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24.03.2003

08:20 Uhr

Experten hätten Verkauf der Beiersdorf-Anteile der geplanten Kapitalerhöhung vorgezogen

Analysten kritisieren Allianz-Pläne

VonHolger Alich

Zum Teil auf Unverständnis sind die Pläne der Allianz bei Wertpapierexperten gestoßen, in diesen unsicheren Börsenzeiten eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Einmal mehr bekräftigte das Management, die Geschäftsfelder des Konzerns nun konsequent auf Profit trimmen zu wollen. Verkäufe werden nicht ausgeschlossen.

DÜSSELDORF. Analysten übten am Freitag auf einer Investoren-Konferenz der Allianz zum Teil heftige Kritik an den Plänen des Konzerns, das Kapital über eine Bezugsrechtsemission um 3,5 bis 4 Mrd. Euro zu erhöhen. "Wäre es nicht sinnvoller, die Dresdner Bank zu stutzen, statt immer mehr Kapital hineinzustecken?", fragte ein Analyst. Der designierte Vorstandschef Michael Diekmann entgegnete, dass man mit dem massiven Sparprogramm bereits radikale Schritte bei der Dresdner Bank übernommen habe. Allianz-Vorstand Paul Achleitner ergänzte: "Angesichts des enormen Potenzials des Vorsorgemarktes kann der Erfolg unseres Konzepts erst in einigen Jahren beurteilt werden." Die Aussage des Managements war klar: Die Geschäftsfelder werden zwar stärker unter Druck gesetzt, profitabel zu werden; bis auf weiteres bleibt die Grundstrategie der Allianz aber unverändert.

Am Donnerstag hatte der größte Versicherer Europas zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg einen Verlust in der Höhe von 1,2 Mrd. Euro bekannt gegeben. Ursache waren Milliardenverluste der Dresdner Bank, Abschreibungen auf den Wertpapierbesitz und hohe Aufwendungen für Flut- und Asbestschäden. In Folge dessen fehlen der Allianz 1,7 Mrd. Euro, um die eigenen Aktivitäten in ausreichend Maße mit Kapital zu unterlegen, um ein Rating im Bereich "AA" zu halten.

"Bevor ich in solch einem unsicheren Umfeld an den Kapitalmarkt herantrete, muss ich erst einmal alle internen Ressourcen nutzen", sagte im Anschluss an die Analystenkonferenz Carsten Zielke, Versicherungsanalyst der WestLB Panmure. Damit spielt er auf den möglichen Verkauf des Beiersdorf-Paketes der Allianz an, über den seit längerem am Markt spekuliert wird. Auch Jochen Schmitt, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz, hätte den Verkauf der Beiersdorf-Anteile der Kapitalerhöhung vorgezogen. Nach seinen Berechnungen hätte die Allianz damit ihr Eigenkapital um rund 3 Mrd. Euro stärken können. Die Frage nach einem Verkauf des Beiersdorf-Paketes blockte Allianz-Vorstand Achleitner damit ab, dass sich der Konzern nicht zu einzelnen Unternehmen aus dem Beteiligungsbesitz äußere.

Merrill Lynch hatte in einer Research-Note am Donnerstag gefordert, das Management müsse unbedingt klar machen, dass das Schlimmste nun überstanden sei. Doch Controlling-Vorstand Helmut Perlet erklärte am Freitag, dass der Bereich Corporates & Markets der Dresdner Bank die angestrebte Umsatzverbesserung von 500 Mill. Euro "nicht erreichen wird, wenn die Marktsituation so bleibt, wie sie ist." Zudem drohen dem Konzern auch im Jahr 2003 nochmals Abschreibungen auf den Wertpapierbesitz von 750 Mill. Euro im ersten Quartal, zudem könnte weiterer Abschreibebedarf hinzukommen, wenn die Märkte seitwärts verlaufen oder weiter fallen sollten. Auf die Frage, wie denn eine Kapitalerhöhung mit der Zahlung einer Dividende zusammenpasse, erklärte Diekmann, dass das Management mit der Dividendenzahlung dokumentieren wolle, dass nun das Schlimmste überstanden sei.

Neue Spekulationen entfachte der designierte Allianz-Chef Diekmann mit seiner Aussage, dass sich die Allianz von schlecht laufenden Einheiten trennen will. "Diese Einheiten haben insgesamt ein Prämienvolumen von 10 Mrd. Euro", sagte er. Konkreter wurde er nicht. Die französische Tochter AGF gehöre aber nicht zu den Verkaufskandidaten. "Aber die AGF wird verschärft auf unseren Radarschirmen auftauchen", kündigte er an. Der französische Versicherer hatte im durch Agenten vermittelten Geschäft steigende Schaden-Raten verzeichnet und einen Gewinneinbruch erlitten.

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