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05.01.2001

16:46 Uhr

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Ex-"Stern"-Chef Schmidt-Holtz wird BMG-Leiter

Wie der Gütersloher Konzern am Freitag bestätigte, wird der 52-jährige mit sofortiger Wirkung President und CEO der Bertelsmann Music Group (BMG). BMG ist eines der weltgrößten Musikunternehmen und hat Sänger wie Eros Ramazotti, Whitney Houston und Carlos Santana unter Vertrag.

Reuters HAMBURG. Der Bertelsmann-Vorstand Schmidt-Holtz wird den Angaben zufolge auch weiterhin im gesamten Konzern für Inhalte verantwortlich sein. Der ursprünglich vorgesehene BMG-Chef Rudi Gassner war kurz vor Weihnachten überraschend gestorben.

Der Gütersloher Konzern hat sich mit der Ernennung von Schmidt-Holtz für einen Manager entschieden, der noch keine Erfahrungen im Musikgeschäft hat. Bei Bertelsmann war der Jurist und Journalist maßgeblich für die Integration des fusionierten Fernsehgeschäfts CLT-UFA verantwortlich. Schmidt-Holtz war von 1997 bis zum vergangenen Jahr Vorstandsvorsitzender des Bertelsmann-Fernsehgeschäfts. Anschließend wechselte er als Chief Creative Officer in den Bertelsmann-Vorstand.

Schmidt-Holtz abeitet seit 1988 kontinuierlich bei Bertelsmann, wo er bei der Verlagstochter Gruner+Jahr zunächst Herausgeber und dann Chefredakteur des Magazins "Stern" war. Schmidt-Holtz begann seine Karriere 1977 als Chef vom Dienst im Bundespresseamt, arbeitete dann als Redakteur bei der "Tagesschau" sowie als ARD-Fernsehkorrespondent in Bonn. 1985 trat er als PR-Chef erstmals in den Bertelsmann-Konzern ein. Bevor er zum "Stern" und damit endgültig zu Bertelsmann wechselte, war er noch zwei Jahre lang Chefredakteur des WDR.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Donnerstag aus Branchenkreisen die bevorstehende Ernennung von Schmidt-Holtz erfahren. In den Kreisen wurde Schmidt-Holtz nicht zuletzt deshalb als Kandidat für den Posten gehandelt, weil er viel Erfahrungen mit Fusionen hat. Bertelsmann verhandelt seit November mit dem britischen Musikunternehmen EMI über einen Zusammenschluss mit BMG. Ein Abschluss der Gespräche wird in Gütersloh nicht vor Ende Januar erwartet.

In Branchenkreisen wird spekuliert, dass Schmidt-Holtz ein Fusionsunternehmen zusammen mit dem EMI-Musikchef Ken Berry führen könnte. Die Gespräche mit EMI wird nach Informationen aus verhandlungsnahen Kreise auch weiterhin Konzernchef Thomas Middelhoff leiten. Der designierte BMG-Chef Gassner sei bei den Verhandlungen eher im Hintergrund geblieben. Die bis 2000 von Schmidt-Holtz geleitete CLT-UFA war zuletzt mit der Fernsehsparte der britischen Pearson-Gruppe zur RTL-Group verschmolzen und an die Börse gebracht worden. Nach der Fusion übernahm hier mit Didier Bellens ein Manager den Posten des Chief Executive Officers, der nicht von Bertelsmann kam.

Der 58-jährige Gassner war am 23. Dezember an einem Herzinfarkt gestorben. Anfang Januar hätte der langjährige Musikmanager President und CEO sowie im Sommer auch Chairman werden sollen.

Die Position des BMG-Chairman ist bis Ende Juni noch mit Michael Dornemann besetzt, der den Bertelsmann-Konzern anschließend verlässt. "Was ab 1. Juli geschieht, muss im Licht des geplanten Zusammengehens mit EMI gesehen werden", sagte Bertelsmann-Sprecher Martin Harnischfeger. Schmidt-Holtz werde als CEO und President künftig von einem neu geschaffenen "Executive Committee" unterstützt. In diesem Gremium der zweiten Führungsebene säßen BMG-Manager aus den verschiedenen Regionen und von den verschiedenen Plattenfirmen. Zu BMG zählen mehr als 200 dieser "Labels" in 54 Ländern. Auch der Chef von BMG-Deutschland, Thomas Stein, ist laut Harnischfeger in dem Exekutivkomitee vertreten.

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