz Makler Uelzen GmbH ebenso mit 22,31 % beteiligt wie sein Gründungspartner Christoph Kroschke.

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