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22.01.2003

08:11 Uhr

Experten raten von Fonds mit US-Papieren ab

Der Euro geht, der Dollar fällt

VonMichael Ferber

Der Dollar fällt weiter gegenüber dem Euro, glauben die meisten Strategen und Volkswirte. Folglich raten sie von Engagements in Fonds, die in amerikanische Aktien und Anleihen investieren, ab. Sicher vor der Dollar-Abwertung sind Anleger mit europäischen Geldmarkt-, Staatsanleihen- und Unternehmensanleihenfonds.

FRANKFURT/M. Der Dollar fällt und fällt. In den vergangenen drei Monaten hat die US-Währung rund 8 % gegenüber dem Euro verloren und notierte am Dienstag nachmittag auf einem Drei-Jahres-Tief. "Der Dollar befindet sich in einer Abwertungsspirale", sagt Andrea Schruff, Strategin bei der Weberbank in Berlin.

Die schlechte Entwicklung der US-Währung hat auch negative Auswirkungen auf die Portfolios vieler europäischer Anleger: Denn der Anteilswert an Fonds, die stark in US-Aktien oder-Anleihen investiert sind, fällt mit dem Dollar. Investoren, die wie die meisten Volkswirte und Strategen der Banken mit einer weiteren Dollar-Abwertung rechnen, sollten daher mit Engagements in US-Fonds vorsichtig sein.

"Der schwache Dollar beeinflusst die Wertentwicklung vieler in Deutschland zugelassener Fonds unmittelbar. Betroffen sind nicht nur US-Aktien- oder Rentenfonds, auch internationale Aktienfonds sind durchschnittlich zu etwa der Hälfte in US-Werten investiert", sagt Wolfgang Kaiser, Senior Analyst bei dem Researchunternehmen Fondsconsult. Auch internationale Rentenfonds hielten oft Dollar-Anteile in Höhe von 30 %. "Der Anleger sollte darauf achten, wie hoch bei den einzelnen Fonds das tatsächliche Fremdwährungsengagement nach der Absicherung durch Termingeschäfte ist, und welcher Teil seines Gesamtportfolios Währungsschwankungen unterliegt", sagt Kaiser. Schruff rät besonders vom Kauf von auf US-Renten setzenden Fonds ab. "Da besteht die Gefahr, dass Anleger neben den Währungs- auch Kursverluste erleiden." Die meisten in Rentenfonds enthaltenen Anleihen hätten längere Laufzeiten. Deshalb könnten in einem Umfeld steigender Zinsen ihre Kurse fallen. Steigende Leitzinsen sind Gift für Anleihenkurse, weil dadurch die vergleichsweise niedrigere Verzinsung früher begebener Bonds über die Kurse ausgeglichen wird.

Die Skepsis gegenüber den Fonds rührt daher, dass die meisten Strategen und Volkswirte in den Banken mit einem weiterhin schwächelnden Dollar rechnen. "Währungsstrom-Trends sind meist langfristige Entwicklungen", sagt Schruff. Bis Ende dieses Jahres erwartet sie, dass der Euro bis auf 1,11 Dollar steigt. Holger Fahrinkrug, Volkswirt bei UBS Warburg, rechnet gar mit einem Euro-Dollar-Verhältnis von 1,15 Dollar zum Jahresende.

Besonders die Unsicherheit über die Irakpolitik der USA drücke den Dollarkurs, sagen die Experten. Außerdem belaste das 670 Mrd.$-Konjunkturpaket von Präsident Bush die Währung, da sich die USA immer stärker verschuldeten. Ein weiterer Grund für die Dollarschwäche sei das hohe US-Leistungsbilanzdefizit, das immer stärker in den Fokus der Investoren rückt. Um den Wechselkurs stabil zu halten, müssen die USA 1,4 Mrd. $ täglich an ausländischem Kapital anziehen.

Auf der sicheren Seite seien Anleger mit europäischen Geldmarkt-, Staatsanleihen- oder Unternehmensanleihenfonds, sagt Rolf Drees, Sprecher der Fondsgesellschaft Union Investment. Hier gebe es weder von der Währungs- noch von der Ertragsseite her große Risiken. Bei europäischen Aktien könnten die Gewinne der Unternehmen dagegen unter dem starken Dollar leiden - falls die Firmen große Teile des Umsatzes in den USA erzielen. Auch Dorothea Huttanus, Strategin bei der DZ Bank, rät momentan von einem Engagement in US-Werten ab. "In drei Monaten könnte das Umfeld in den USA aber günstiger aussehen." Sie rechnet aber damit, dass sich im Laufe des Jahres die US-Konjunktur schneller erholt als die europäische. Dies liege daran, dass US-Unternehmen produktiver seien als europäische und die amerikanischen Märkte flexibler. Adriaan Bonauer, Analyst beim Fondsresearchunternehmen Morningstar, sieht die Entwicklung im Euro-Dollar-Verhältnis gelassen: "Anleger, die langfristig investieren, sollten sich nicht umorientieren. Langfristig gleicht sich das wieder aus."

Quelle: Handelsblatt

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