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29.01.2003

08:41 Uhr

Experten sehen weitere Konsolidierungstendenzen bei Lebensversicherern

Versicherer weniger börsenabhängig

VonRita Lansch (Frank Wiebe)

Auch wenn der Dax schwach bleibt und durch einen nahenden Krieg noch weiter absinkt - die Vermögenslage der Versicherer ist besser als ihr Ruf. Gleichwohl steht die Branche wegen der Sorgen um ihre Kapitalanlagen an der Börse weiter stark unter Druck.

DÜSSELDORF. Die Versicherer haben die Aktienquoten in ihren Kapitalanlagen im vergangenen Jahr heruntergefahren und zum Teil hohe Abschreibungen vorgenommen. Carsten Zielke, Chefanalyst für die Branche bei WestLB Panmure, sagt: "Wir stabilisieren uns jetzt auf dem niedrigen Niveau des letzten Jahres. Die größten Verluste aus Abschreibungen sind schon in den Bilanzen 2002 verarbeitet worden."

Kurt Wolsdorf, Versicherungsexperte von B&W Deloitte, ergänzt: "Die Versicherer haben ihre Aktienbestände überwiegend ins Anlagevermögen gesteckt. Deshalb ergibt sich aus der aktuellen Situation auch kein akuter Abschreibungsbedarf." Außerdem seien die Bestände vielfach über den Terminmarkt gegen weitere Verluste gesichert worden. Diesen Trend bestätigte ein Sprecher der Versicherungsaufsicht, die bei der Aktienquote im Versicherungsvermögen keinen Handlungsbedarf sieht.

Ulrich Krüger vom Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) schätzt, dass die Aktienquote der Lebensversicherer zurzeit bei etwa zehn Prozent liegt. Dabei seien in vielen Fällen die Marktwerte zwar niedriger als die Buchwerte, aber dafür seien die Aktie zum Teil in der Nähe der höheren Buchwerte abgesichert. Krüger schätzt dass die größten Absicherungen schon im Sommer eingezogen worden sind und damals auch mehr Aktien verkauft wurden als im letzten Quartal des Jahres 2002.

Die Victoria Lebensversicherung hatte per Ende 2002 noch eine relativ hohe Aktienquote von 14 %. "Die Aktie ist nicht grundsätzlich zu verdammen", sagt Victoria-Chef Michael Rosenberg dazu. Die Huk Coburg hatte in der Lebensversicherung nur 8 % per Ende Dezember. Für die Hannover Rück nannte ein Sprecher einen aktuellen Wert von rund 7 %, die Debeka ist bei etwa 1 % angesiedelt.

Die meisten Versicherer machen keine Angaben zu ihrer aktuellen Aktienquote, sondern verweisen auf ihre letzten Quartalsberichte per Ende September 2002. Die Münchener Rück hatte damals konzernweit eine Aktienquote von 13 %, dazu kam noch Beteiligungsbesitz von 9 %. AMB Generali nennt 8 % per Ende September. Die Allianz Lebensversicherung hatte nach Aussage einer Sprecherin mit 17 % eine der höchsten Aktienquoten der Branche per Ende Oktober, als der Dax rund 18 % höher lag.

Obwohl keine Panik angesagt ist, hat eine andauernde Börsenbaisse Auswirkungen auf die Lebensversicherer. Rechtsanwalt Christoph Küppers von der Sozietät Lovells sagt: "Die niedrigen Aktienwerte werden die weitere Konsolidierung des Marktes, sei es durch Fusionen, sei es durch Bestandsübertragungen, sei es durch Wettbewerb, beschleunigen und möglicherweise den Markteintritt ausländischer Wettbewerber erleichtern."

Die Ratingagentur Fitch befürchtet, dass viele britische Lebensversicherer wegen der Aktienschwäche unter die vorgeschriebenen Solvenzquoten rutschen könnten. Die britische Aufsicht will kurzfristige Unterschreitungen dulden.

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