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25.01.2007

12:06 Uhr

Experte: Potenzial wird nicht genutzt

Deutsche Chefs misstrauen der Informationstechnologie

VonJoachim Dorfs

Europäische Firmen hängen mit ihrer IT-Infrastruktur ihren US-amerikanischen Konkurrenten um 18 bis 24 Monate hinterher. Das behauptet George Colony, Gründer und CEO des Technologieberatungsunternehmens Forrester Research, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

DAVOS. Nach Colonys Beobachtung haben vor allem deutsche Firmen in Europa das Nachsehen, während etwa bei skandinavischen Unternehmen kaum ein Rückstand gegenüber ihrer Konkurrenz aus Übersee auszumachen sei. Er führt das vor allem auf Misstrauen der deutschen Führungskräfte zurück. Gerade ältere Chefs hätten oft keinen Bezug zu moderner Informationstechnologie, würden damit aber Chancen verpassen, mehr Nutzen aus jüngeren, technikaffineren Mitarbeitern zu ziehen. Eine Änderung würde nach seiner Einschätzung erst ein Generationenwechsel bringen. Erste Anzeichen eines solchen glaubt er ausgemacht zu haben: "Ich wäre nicht überrascht, wenn der Abstand innerhalb der nächsten drei Jahre auf zwölf Monate sinkt."

Größere Investitionen in Netzwerktechnologien rechneten sich für Unternehmen allerdings nur dann, wenn sie bereit seien, anschließend auch die Firmenorganisation und die Arbeitsabläufe in der Firma umzustellen. Ansonsten verpuffe der Effekt der neuen Technologien, meint Colony. Das Versagen, entsprechende Konsequenzen aus ihren IT-Investitionen von rund 60 Milliarden Dollar im Jahr 2000 zu ziehen, habe die US-Firmen in den Folgejahren noch stark belastet.

Durch die moderne Kommunikations- und Netzwerktechnologie haben sich nach Auffassung von Ben Verwaayen, dem Chef des britischen Telekomanbieters BT, die Arbeitsmöglichkeiten weltweit in den vergangenen zehn Jahren stärker geändert als in jeder Dekade zuvor. In einer Diskussionsrunde auf dem World Economic Forum in Davos bezeichnete er die "spontan mögliche Einbeziehung von Leuten aus unterschiedlichen Ländern und mit unterschiedlichen Talenten" als den wesentlichen Pluspunkt in der heutigen Arbeitswelt.

Im Zuge solcher Prozesse müsse sich freilich auch die Identität der Firma ändern. Wer Talente global nutzen wolle, könne sich nicht als nationales Unternehmen positionieren, sagte der Niederländer, der vor seiner Anstellung in Großbritannien in den USA gearbeitet hatte.

Die neuen Prozesse führten auch dazu, dass sich das Rollenverständnis des Konzernchefs ändern müsse: Gefragt sei der "Moderator, der die Diskussionen zu den wesentlichen Ideen eröffne, aber kein Problem damit hat, die Kontrolle über die Debatte abzugeben", postulierte der BT-Chef.

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