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01.02.2001

19:00 Uhr

Ex-Nationalspieler Thomas Helmer berät Berufskollegen in vielen Lebenslagen - Finanzmanagement ohne Zockerwerte

Thomas Helmer: Er kauft Rathäuser und verleiht Sekretärinnen

Thomas Helmer gilt als Fußballer, der über den Teller- rand hinausdenkt. Frühzeitig hat sich der Europameister nach Möglichkeiten für die Zeit nach der Karriere umge- sehen. Als Mitgesellschafter einer Beratungsfirma für Bundesliga-Profis bleibt er seiner Branche aber treu.

CASTROP-RAUXEL. Die Aussage beinhaltet Respekt und Mißgunst zugleich: "Der hat schon immer ein Näschen dafür gehabt, wie man gute Geschäfte macht", sagt ein Münchner Sportjournalist über Thomas Helmer. Der Ex-Nationalspieler in Diensten des Fußball-Bundesligisten Bayern München gilt in der Zunft als Cleverle. Anders als viele seiner Profikollegen könne der 33jährige gleich mehrere Sätze in Serie fehlerfrei über die Lippen bringen und in Streßsituationen die Kontrolle über sich bewahren. Außerdem denke er über den Tellerrand hinaus, wie auch seine frühzeitige Planung der Karriere nach der Karriere beweise.

Helmer selbst jedoch mag sich mit seinem Image nicht so recht anfreunden. "Daß ich berechnend bin, mir alle Worte dreimal überlege - alles Quatsch. Manchmal scheint es mir ein Makel zu sein, Abitur zu haben", wehrt sich der Abwehrspieler im Gespräch mit dem Handelsblatt gegen die Klassifizierung als Gelehrter unter den Balltretern.

Vor zwei Jahren gründete er mit seinem Partner Lothar Heinze eine Beratungs- und Betreuungsgesellschaft für Bundesliga-Profis. Heinze & Partner GmbH mit Sitz in Iserlohn bietet ein Rundum-Paket, daß über die bloße Anlageberatung hinausgeht. "Wir managen ihre Finanzen, trainieren ihre Persönlichkeit und betreuen sie in (fast) allen Lebenslagen", heißt es in einem Firmenprospekt. Die Verantwortlichen nennen es "Coaching" und nutzen damit bewußt die Fußballersprache. Heinze wird als Teamchef bezeichnet, Helmer als Teammanager.

"Ich finde, daß wir für die relativ kurze Zeit schon viel auf die Beine gestellt haben", meint der Profifußballer. Der gelernte Steuerberater Heinze ergänzt: "Wir kommen zurecht, auch wenn wir keine Millionenumsätze haben. Unser Unternehmen wird weiter wachsen." Auf Nachfrage beziffern sie die Zahl ihrer Klienten auf 10 bis 15. Vom Nationalspieler wie Christian Ziege bis zum Jungprofi, aber auch der eine oder andere Regionalliga-Spieler oder Branchenfremde gehört dazu.

Das Gesellschafter-Duo, das sich seit zehn Jahren kennt, engagiert auch externe Firmen, um ein vielfältiges Angebot bieten zu können. Medientraining mit Rhetorikschulung, Sprechtraining oder typgerechte Kleidungsberatung, Vermarktung mit dem Erstellen eines individuellen Profils, Beratung in Versicherungsfragen, Seminare zur Lösung mentaler Probleme, Business Center mit Sekretärin zur Erledigung des Schriftverkehrs, "Hilfestellung" bei Transfers und vieles mehr: Heinze & Partner will den Sportlern das Leben in vielfältiger Weise erleichtern.

Das Kerngeschäft der Firma ist gleichwohl die Finanzberatung mit all ihren Facetten. "Einige sind dabei schon bitterböse auf die Nase gefallen. Wir betreiben ein strategisches Finanzmanagement, wollen die Kunden vor Dummheiten bewahren und entwickeln eine ausgeklügelte Vermögensstrategie", erklärt Heinze. Ob er und sein Partner konservative Anleger seien? "Natürlich sind wir konservativ. Aber nicht ängstlich", antwortet der 45jährige.

