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02.06.2000

15:46 Uhr

Experten erklären die Konzeption eines Warrants

So entsteht ein Optionsschein

VonKAI JOHANNSEN

Privatinvestoren können am heimischen Markt aus einem reichhaltigen Angebot an Warrants schöpfen, um ihre Anlage- oder Absicherungsmotive individuell umzusetzen. Wie die Scheine bei den Emittenten kreiert werden, erläutern zwei Experten.

FRANKFURT/M. Die Flut von immer neuen Warrants scheint in Deutschland nach wie vor ungebremst. Neueren Schätzungen zufolge verfügt der Markt mittlerweile insgesamt über rund 10.000 Scheine. Warburg Dillon Read zählt mit eigenen Kreationen im Umfang von rund 1400 Warrants zu den größeren Produktanbietern am heimischen Parkett. Holger Bosse, Leiter Marketing Optionsscheine und Volker Greve, Leiter des Aktienoptionsscheinhandels, geben in einem Gespräch mit dem Handelsblatt einen Einblick, welcher Weg von der ersten Idee bis zur Börseneinführung eines Warrant zurückzulegen ist.

Ein standardisiertes Schema, nach dem das Angebot ausgelotet wird, gibt es bei Warburg Dillon Read nicht. "Bestimmte Titel muss man einfach im Programm haben. Nur weil die Konkurrenz ein Bankkonto anbietet, verzichtet eine andere Bank ja nicht darauf", vergleicht Greve das Angebot der Emissionshäuser untereinander. Zum Pflichtprogramm gehören Warrants auf die gängigen Aktienindizes, so etwa die Dax- oder Dow-Jones-Stoxx-Familie. Sie unterschieden sich oftmals nur durch Feinheiten in de Ausgestaltung. "Danach lassen wir uns meist von aktuellen Themen leiten", erläutert der Optionsschein-Experte. "Das kann im Zuge der Bankenparty ein aussichtsreicher Basket-Warrant auf Bankaktien sein, die von dem Fusionsfieber angesteckt werden könnten oder Call- und Put-Scheine auf die Aktie eines Unternehmens, das gerade sein Börsendebut gab".

Die beiden Experten sehen den Trend jedoch klar in Richtung Plain Vanilla-Scheine, Warrants also, die vergleichsweise einfach strukturiert sind, wie Call oder Put-Optionsscheine auf einzelne Aktien oder Indizes. "Je komplizierter das Produkt ist, desto höher ist auch der Aufwand, den der Emittent bei der Erklärung seines neuen Vehikels betreiben muss. Andererseits erhöhen sich die Kosten der laufenden Absicherung des Produktes auf seiten des Emittenten. Beides fällt natürlich auf den Anleger zurück, der den Warrant erwirbt", erläutert Greve.

Details werden genau festgelegt

Nachdem die Idee für einen Warrant geboren ist, sind eine Reihe von Ausstattungsmerkmalen festzulegen. Die Spezifikationen betreffen jedoch nicht nur den jeweiligen Schein als solches, also die Definition von Basispreis, Laufzeit, Bezugsverhältnis, Emissionskurs etc. Auch die Emission ist standardisiert. Festzulegen sind unter anderem Emissionsvolumen und die Freiverkehrssegemente der Börsen, an denen das Produkt eingeführt werden soll.

Die beiden Experten bestreiten den Vorwurf, dass es sich um einen Etikettenschwindel handele, sofern das Plazierungsvolumen zum Teil deutlich unter dem angegebenen Emissionsvolumen für einen Warrant liegt. "Aufgrund der Standardisierung des Emissionsprozesses sind wir schlichtweg gezwungen, eine Angabe hinsichtlich des Emissionsvolumens zu machen. Setzen wir sie zu niedrig an, und die Nachfrage übersteigt das vorhandene Angebot, müssen wir die Emission nachträglich aufstocken." Dies bedeute zusätzliche Kosten, die zu berücksichtigen seien. Um sich die Möglichkeit einer leichteren Aufstockung offenzuhalten, würden oftmals Formulierungen wie bis zu 1 Mill. Stück gewählt. Neben einer Werpapierkennnummer müssen dem Warrant diverse andere Codes aus Gründen der internationalen Abwicklung zugeteilt werden. Sodann wird der kreierte Warrant in Form einer Globalurkunde bei der Deutsche Börse Clearing hinterlegt.

Kosten sind gesunken

Darüber hinaus ist der Verkaufsprospekt mit sämtlichen Angaben beim Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel einzureichen. "Regelmäßig holen wir noch die Zustimmung des betreffenden Unternehmens ein, auf deren Aktie ein Warrant begeben wird. Größere Probleme haben wir hierbei meist nicht. Die Unternehmen wünschen häufig lediglich eine ausgewogene Anzahl an Calls und Puts auf ihre Aktie." Die externen Kosten für eine Warrant-Emission sind in den vergangenen Jahre extrem gesunken. Wurde in der Vergangenheit jeder neu einzuführende Warrant noch seperat abgerechnet, gelten mittlerweile an den meisten deutschen Börsen Pauschalpreise pro Emittent. Diese liegen bei 20 000 Euro. Sofern das Pauschallimit erreicht ist, werden keine weiteren Gebühren fällig.

Besonders zeitaufwendig ist der Vorgang der Warrantkonzeption nicht. Mitunter kommt es sogar vor, dass ein Händler auf mündlicher Absprache einiger wesentlicher Details bereits einen Warrant gehandelt hat, der noch gar nicht begeben wurde. "Dann muss der Warrant eben nach dem ersten Handel entsprechend maßgeschneidert werden. Länger als eine Stunde brauchen wir für die ganze Angelegenheit aber nicht", so Bosse. Käufer der Optionsscheine sind in erster Linie private Investoren. "Rund 90% des Angebots wird von Privatanlegern aufgenommen", erklärt Bosse. Die verbleibenden 10% seien zum größten Teil Produkte, die auf die speziellen Bedürfnisse der Versicherungsbranche zugeschnitten seien. Das Optionsschein-Verständnis privater Anleger sei in den vergangenen deutlich gestiegen. Hierfür seien Online-Banking und Online-Brokerage sowie die zahlreichen Info-Angebote im Internet verantwortlich. "Der Privatmann hat die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Warrants erkannt und kann diese auch kostengünstiger umsetzen als noch vor ein paar Jahren. Das lockt nun mal".

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