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06.04.2003

15:45 Uhr

Experten verstärken Kampf gegen Virus

Zahl der SARS-Toten steigt

Die gefährliche Lungenentzündung SARS fordert in China und Südostasien immer mehr Opfer. Wissenschaftler in vielen Länder forcieren ihren Kampf gegen das Schwere Akute Atemwegsyndrom. Die Zahl der Toten in China stieg nach Angaben des Gesundheitsministeriums auf 51.

Foto: dpa

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HB/dpa HAMBURG/PEKING. So starb ein finnischer Mitarbeiter der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) am Sonntag in Peking an SARS. Zwei Menschen erlagen der Krankheit am gleichen Tag in Honkong. Malaysia meldete den ersten SARS-Toten. Weltweit hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zum Samstagabend 89 Tote und 2 416 Infizierte registriert.

Der Vizedirektor des Gesundheitsamtes von Peking, Guo Jiyong, betonte am Sonntag, der 53-jährige Finne habe die Krankheit "importiert". Er habe in Genf gearbeitet und sei nach einem fünftägigen Besuch in Bangkok am 23. März in Peking eingetroffen, um dort eine Konferenz vorzubereiten. In China gibt es derzeit offiziellen Angaben zufolge 1247 SARS-Infizierte. Täglich kämen im Schnitt etwa zehn hinzu, berichtete das Gesundheitsministerium. Unter den jetzt 19 offiziell registrierten Erkrankten in Peking, von denen vier gestorben sind, sei noch ein weiterer Ausländer, ein Kanadier.

Nach einem Bericht des Magazins "Stern" sind in Peking allerdings weit mehr Menschen an SARS gestorben als offiziell eingeräumt wird. Wie das Hamburger Magazin am Sonntag in seiner Internetausgabe unter Hinweis auf Ärzte und Krankenschwestern berichtete, seien allein im Militärhospital Nr. 302 zehn Menschen dem Schweren Akuten Atemwegsyndrom erlegen. Dort gebe es mehr als 40 SARS-Fälle. Im Xiehe-Krankenhaus im Stadtzentrum sollen mindestens drei Menschen an SARS gestorben sein. Nach Informationen des Magazins sind ferner ein Pekinger Arzt und eine Krankenschwester gestorben.

China hat den Kampf gegen die Lungenkrankheit verstärkt und arbeitet enger mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen. Vizeministerpräsidentin Wu Yi betonte, dass der Eindämmung von SARS höchste Priorität eingeräumt werden müsse. Chinas Behörden versichern, die Ansteckungen seien stetig rückläufig und die Krankheit "unter Kontrolle". Die Kooperation mit den chinesischen Behörden sei jetzt viel besser, sagte Chris Powell von der WHO. Er ist Sprecher des WHO-Teams, das in Südchina den Ursachen für das Atemwegsyndrom nachgeht.

Auf der Suche nach den Ursprüngen der rätselhaften Krankheit hat die WHO "noch einen langen Weg" vor sich, betonte Powell. Die Fortschritte bei der Suche nach dem Ursprung von SARS seien sehr gut. "Aber ich denke, niemand kann erwarten, dass unser Team den ersten Patienten und die Ursache der Krankheit finden wird." Der zum WHO-Team gehörende Frankfurter Virologe Wolfgang Preiser sagte, die Gruppe untersuche, warum einige Patienten mit SARS hoch ansteckend seien und andere nicht. Preiser hielt es für "gut möglich", dass eine Kombination von Faktoren für Ausbruch und Verlauf der neuartigen Krankheit verantwortlich ist.

Die Untersuchungen konzentrieren sich auf das neue Virus der Familie der Coronaviren und als weitere Faktoren auf Chlamydien genannte Mikroorganismen und Paramyxoviren. In den bisherigen Untersuchungen sei nichts gefunden worden, "was gegen die ursächliche Rolle des Coronavirus spricht", sagte der Virologe. Doch seien die Wissenschaftler "weit von einer Bestätigung entfernt".

In den USA teilte das Nationale Gesundheitsinstitut mit, es habe die Suche nach einem Impfstoff gegen SARS aufgenommen. US-Präsident George W. Bush unterzeichnete unterdessen einen Erlass, wonach die Behörden künftig Quarantäne über Personen verhängen dürfen, die sich möglicherweise mit SARS infiziert haben.

Dem ersten deutschen Infizierten geht es inzwischen gut. "Alles ist ok", sagte einer der Ärzte der Lungenfachklinik im sauerländischen Hemer (Nordrhein-Westfalen) am Samstag, wo der 72- Jährige seit zwei Wochen behandelt wird. Der Mann werde noch einige Tage im Krankenhaus bleiben.

EU-Gesundheitskommissar David Byrne will nach einem Bericht des Magazins "Focus" (Montagausgabe) die europäische Seuchenbekämpfung besser organisieren. Das Aufkommen von SARS bestätige sein Vorhaben, im Mai dieses Jahres der EU-Kommission vorzuschlagen, ein Zentrum zur Krankheitsvorbeugung und-kontrolle aufzubauen.

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