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05.02.2002

12:02 Uhr

Experten rechnen mit Kapitalzufluss von 2 bis 5 Mrd. Dollar

Hedge-Fonds entdecken Asien wieder

Hedge-Fonds haben Asien als attraktive Investitionsregion wiederentdeckt. Diese in der breiten Öffentlichkeit nur wenig bekannte Fondsart wurde von einigen asiatischen Politikern für die Krise der Region in den Jahren 1997 und 1998 verantwortlich gemacht.

Reuters SINGAPUR. Nun schauen sich die Hedge-Fonds Experten zufolge erneut die Märkte Asiens interessiert an. Dieser Typ der Investmentfonds, bei der hoch spekulative Anlagetechniken zur Anwendung kommen, gewinnt immer mehr Fans, da weltweite Zinssenkungen Kapital freisetzen und traditionelle Investitionsformen zumeist nur mittelmäßige Renditen hervorbringen. Asien - mit Ausnahme von Japan - ist unter anderem ein zunehmend attraktives Ziel für diese Fonds, da die Region in Kürze die Vorteile der erwarteten globalen Erholung zu spüren bekommen dürfte.

Die in London publizierte Fachzeitschrift AsiaHedge geht davon aus, dass den asiatischen Hedge-Fonds 2001 rund 1,2 Mrd. US-Dollar zugeflossen sind, womit sie den Vorjahreswert von 550 Mill. $ mehr als verdoppelt hätten. Einige Branchenexperten rechnen mit einem Kapitalzufluss von mindestens zwei bis fünf Mrd. $ in Asien ausschließlich Japan in diesem Jahr.

Derzeit gibt es nach Einschätzung des US-Branchenbeobachters Van Hedge Fund Advisors International mindestens 198 Hedge-Fonds, die primär in Asien investieren, verglichen mit 112 Fonds im Jahr 1998. In dieser Zahl sind keine Investmentfonds enthalten, die lediglich gelegentlich in der Region anlegen. Weltweit verwalten Hedge-Fonds ein Vermögen von schätzungsweise 500 Mrd. $.

"Das ist wie ein Schönheitswettbewerb. Da liegt viel Geld auf dem Tisch, und die attraktivsten Regionen werden es bekommen", sagte Claudio Piron, leitender Anlage-Stratege bei der Bank Standard Chartered in Singapur. "Ich denke, Asien hat eine Menge Potenzial, weil in der Region die ersten Anzeichen einer globalen Erholung zu spüren sein werden. Asien ist die Produktionsanlage der Welt", fügte er hinzu.

Ein Engagement in Hedge-Fonds hat sich im vergangenen Jahr ausgezahlt. Der CSFB/Tremont-Hedge-Fonds-Index, der weltweit 4000 Hedge-Fonds umfasst, stieg um 4,42 %. Der MSCI-Welt-Index, ein globales Aktienbarometer, sank dagegen um 17,8 %, der US-Aktienindex S&P-500 gab um 13 % nach.

Gemessen an einem größeren Rahmen ist die Zahl der in Asien investierenden Hedge-Fonds mit 5 Prozent allerdings gering. Als Gründe führten Experten an, dass viele Märkte in Asien mit Ausnahme von Japan und Australien tendenziell nur eingeschränkte Angebote hätten und nicht hoch entwickelt seien. So fehlten beispielsweise häufig derivative Finanzinstrumente, die für Hedge-Fonds notwendig sind, um Gewinne zu machen. Zu den derivativen Finanzinstrumenten zählen beispielsweise Optionen und Termingeschäfte.

Trotz dieser Nachteile finden einige Hedge-Fonds Asien wegen der Vielzahl an Möglichkeiten immer noch attraktiv. So können Fondsmanager beispielsweise in der Region Gewinne mit dem Ankauf von faulen Krediten erzielen. "Es gibt eine Menge Not leidender Kredite in der Region, die einen guten Wert bieten", sagte Patrick Touhy, Geschäftsführer der auf Hedge-Fonds spezialisierten Momentum Asia in Hongkong. "Aber man kauft nichts, weil es billig ist, da es immer noch billiger werden kann. Man erwirbt es, weil man optimistisch ist, dass die Konjunktur wieder anspringt", fügte Touhy hinzu.

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