Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2003

08:00 Uhr

Experte: Fonds wenig kreativ

Jagd nach Renditen wird härter

VonPeter Köhler

Private Beteiligungsfonds sind mit vollen Taschen auf der Pirsch nach lohnenden Investitionen. Ihre Bedeutung als Partner bei Firmenkäufen und Entflechtungen steigt, aber der Wettbewerb um die Sahnestücke ist hart. Die Investmentbanker der Verkäufer treiben die Preise in die Höhe und mindern damit die Renditen für die Investoren.

FRANKFURT/M. Private Equity-Häuser, die Sammelstellen für privates Beteiligungskapital, werden auch im neuen Jahr bei Firmenkäufen in Europa kräftig mitmischen. Denn die Ausgangslage für Finanzinvestoren ist relativ gut: Weil sich Banken mit ihrer Kreditvergabe zurückhalten, gewinnen außerbörsliche Eigenkapitalbeteiligungen an Bedeutung. Gleichzeitig bringt die Restrukturierung bei zahlreichen Konzernen ein stetiges Angebot an Unternehmen. Der größte Trumpf der milliardenschweren Beteiligungsfonds aber ist, dass sie auch 2003, inmitten der Börsenbaisse, über ein rares Gut verfügen: über Liquidität.

Damit sind sie auf dem Markt für Übernahmen und Fusionen zu gern gesehenen Partnern herangewachsen. In Großbritannien zum Beispiel finanzierten sie im vergangenen Jahr bereits 44,5 % aller M&A-Transaktionen, gegegenüber nur 15 % im Jahre 1995, wie das Centre for Management Buyout Research ermittelte. Weil der britische Markt in dieser Beziehung mehrere Jahre Vorsprung hat, wird fürDeutschland in Zukunft eine ähnliche Entwicklung erwartet.

Allerdings wird sich auch der Wettbewerb um die Filetstücke der deutschen Wirtschaft verschärfen. Denn mit zunehmender Reife des Marktes verschwinden auch weitgehend die Niedrigpreise, die privaten Kapitalgebern noch Mitte der neunziger Jahre Traumrenditen von 50, 60 oder gar 70 % pro Jahr bescherten. Denn mittlerweile steuern Investmentbanken die Verkäufe von Unternehmen und Konzernteilen hoch effizient und lassen damit die Wertsteigerungspotenziale für Finanzinvestoren schrumpfen.

Max Burger-Calderon ist deshalb für Teile des Marktes skeptisch: "Es gibt eine große Anzahl von Konkurrenten, die sehr liquide sind und sich aggressiv im Markt bewegen. Gleichzeitig sind viele Fonds aber wenig kreativ und zielen nur auf die großen und bekannten Deals in den Auktionen." Burger-Calderon ist Chairman der European Private Equity and Venture Capital Association (EVCA) und Gründungsmitglied der Beteiligungsgesellschaft Apax. Zu den großen und deshalb heiß umkämpften Transaktionen gehörten im vergangenen Jahr der Pay-TV-Anbieter Premiere, das Kabelnetz der Telekom, der Duftstoff-Deal um Dragoco und Haarmann & Reimer sowie der Herauskauf von Teilen aus dem Siemens-Konzern. Im neuen Jahr drehen die Finanzinvestoren bereits Warteschleifen, um beim Chemielogistiker Brenntag, der Eon-Tochter Viterra und beim Bertelsmann-Springer-Fachverlag zum Zug zu kommen.

Trotz der weniger günstigen Renditeaussichten pumpen institutionelle Investoren vorerst weiter Mittel in die Fonds der Beteiligungsgesellschaften. "Eine Kapitalverknappung im Markt sehe ich frühestens 2004", sagt EVCA-Verbandschef Burger-Calderon. Hinter die Kapitalzusagen der Versicherungen setzen Insider allerdings ein Fragezeichen. Sie hätten "momentan andere Probleme, als sich über die Höhe ihrer Investitionen in alternative Anlageklassen Gedanken zu machen", heißt es.

Ob Verkäufe von mittelständischen Unternehmen in 2003 endlich die erhofften Impulse für den Beteiligungsmarkt liefern werden, bleibt umstritten. Wilken Freiherr von Hodenberg, Vorstandssprecher der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG), erwartet für mittelgroße Management-Buyouts "einen nachhaltigen Dealflow, gespeist vor allem aus der Konzentration der Konzerne auf ihr Kerngeschäft."

Aber die Branche läßt sich nicht wenige Chancen entgehen: "Viele Private Equity-Manager sitzen im Büro und warten auf den Anruf der Investmentbanken. Kaum einer geht raus nach Paderborn oder Wuppertal und versucht, Mittelständler vor Ort zu überzeugen. Dabei könnten das die interessantesten Deals werden", kritisiert Burger-Calderon. Wie Großtransaktionen sei aber auch das Mittelstandssegment "extrem wettbewerbsintensiv", sagt Christian Hollenberg, Geschäftsführender Gesellschafter der Orlando Management GmbH. Es gebe immer weniger "pflegeleichte Ertragsperlen" mit Umsätzen im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Dennoch fließe von institutionellen Investoren viel Kapital in dieses Größensegment. Hier dürfte es in den nächsten Jahren eine erhebliche Konsolidierung bei den Beteiligungsfonds geben, sagt Hollenberg.

Der potenziell sehr attraktive Markt der Sondersituationen - wie zum Beispiel Sanierungsfälle - zieht zunehmend Investmentmanager ohne Erfahrung in diesem Bereich an. Hier, so glauben Fachleute, droht im laufenden Jahr am ehesten eine Fehlallokation von Geldern, denn es gäbe relativ wenige Beteiligungsmanager, die Unternehmen aus einer Schieflage herausführen könnten.

Quelle: Handelsblatt

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×