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24.03.2003

07:51 Uhr

Experten empfehlen Titel, die Kurspotenzial mit Stabilität verbinden

Viele Aktien in Asien bieten hohe Dividende

VonOliver Müller

Anleger sind hin und her gerissen: Krieg und Terror könnten die Märkte weiter fallen lassen; andererseits befürchten Investoren, nach Ausbruch des Irak-Krieges eine Rally zu verpassen. In Asien raten Analysten zu Anlagen, die beiden Sorgen Rechnung tragen: Aktien mit begrenztem Abwärtspotenzial und einer hohen Dividende.

HONGKONG. Nachdem die Aktienmärkte in Asien am Tag der ersten Bomben auf Bagdad gestiegen waren, zeigte sich am Freitag ein gemischtes, wenn auch weiter überwiegend positives Bild. Eine anhaltende Rally nach den mehrmonatigen Kursverlusten ist in Asien keineswegs sicher. Die meisten Analysten sind nicht so optimistisch wie Salomon Smith Barney-Stratege Ajay Kapur. "Asiens Märkte sind nahe eines 15-Jahres-Tiefs," schreibt dieser. "Das schreit nach Taten!" In der Tat liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse in Asien deutlich unter denen in den USA und Europa. Für Kapur ergibt sich daraus nur ein Schluss: "Die Furcht ablegen und asiatische Aktien kaufen."

Auch der Hongkonger Investment-Guru Marc Faber hält es für möglich, dass die Kurse in Fernost kurzfristig um 30 bis 40 % steigen könnten. Grund dafür sind verbreitete Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Kämpfe, sinkende Ölpreise und ein anziehendes Wachstum. Doch davon ist nichts sicher. Und Faber rechnet nur mit einer "klassischen Bärenmarkt-Rally", die wieder in sich zusammenbricht. Der Querdenker, dessen Skepsis ihm den Beinamen "Dr. Doom" eingetragen hat, misstraut der Konjunkturentwicklung, vor allem in den USA. Aus dem gleichen Grund revidieren derzeit auch viele Volkswirte in Asien ihre Wachstumsprognosen für den extrem exportabhängigen Fernen Osten nach unten. Auch die Erwartungen an Firmengewinne, die in Fernost bis vor kurzem optimistischer waren als im Westen, beginnen zu purzeln.

"Eine Rally zum Kriegsauftakt könnte sehr kurz ausfallen angesichts der anhaltenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen," warnt auch Spencer White, Asienstratege bei Merrill Lynch. Für Christopher Wood, Asienstratege bei der Crédit Lyonnais-Tochter CLSA, ist der Bärenmarkt noch lange nicht ausgestanden. Kurzfristig rechnet aber selbst er mit einem kräftigen Schub für Aktien und rät zum "taktischen" Kauf indischer Softwarehäuser und thailändischer Banken.

"Dem Portfolio Beta hinzufügen", heißt es in vielen Research-Reports. Gemeint ist: Anleger sollen risikoreichere Aktien aufstocken, die stärker steigen, wenn sich die Märkte wenden. Doch viele Analysten in Fernost trauen der erwarteten Rally nicht. Sie raten deshalb weiter zu Werten mit begrenztem Abwärtspotentzial. In Fernost finden sich Aktien mit dem Puffer einer hohen Dividende - für den Fall, dass sich Militärplaner oder Konjunkturpropheten irren. Die durchschnittliche Dividendenrendite liegt derzeit laut ING in Asien außer Japan bei 3,5%. In den USA sind es 1,9%. Und weil viele asiatische Firmen derzeit keine geeigneten Investitionsmöglichkeiten für ihr Bargeld finden, haben erstaunlich viele ihre Dividendenausschüttungen in jüngster Zeit deutlich erhöht.

Das erlaubt ABN Amros Asienstrategen Ben Rudd eine Strategie des "defensiven Risikos" zu propagieren: Aktien mit klarem Aufwärtspotenzial für eine Irak-Rally - und der Absicherung von mindestens 4% Dividendenrendite. Dazu gehören an der Hongkonger Börse die Immobilienwerte New World Development und Kerry Properties, die Reederei China Shipping, die Raffinerie Sinopec, der Mischkonzern Citic - und die Börse HK Exchanges & Clearing. In Singapur rät Rudd zur DBS Bank und Singapore Airlines, in Thailand zu Siam Commercial Bank und Siam Cement. Einen "attraktiven Mix aus Wachstum, Gewinnsicherheit und Werthaltigkeit" sieht er wie Wood in Indien. Das Land mit hohen Wachstumsraten ist weitgehend unabhängig von der Weltwirtschaft. Rudd empfiehlt die HDFC Bank, den Mischkonzern Tata und die Sofwareschmieden Satyam und Infosys.

Auch Merrill-Stratege White glaubt nicht an das rosige Szenario von kurzem Krieg, einbrechendem Ölpreis und globalem Wachstumsschub und empfiehlt, defensive Papiere zu halten. Für die "Gläubigen" unter seinen Kunden hat er eine Kaufliste zusammengestellt mit riskanteren Werten. Darauf finden sich die Technologie-Werte Nanya, Compal und TSMC in Taiwan und Samsung SDI in Südkorea. Außerdem empfiehlt er die risikoärmeren Immobilienwerte Keppel Land und DBS Bank in Singapur, den Tabaktitel Gudang Garam in Indonesien und die Reederei China Shipping Development.

In einem sind sich White, Wood und Rudd einig: Von Südkorea - vor kurzem noch Lieblinsmarkt asiatischer Fondsmanager - raten sie ab. Dort lässt die Wachstumsdynamik schneller nach als bei den Nachbarn, ein Bilanzskandal hat viel Vertrauen zerstört, und Nordkorea dürfte den Ausbruch eines Irak-Krieges zu noch heftigerem Säbelrasseln nutzen. "Der Markt dort hat seinen Boden noch nicht gefunden," glaubt White. Selbst bei einem schnellen Ende des Irak-Krieges dürfte die koreanische Halbinsel im Brennpunkt geopolitischer Spannungen bleiben.

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