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12.07.2000

14:51 Uhr

Experten rechnen auch mit möglichem Ausstieg von Telefonica und Sonera

Zahl der UMTS-Bieter verringert sich weiter

Durch die Mobilfunk-Allianz der Konzerne KPN, Hutchison Whampoa und NTT DoCoMo hat sich die Zahl der Bieter für die Mobilfunklizenzen der dritten Generation in Deutschland weiter verringert. Ein Sprecher der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post sagte am Mittwoch in Bonn, der zur niederländischen KPN gehörende Mobilfunk-Betreiber E-Plus habe seine eigenständige Bewerbung für die Teilnahme an der Auktion der UMTS-Lizenzen zurück gezogen.

Reuters FRANKFURT. Nach derzeitigem Stand bei der Ende Juli geplanten Auktion werden damit nur noch sieben Gruppen um die vier bis sechs Lizenzen bieten. E-Plus werde nach Ansicht von Branchenbeobachtern nun im Rahmen der Allianz von KPN, Hutchison und NTT an der Auktion teilnehmen, sagte der Sprecher weiter.

Hutchison hatte sich bisher über die Auditorium Investments für die UMTS-Auktion angemeldet. Auditorium werde nun umgebildet, die Behörde habe einem entsprechenden Antrag zugestimmt. KPN, der Hongkonger Mischkonzern Hutchison und der japanische Telekom-Konzern NTT hatten zuvor eine Allianz für den Aufbau des Mobilfunkgeschäfts der dritten Generation in Europa bekannt gegeben. In Deutschland würden Hutchison und E-Plus unter dem Nahmen "E-Plus-Hutchison" für die UMTS-Lizenzen bieten, teilten die Unternehmen mit.

Durch den UMTS-Standard sollen Mobiltelefone multimedia- und internetfähig werden. Über eine Lizenz zu verfügen gilt als sehr wichtig für die Geschäftsaussichten von Mobilfunkanbietern. In Großbritannien waren die dortigen fünf UMTS-Lizenzen für umgerechnet 75 Mrd. DM versteigert worden. Sollte sich die Zahl der Bieter vor Beginn der Auktion in Deutschland auf vier reduzieren, werden die Lizenzen für das Mindestgebot von zusammen 1,5 Mrd. DM vergeben.

Ursprünglich hatten sich zwölf Interessenten für die Auktion beworben. Der französische Vivendi-Konzern, der deutsche Telekom-Anbieter Talkline und der US-Konzern Worldcom hatten sich später zurückgezogen, die deutsche Nets AG wurde nicht für die Auktion zugelassen. Derzeit bewerben sich um die deutschen UMTS-Lizenzen neben den bisherigen Netzbetreibern D1 (Deutsche Telekom), D2(Mannesmann/Vodafone) und Viag Interkom noch die bislang netzunabhängigen Anbieter Mobilcom (mit Unterstützung von France Telecom) und Debitel (mit Großaktionär Swisscom), das Konsortium 3G aus der spanischen Telefonica und der finnischen Sonera sowie nun das Konsortium E-Plus-Hutchison.

Analysten vermuten, dass die Einnahmen für den Bund aus der UMTS-Auktion deutlich niedriger ausfallen werden als zunächst erwartet. "Die Preise werden bei weitem nicht das Niveau von Großbritannien erreichen", sagte etwa Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck. Er erwarte nun noch Einnahmen von etwa 60 bis 70 Mrd. DM. Zunächst hatten Branchenbeobachter mit mehr als 100 Mrd. DM gerechnet.

Er halte es für wahrscheinlich, dass Bieter ohne eigenes Netz bei der Auktion schnell aussteigen würden, sagte Kitz. Er nannte in diesem Zusammenhang das 3G-Konsortium von Telefonica und Sonera. Telefonica sei auch in Großbritannien früh ausgeschieden, da sie offenbar nur bis zu einem gewissen Preis zu Geboten bereit sei. Als weiteren Kandidaten für ein frühes Ausscheiden aus der Auktion nannte Kitz die deutsche Debitel, die nur ihren Mutterkonzern Swisscom im Rücken habe.

Der Vorsitzende des Swisscom-Aufsichtsrats, Markus Rauh, sagte dem schweizer Finanzmagazin "Facts", Swisscom könne ein UMTS-Geschäft der Debitel samt Lizenz nicht alleine finanzieren. Denkbar sei, dass Swisscom einen Partner für Debitel suche.

Analyst Hans Huff von der Bankgesellschaft Berlin sagte, nach seiner Einschätzung könnte der Preis für eine deutsche UMTS-Lizenz bei 7,5 bis acht Mrd. Euro liegen. "Ich denke, es kann auch niedriger sein. Im Moment ist alles mit Vorsicht zu genießen", sagte er.

Sollte die Versteigerung der UMTS-Lizenzen keine hohen Milliardenbeträge bringen, hätte dies kaum Auswirkungen auf den Bundeshaushalt für 2001. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hatte stets betont, die Einnahmen für die Tilgung des Schuldenberges von 1,5 Billionen Mark zu nutzen und nur die Zinsersparnisse für den Etat zu verwenden. Für 2001 sind nur Zinsersparnisse von einer Milliarde Mark eingeplant. Da der Bund schon durch das Mindestgebot 1,5 Mrd. DM einnehmen kann, wären die bereits geplanten Ausgaben gedeckt. Allerdings stünde dann kein Geld für die Schuldentilgung bereit.

Geringere Einnahmen aus der Auktion könnten allenfalls die Strategie der Union bei den Verhandlungen über die Steuerreform beeinflussen. Teile der Union setzen bei ihrer Taktik, die Steuerverhandlungen in den Herbst zu ziehen, auch darauf, dass dann die Einnahmen aus der UMTS-Versteigerung bekannt ist. Sie hoffen auf hohe Erlöse, die Eichel nach ihrer Meinung dann zur stärkeren Senkung der Steuersätze verwenden soll.

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