Helmer beziffert den Aktienanteil an seinem Gesamtvermögen auf 10 bis 20 Prozent. "In erster Linie setze ich auf Blue Chips, aber als Beimischung auch auf Werte vom Neuen Markt wie SCM Microsystems." Bestens informiert über das Helmer-Depot ist Jörg Rubienzik, der bei Heinze & Partner als Finanzcoach firmiert. "Zockerwerte sind nicht im Portfolio", betont er und verweist zudem auf einen etwa 40prozentigen Immobilienanteil am Vermögen des Bayern-Angestellten. Ansonsten gelte: Rund die Hälfte des Depots besteht aus Aktien, die andere aus festverzinslichen Anlagen.

Eines stellt Helmer trotz des gewachsenen Vertrauens zu seinen Partnern fest: "Jeder Kauf oder Verkauf von Wertpapieren wird mit mir abgesprochen." Alleingänge auf dem Finanzparkett weiß er ebenso zu verhindern wie auf dem Rasen. Beim Promi-Börsenspiel des Nachrichtensenders n-tv mußte er sich jedoch geschlagen geben - einem gewissen Herbert Feuerstein, der sein Geld mit TV-Klamauk verdient. Rubienzik ergänzt: "In einem parallel laufenden Börsenspiel mit Finanzprofis hätten wir ebenfalls Rang zwei belegt."

Gern erzählen Helmer und Heinze von einem Engagement in Thüringen. In Masserberg, einer 800-Seelen-Gemeinde, haben die aktuellen und ehemaligen Fußballprofis Helmer, Christian Ziege, Günther Kutowski und Michael Lusch ein Rathaus gekauft. "Wenn man so will, ein bißchen Risikokapital", bemerkt Heinze. Eine Geldanlage, die sich offenbar rentiert. "Und darauf sind wir mächtig stolz." Während der Iserlohner die Fäden zieht, beschränkt sich der Job Helmers bislang auf das Herstellen von Kontakten. "Wenn Thomas seine Karriere beendet, wird er gleich am Morgen danach für die Arbeit eingeteilt", freut sich Heinze schelmisch auf das Büro-Debüt des Noch-Fußballers.

Ob der jedoch zum täglichen Schreibtischtäter in der eigenen Gesellschaft wird, steht noch nicht fest. "Ich weiß bislang nicht, was genau ich nach der Karriere machen werde." Schon heute bewegt er sich auf anderem Terrain als dem Rasenrechteck. So hat er unter der Internet-Adresse www.fussballprofis.de ein Forum für rund 15 Berufskollegen geschaffen, die sich mit eigenen Beiträgen äußern können. Von Sponsoren wird dieses Angebot finanziert, großes Geld verdient er nach eigener Aussage damit nicht.

Wichtiger ist ihm, daß den Spielern die Gelegenheit geboten wird, sich "unverfälscht" darzustellen. Eine Reaktion auf schlechte Erfahrungen mit der Presse? "Nein, nicht unbedingt", antwortet Helmer vorsichtig. Apropos Vorsicht: Der "Phantom-Torschütze" (1994 im Spiel gegen Nürnberg) verweist stets darauf, daß der Beruf des Profisportlers mit vielen Gefahren und Ungewißheiten verbunden ist. "Niemand hat die Gewähr, daß die Karriere immer erfolgreich weitergeht. Vor allem durch Verletzungen drohen unkalkulierbare Folgen", weiß Helmer, dessen Vertrag beim FC Bayern im Sommer nicht mehr verlängert wird. Ein Transfer zum FC Liverpool kam in der Winterpause aus familiären Gründen nicht zustande.

Ein anderer Wechsel mit angeblicher Helmer-Beteiligung hingegen ging bereits 1997 über die Bühne. Heinze & Partner und damit auch Helmer sollen seinerzeit mitverdient haben, als Christian Ziege von den Bayern zum AC Mailand wechselte und diese Luftveränderung von der Iserlohner Firma abgewickelt wurde. "Die branchenüblichen 20 Prozent der Transfersumme hat Helmer mit seiner Firma kassiert", sagt ein Intimkenner des FC Bayern. Noch heute soll ihm die Chefetage des deutschen Rekordmeisters dies übelnehmen, wenngleich Bayern-Manager Uli Hoeneß zuletzt in einer Münchner Zeitung patzig verkündete: "Von mir aus kann Thomas 17 Spieler von uns beraten."

Helmer sagt zu dem Thema: "Ich hatte damit nichts zu tun und habe keine Lust mehr, mich dafür zu rechtfertigen." Punkt, aus. Wie war das noch mit dem Medientraining?

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