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19.06.2000

14:49 Uhr

Experten warnen vor "sozialer Isolierung"

Studie: Internet-Nutzer verzichten auf Fernsehen und Freunde

Die Kommunikation per E-mail ist in Deutschland und den USA die beliebteste Art, das Internet zu nutzen. Dabei vergrößert sich aber die Gefahr der sozialen Isolierung. Das ist das Ergebnis von vergleichenden Studien des Forsa-Institutes in Zusammenarbeit mit der Stanford-University im Februar und Mai in beiden Ländern.

dpa BERLIN. Für die Untersuchung "Die sozialen Folgen des Internets", einer Vergleichsstudie zu einer Erhebung der amerikanischen Stanford Universität, wurden 1 227 Teilnehmer des Forsa Online-Panels in Deutschland befragt. Dabei zeigte sich, dass in den USA der Anteil der Menschen mit Internet-Zugang nicht nur erheblich größer ist als in Deutschland, sondern das Netz auch intensiver genutzt wird. So haben bereits 55 % aller Amerikaner, aber nur 29 % der Deutschen Zugang zum Internet.

Von diesen Surfern sind rund zehn Prozent in Deutschland so genannte heavy user: Sie verbringen mehr als zehn Stunden pro Woche im Netz (USA: 13 %). Jeder sechste Nutzer surft immerhin fünf bis zehn Stunden durch das Internet, jeder zweite zwischen ein und fünf Stunden. 23 % beschränken sich auf weniger als eine Stunde. 41 % der Befragten gaben an, sie hätten wegen ihrer Beschäftigung mit dem Internet weniger Zeit für das Fernsehen; 33 % schätzten, dass sie weniger Schlaf fänden.

Das Netz werde vor allem als Kontakt- und Informationsmedium genutzt, sagte Professor Lutz Erbring von der Freien Universität Berlin. Man habe herausgefunden, dass Menschen, die sich mehr als fünf Stunden in der Woche im Netz bewegten, insgesamt kontaktfreudiger seien als andere und das Internet als zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit sähen.

Ein Großteil der Zeit fürs Internet-Surfen sei früher dem Fernsehkonsum gewidmet gewesen. An zweiter Stelle stünden Familienkontakte, die sich bei der Hälfte der Internetnutzer reduzierten. 18 % der Befragten gaben an, dass ihre Zeit im Netz zu Lasten der Angehörigen geht; jeweils 20 % meinten, sie hätten jetzt weniger Zeit zum Zeitunglesen und zum Telefonieren mit Freunden. Die E-Mail-Begeisterung führe dazu, dass soziale Kontakte immer mehr verflachten, warnte Lutz Erbring von der Freien Universität Berlin am Montag bei der Vorstellung der Studie. In vielen Fällen gebe es zwar mehr Kontakte. Aber diese würden immer flacher und anspruchsloser Dies bedeute eine "Verschiebung von Qualität zu Quantität".

Viele der Internetnutzer wendeten auch immer mehr Zeit dafür auf, von zu Hause aus zu arbeiten, wobei sie aber nicht weniger Zeit im Büro verbrächten, sagte Professor Norman Nie von der Stanford-Universität.

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