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21.06.2000

13:40 Uhr

Experten erwarten nicht sofort deutlich niedrigere Preise

OPEC beschließt Erhöhung der Ölfördermenge

Die Mitgliedsländer der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) ( >> Opec ) wollen ab Juli mehr Rohöl fördern. Wie am Mittwoch der libysche Delegationsleiter Abdalla Salem el Badri erklärte, soll die Fördermenge um etwas weniger als 750 000 Barrel pro Tag erhöht werden.

ap WIEN. Experten rechneten nicht damit, dass die Ölpreise sofort spürbar sinken. Denn tatsächlich wären dies nur 200 000 Barrel mehr am Tag, da jetzt schon 500 000 Barrel mehr als vereinbart gefördert werden.

Die Einigung der OPEC-Länder auf bei ihrer Konferenz in Wien gab der saudiarabische Ölminister Ali Naimi bekannt. Nach Ansicht von Roger Diwan, Analyst bei der amerikanischen Beraterfirma The Petroleum Finance Company, könnte der Rohölpreis dadurch von derzeit 33 $ (38 Mark/35 Euro) auf 27 bis 28 $ pro Barrel fallen. Die OPEC hatte sich im März ein System verordnet, das die Fördermenge an die Höhe des Ölpreises knüpft, um allzu drastische Preisschwankungen zu vermeiden. Danach wird die Fördermenge automatisch erhöht, wenn der Rohölpreis 20 Tage in Folge über 28 $ pro Barrel liegt. Umgekehrt wird die Fördermenge gedrosselt, wenn der Preis im gleichen Zeitraum niedriger als 22 $ ist.

Experten warnten davor, bei einer höheren Fördermenge sofort sinkende Benzinpreise zu erwarten. So verwies Shell-Sprecher Rainer Winzenried darauf, dass die Vorratslager für Öl zurzeit verhältnismäßig leer seien. Das könnte dazu führen, dass die Händler zunächst die Tanks wieder füllten. Außerdem drohe in Norwegen ein Streik der Erdölarbeiter wegen ihrer Altersversorgung. Der Streik würde die Ölförderung des Landes - 3,2 Mill. Barrel am Tag - lahm legen.

Die elf OPEC-Staaten fördern insgesamt rund 35 % der weltweiten Rohölmenge. Der Organisation gehören neben Saudi-Arabien, Kuwait, Iran, Irak, Algerien, Indonesien, Katar, Libyen, Nigeria, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela an. Wichtige Erdöl fördernde Länder wie Mexiko und Norwegen, die nicht OPEC-Mitglieder sind, orientieren sich an der Entscheidung der Organisation.

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