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11.01.2007

17:39 Uhr

Expatriates

Der schwierige Weg zurück

VonChristoph Lixenfeld

Viele Unternehmen planen die Auslandsaufenthalte ihrer Mitarbeiter schlecht: Kommen die Expatriates nach der vereinbarten Zeit zurück, ist ihr Posten längst anderweitig besetzt - die Betroffenen fühlen sich wie das fünfte Rad am Wagen und kündigen häufig. Was für eine Verschwendung!

Hochhäuser in Schanghai: Fern der Heimat werden Mitarbeiter schnell vergessen. Foto: dpa

Hochhäuser in Schanghai: Fern der Heimat werden Mitarbeiter schnell vergessen. Foto: dpa

„Aus den Augen, aus dem Sinn – das war meine bittere Erfahrung als Expat in Großbritannien“, erzählt Betriebswirt Markus Brenner. Für zwei Jahre war der Manager, der anders heißt, mit seiner Familie von einem internationalen Dienstleistungskonzern auf die Insel entsandt worden. Die Arbeit im Ausland gefiel ihm sehr – doch die Rückkehr gestaltete sich schwierig: Sein alter Posten war längst besetzt. Der Konzern strukturierte um und hatte keine interessante Position für ihn.

Was aber Expat Brenner am meisten ärgerte: „Niemand sprach mit mir über meinen künftigen Einsatz, sie hielten mich hin. Alles schien planlos.“ Frustriert zog der 39-Jährige die Konsequenz und wechselte zu einem Beratungshaus: „Hier schätzt man wenigstens meine fachlichen, persönlichen und interkulturellen Kompetenzen, die ich im Ausland erworben habe.“

Betriebswirt Brenner ist kein Einzelfall. Eine weltweite Studie der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers , die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, belegt: Die Rückkehr von Expatriates misslingt häufig. Die Berater untersuchten das Schicksal von fast 3 500 ins Ausland entsandten Fach- und Führungskräften aus den USA und Europa. Im Schnitt bleiben sie 29 Monate vor Ort – etwa 30 Prozent von ihnen sind Spitzenleister.

Wichtigstes Ergebnis: Ganze 15 Prozent der Expats verlassen ihren Arbeitgeber im ersten Jahr nach der Rückkehr. „Die Fluktuation unter diesen Mitarbeitern ist also dreimal so hoch wie der Durchschnitt aller Angestellten in den untersuchten Unternehmen“, konstatiert Louis de Vries, Partner bei Pricewaterhouse Coopers.Ein Grund: „In den meisten Firmen gibt es, wenn überhaupt, nur sehr vage Konzepte für die Wiedereingliederung. Nur etwa die Hälfte der von uns untersuchten Unternehmen plant die Reintegration systematisch.“

Negative Erfahrungen machte auch eine IT-Spezialistin, die von ihrem Münchener Arbeitgeber für zwei Jahre nach Paris geschickt wurde. So dachte sie zumindest am Anfang. Doch aus zwei Jahren wurden vier, weil es in der Heimat plötzlich keine adäquate Position mehr für sie gab. Schließlich suchte sie sich selbst einen neuen Job – bei einer anderen Firma.

Die Konzeptlosigkeit der Unternehmen erstaunt, sind doch Auslandsentsendungen extrem teuer. Die Studie ergibt: Im Schnitt kostet jeder Expat seinen Arbeitgeber knapp 240 000 Euro pro Jahr. Auch deshalb sollten Unternehmen die Entsendung sorgfältig planen und begleiten, so Louis de Vries von PwC: „Es handelt sich um eine Investition in Know-how. Und mit Investitionen sollte man sorgsam umgehen.“ Andrea Wald, Personalmanagerin für Amerika bei BMW, berichtet: „Dass jemand aus dem Ausland zurückkommt und wir erst dann diskutieren: Wo tun wir den jetzt hin? – das gibt es heute nicht mehr. Wir haben auf diesem Gebiet in den vergangenen Jahren viel gelernt.“ Heute sprechen die Verantwortlichen mit dem Expat bereits über Rückkehrszenarien, noch bevor dieser die Reise antritt.





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Allerdings: Verbindliche Zusagen für einen bestimmten Job nach der Rückkehr gibt es nirgendwo. „Schließlich wissen wir nicht, welche Positionen in drei oder fünf Jahren zur Verfügung stehen“, gibt Hans-Joachim Geppert, Bereichsleiter Personal bei Boehringer in Ingelheim, zu bedenken. „In den meisten Fällen funktioniert die Wiedereingliederung, aber manchmal findet der Betreffende hinterher auch keinen adäquaten Posten.“ Um die Zahl dieser Fälle möglichst gering zu halten, stellt Boehringer jedem Expat einen Mentor zur Seite, der während der Zeit im Ausland den Kontakt in die Zentrale hält.

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