Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2005

11:00 Uhr

Experten kritisieren mangelndes Wissen über ökonomische Zusammenhänge

Studenten kümmern sich zu wenig um ihre Altersvorsorge

VonPatrick Mönnighoff (Handelsblatt)

Deutsche Schüler und Studenten interessieren sich kaum für ihre Rente. Schuld daran sei auch eine mangelhafte Aufklärung an Schulen und Universitäten, sagt Bernd Katzenstein, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA).

HB DÜSSELDORF.Dieses fehlende Bewusstsein führt nach Expertenmeinung zu Problemen im Alter. Da die Bevölkerung immer älter wird, steht die staatliche Altersvorsorge auf der Kippe. Immer weniger Berufstätige müssen eine wachsende Zahl von Rentenempfängern finanzieren M mit steigender Tendenz. In der Rentenkasse werde die demografische Zeitbombe erst in zehn Jahren mit voller Wucht spürbar, schreibt die Deutsche Bank in einer aktuellen Studie.

Neu ist das alles nicht. An den früheren Lieblingssatz des Sozialpolitikers Norbert Blüm, die Rente sei sicher, glaubt heute ohnehin fast niemand mehr. Und trotzdem ist das Thema Altersvorsorge bei jüngeren Menschen tabu.

Dies bestätigt eine Umfrage der Marktforschungsgesellschaft „Psychonomics“ in Köln. Demnach wollen sich nur rund 14 Prozent aller volljährigen Schüler und Studenten in den kommenden zwölf Monaten aktiv um ihre Altersvorsorge kümmern. Mehr als die Hälfte der Befragten verschwendet an die eigene Altersvorsorge überhaupt keinen Gedanken.

Schuld an der Ignoranz vieler junger Menschen ist vor allem fehlendes Wissen. „Während in anderen Ländern schon in der Schule Probleme rund um finanzielle Absicherung und Altersvorsorge behandelt werden, sind derartige Fragestellungen auf deutschen Lehrplänen die Ausnahme“, berichtet Katzenstein. Die Konsequenz: „In der Öffentlichkeit wird das Problem zwar wahrgenommen, aber noch nicht angegangen“, heißt es bei der Deutschen Bank. Daher sind auch bei der Allianz, dem größten deutschen Anbieter von Lebensversicherungen, junge Kunden in der Minderheit. Gerade mal jeder achte der rund 8,6 Millionen Versicherten ist unter 30.

Spätestens mit dem Berufseinstieg sollte aber mit der Altersvorsorge begonnen werden, raten die Experten. Dabei reichen in jungen Jahren schon kleine Beträge aus, um mit Zins und Zinseszins ein ordentliches Finanzpolster aufzubauen. „Wer mit 50 oder 100 Euro im Monat anfängt, hat zumindest eine gute Ausgangsbasis“, sagt Katzenstein. Später können die Beträge mit steigenden Gehältern ohnehin aufgestockt und der jeweiligen Lebenssituation angepasst werden.

Gerade Menschen, die gar nicht oder erst zu spät mit der Absicherung beginnen, stehen im Alter oftmals mit leeren Händen da. Nur mit einer zusätzlichen privaten Vorsorge könne die Rentenlücke geschlossen werden, warnt die Deutsche Bank.

In welcher Form die ersten Gelder angelegt werden, muss individuell entscheiden werden. „Es ist nicht entscheidend, ob ein Fondssparplan, eine Versicherung oder ein Bausparvertrag gewählt wird“, sagt Katzenstein. Informieren müsse sich jeder selbst. Wichtig sei nur, dass überhaupt rechtzeitig an das Alter gedacht wird.

Private Vorsorge muss sein, urteilt auch die Deutsche Bank in ihrer aktuellen Studie: „Je früher, desto besser.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×