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28.01.2003

08:45 Uhr

Experten uneins über Entwicklung des Handymarktes

Trend geht zum Billighandy

In welche Richtung sich der Handymarkt in den kommenden Monaten bewegen wird, ist aus den aktuellen Prognosen der großen Hersteller nicht klar ersichtlich.

vwd FRANKFURT. Zwar lagen die in den vergangenen Tagen vorgelegten Absatz- und Ergebniszahlen von Nokia, Motorola, Siemens und Samsung für das abgelaufene Jahr über den Erwartungen. Unsicherheit im Markt rufen jedoch die stark sinkenden Durchschnittspreise für Handys sowie hohe Lagerbestände und damit einhergehend ein rückläufiger Auftragseingang hervor.

Einige Marktbeobachter glauben, dass ab dem zweiten Quartal wieder eine Stabilisierung des Preisniveaus eintreten wird. Denn dann seien die aus eher unattraktiven Auslaufmodellen bestehenden Haldenbestände zu Niedrigpreisen veräußert, lautet ihr Argument. Andere Experten hingegen befürchten, dass im Handymarkt dauerhaft ein Preiskrieg entstehen könnte. Für schwächere Anbieter könnte diese Entwicklung schnell in einem Desaster enden, meinen die Befürworter dieser These.

Motorola mit schwachen Margen

Bereits im vierten Quartal hat sich gezeigt, dass die Hersteller den Rückgang des durchschnittlichen Verkaufspreises für Handys unterschiedlich verkraften. So blieb die Rohertragsspanne von Motorola mit 33 Prozent im vierten Quartal um 350 Basispunkte hinter den Erwartungen etwa der Analysten von CSFB zurück. Zwar legte der Absatz des US-Konzerns gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent zu, während der Umsatz um elf Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar stieg. Damit lag Motorola im Schlussquartal zwar über den Erwartungen der Analysten, die rund sieben Milliarden Dollar prognostiziert hatten.

Jedoch stimmte der Ausblick, den COO und President Mike Zafirovski für die kommenden Monate gab, nicht wenige Beobachter bedenklich: Er rechnet nämlich mit einem weiteren Rückgang der Handypreise. Im Jahr 2002 waren die Verkaufspreise für Mobilfunkgeräte von Motorola bereits um fünf Prozent gesunken. Allerdings sagte Zafirowski für 2003 gleichzeitig einen Branchenabsatz von weltweit 440 Millionen Einheiten voraus. Das wären 35 Millionen Stück mehr als im Vorjahr. Der Trend zum Billighandy werde sich dabei insbesondere in Schwellenländern in Ost-Europa und Lateinamerika verstärken, meinte er.

Nokia baut Spitzenposition aus

Auch die finnische Nokia konnte sich dem Preisdruck im Markt nicht entziehen: Im vierten Quartal sank der durchschnittliche Verkaufspreis für ein Nokia-Handy auf 146,50 Euro von 171,10 Euro im Vorjahr. Während der Vorstandsvorsitzende Jorma Olilla 2002 als ein Jahr bezeichnete, in dem der Mobiltelefonmarkt "wieder in die Normalität" zurückkehrte, machten einige Analysten kritische Anmerkungen. Angela Dean, Analystin bei Morgan Stanley, merkte an, es sei Nokia nicht gelungen, durch neue Eigenschaften wie Farbdisplays, Klingeltöne oder gar eingebaute Kamera die Preise ihrer Geräte wieder nach oben zu treiben.

Andere Experten meinen jedoch, es sei noch zu früh, um eine Aussage darüber zu treffen, ob diese auf den anspruchsvolleren Austausch-Markt in WestEuroopa und Nordamerika zielenden Geräte nicht doch noch eine Wende beim Preisniveau bewirken können. Denn im Weihnachtsgeschäft seien die Telefone stark gefragt gewesen. Erst wenn Nokia die Lagerbestände von überalteten Geräten mit Schwarz-Weiß-Display bis zum zweiten Quartal endgültig geleert habe, lasse sich Genaueres sagen. Diese Prognose würde sich mit dem Ausblick Olillas decken, der ab April auf Grund verstärkten Absatzes von MMS-Handys und tEuroeren Geräten wieder auf einen Anstieg des Preisniveaus hofft.

Ohnehin hat Nokia im Gegensatz zu Motorola den Trend zum Billighandy im vierten Quartal ohne eine Beeinträchtigung der Margen überstanden. Mit einer Umsatzrendite von 24,7 Prozent baute der Konzern seine Spitzenposition im internationalen Handymarkt aus. Für das laufende Jahr rechnet Olilla sogar mit Gewinnspannen von mehr als 20 Prozent. Ein Analyst führt dieses Ergebnis auf das gute Kostenmanagement der Finnen zurück. Auf Grund ihrer Marktposition erziele Nokia hohe Skaleneffekte und könne entsprechenden Druck auf die Zuliefere ausüben, meinte er.

Siemens fährt diversifizierte Strategie

Auch Siemens konnte das lange Zeit problematische Handygeschäft im vierten Quartal wieder auf Kurs bringen. Der Konzern steigerte den Absatz im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Fünftel auf elf Mio Einheiten. Gemessen an Marktanteilen liegt er mit 8,4 Prozent hinter Samsung auf Rang vier. Allerdings scheint das Unternehmen den Trend zum Billighandy für dauerhaft zu halten. Denn es wird seine Vertriebsstrategie ändern und preiswertere modische Handys unter dem Namen "Xelibri" in Bekleidungs- und Kaufhäusern vertreiben. Damit wolle man der sich ständig weiter öffnenden Schere zwischen teuren und billigen Handys gerecht werden, hieß es.

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