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29.03.2003

14:20 Uhr

Experten empfehlen einen hohen Anteil an Barmitteln oder Kurzläufern im Depot

Rezept gegen die Krise: Liquidität

VonKathrin Quandt (Handelsblatt)

Die Aktienkurse schwanken stark. Dominieren Hoffnungen auf einen kurzen Krieg, geht es aufwärts, lassen neue Nachrichten auf eine längere Dauer schließen, sinken die Kurse. Mehrere Anlagestrategen und Manager von Mischfonds raten konservativen Anlegern zu einem hohen Liquiditätsanteil oder zu kurzlaufenden Renten.

FRANKFURT/M. Harald Matthies, Partner bei Schleber Finanz-Consult und Betreuer des Dachfonds SFC Global Markets der DWS Luxemburg, steckt derzeit etwa 80 Prozent des Fondsvermögens in Liquidität - genauer gesagt: in Geldmarktfonds. Diese Strategie sei auch für Privatanleger sinnvoll, meint der Fondsberater. Denn er erwartet weiterhin ein Auf und Ab an den Finanzmärkten, zumal sich ein Krieg im Irak länger hinziehen könnte. Den Aktienanteil im Fonds hat Matthies gegenwärtig von 30 Prozent auf rund 20 Prozent zurückgefahren, Renten hält er gar keine mehr.

"Anleger sollten unbedingt die Nachrichtenlage verfolgen und ihre Depotgewichtungen ständig überprüfen," rät auch Michael Friebe von FondsConsult Asset Management. Denn Portfolioempfehlungen sind zurzeit kurzlebig. Aktuell schwanken die Kurse an den Finanzmärkten sehr stark. In diesem Umfeld raten wie Friebe viele Experten abzuwarten, bis sich klare Trends herausbilden.

Dieter Baumann, der als Berater über die Strategie des Mischfonds Euro-Konzept-Fonds von HSBC Trinkaus entscheidet, bekräftigt: Unterschiedliche Nachrichten über den Irak-Krieg dürften die Anleger immer wieder verunsichern und die Aktienkurse belasten. Er rechnet damit, dass der Dax noch einmal den jüngsten Tiefstand von 2 200 Punkten testen kann. Wenn es soweit sei, werde er allerdings wieder zukaufen. Denn wenn der Krieg im Irak relativ kurz ausfallen sollte - wie an der Börse vielfach erwartet wird -, dann könnte nach einem solchen Fall der Boden für einen nachhaltigen Aufschwung bereitet sein. Zurzeit hat Baumann gerade einmal vier Prozent des Fondsvolumens in Aktien investiert. Seine Strategie des Abwartens bedeutet aber nicht, dass er auf Geldmarktfonds zurückgreift; er hält 65 Prozent Renten im Depot, allerdings nur Papiere mit einer Laufzeit unter einem Jahr.

Zur Vorsicht rät auch Stefan Keitel, Leiter des Portfoliomanagements bei der Credit Suisse (Deutschland) AG: "Der konservative Anleger sollte sich auf Grund der aktuell sehr fragilen Börsensituation noch nicht zu einem weiteren Positionsaufbau entschließen." Keitel, der dem konservativen Anleger aktuell eine Aktienquote von maximal 20 Prozent empfiehlt, meint, erst wenn sich die "momentan sehr undurchsichtige Nachrichtenlage" aus dem Irak etwas transparenter zeige und "glaubhafte positive" Nachrichten zu einer Stabilisierung führten, wäre ein sukzessiver Ausbau der Aktienposition sinnvoll.

Entscheidend für die Diskussion um die richtige Depotstruktur wird allerdings auch die Entwicklung der Konjunktur sein. Experten sind sich einig: Zieht sie an, legen die Aktienmärkte zu, die Zinsen steigen, damit sinken die Anleihenkurse - und Anleger sind mit einem hohen Aktienanteil gut beraten. Bernd Ullrich, Leiter Asset Allocation bei Cominvest, rät vor diesem Hintergrund, jetzt schon wieder in Aktien einzusteigen, auch wenn man wegen der Rückschlagsgefahren am Markt noch nicht voll investiert sein sollte.

Doch einige Beobachter sind nicht überzeugt, dass die Konjunktur tatsächlich in Schwung kommen wird. Keitel etwa meint, noch sei eine deutliche Verbesserung der makroökonomischen Daten nicht in Sicht - und die wäre für eine nachhaltige Aufwärtsbewegung an der Börse wichtig.

Friebe bekräftigt: "Mit Blick auf die Konjunkturentwicklung - vor allem in den USA - lauern noch einige negative Überraschungen auf uns." Er will sich dem überwiegend positiven Konsens der meisten Analysten über eine bevorstehende wirtschaftliche Erholung nicht anschließen. In dem von seiner Gesellschaft verwalteten Dachfonds wurde die Aktienquote aktuell von 30 Prozent auf 15 Prozent reduziert - unter anderem, weil der Krieg im Irak doch "schwieriger verläuft als bislang gedacht." Friebe rät konservativen Investoren zu einem Rentenanteil von 70 Prozent, dabei überwiegend zu Kurzläufern, bei denen sinkende Anleihenkurse zu vergleichsweise niedrigen Verlusten führen. Der Experte gibt zudem zu bedenken: Die Börsen befinden sich nur dann auf historisch günstigem Einstiegsniveau, wenn die Gewinne der Unternehmen wirklich wie prognostiziert deutlich ansteigen.

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