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16.01.2002

16:55 Uhr

Experten sind skeptisch

BASF erwägt Gründung einer Rückversicherung

Der BASF-Konzern und andere Unternehmen überprüfen Möglichkeiten zur Gründung einer eigenen Rückversicherung. Gründe dafür seien der verminderte und zum Teil ausbleibende Versicherungsschutz sowie höhere Prämien bei den auf dem Markt angebotenen Policen nach den Anschlägen vom 11. September in den USA, sagte ein BASF-Sprecher am Mittwoch.

Reuters FRANKFURT. Nach den Anschlägen seien zahlreiche Policen gekündigt und neue Industrieversicherungen mit geringerer Risikoabdeckung und erhöhten Prämien angeboten worden. "Bei Terroranschlägen etwa besteht überhaupt kein Versicherungsschutz mehr", sagte der Sprecher. Bei der Münchener Rück hieß es zu dem Vorhaben, dies sei auch als Reaktion auf die bislang zögerlichen Haltung der Bundesregierung zu den Problemen der Abdeckung von Terrorschäden zu sehen.

Es gebe Kontakte mit anderen Unternehmen über die Gründung einer eigenen Rückversicherung, die aber erst am Anfang stünden, sagte der Sprecher weiter, ohne Einzelheiten zu nennen. Damit bestätigte die BASF einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung", in dem es hieß, BASF sei auf der Suche nach zehn bis zwölf anderen Partnern, um mit diesen zusammen eine eigene Rückversicherung zu gründen. Als weitere Firmen nannte das Blatt den Siemens-Konzern sowie die Lufthansa. Siemens wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. Bei Lufthansa war keine Stellungnahme erhältlich.

In Branchenkreisen hieß es zu dem Vorhaben der BASF, es sei nicht so einfach, eine eigene Rückversicherung zu gründen. Dazu sei ein enormes Risikokapital erforderlich. Auch müssten die Gründer über ein erhebliches Know-How in dem Geschäft verfügen.

Die Versicherungswirtschaft hatte nach den Anschlägen Beitragserhöhungen und eine geringere Risikoabdeckung angekündigt. So will die Münchener Rück nach früheren Angaben beispielsweise das Terror-Risiko nur noch auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden und nicht mehr automatisch mit rückversichern. Auch die Allianz geht nach früheren Angaben von steigenden Preisen in der Industrieversicherung aus. In dem Geschäft hatten Versicherer nach früheren Angaben von Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle in den vergangenen Jahren hohe Verluste verbucht.

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) fordert bereits seit einiger Zeit, dass sich auch der Staat künftig an den Haftungen für Terrorrisiken mit beteiligen soll. "Das sind Risiken, die sich nicht mehr kalkulieren lassen", sagte eine Verbandssprecherin am Mittwoch. Bislang waren sich Bundesregierung und Versicherungswirtschaft aber uneins, ob und in welcher Größenordnung sie Terrorrisiken für Industriefirmen absichern. Der BASF-Sprecher verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass es einen Briefwechsel des Chemiekonzerns mit der Bundesregierung über die Problematik des verminderten Versicherungsschutzes nach den Anschlägen gegeben habe. Bislang hätten die politischen Kontakte aber nicht zu einem Ergebnis geführt. Bei der GDK hieß es am Mittwoch dazu lediglich: "Man redet." Ende Dezember hieß es von Seiten des Finanzministeriums, es sei klar das Handlungsbedarf bestehe. Ob sich eine gemeinsame Lösung finden lasse, sei aber noch nicht absehbar.

Ein Sprecher der Münchener Rück sagte, es sei nicht richtig, wenn gesagt werde, allein durch die Anschläge vom 11. September würden die Versicherungsprämien steigen. In den vergangenen Jahren seien die Prämien vielmehr viel zu niedrig gewesen. Auch nach seiner Einschätzung können Versicherer allein nicht mehr für Terrorschäden-Risiken aufkommen. Vielmehr müssten sich Versicherer, Versicherungsnehmer und der Staat Risiken teilen.

Ein Modell, dass zur Zeit in der Branche diskutiert wird, ist eine so genannte Pool-Lösung, bei der der Staat ab einer bestimmten Haftungsgrenze die Schadensdeckung übernimmt. Dabei hatte der Branchenverband GDK unter anderem auf Großbritannien als ein Modell verwiesen. Dort garantiert nach früheren GDK-Angaben der Staat auf Basis einer Vereinbarung mit der privaten Versicherungswirtschaft die Zahlungsfähigkeit eines speziellen Rückversicherungsvereins.

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