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02.01.2002

17:30 Uhr

Explosive Lage

Erneut Tote an indisch-pakistanischer Grenze

Indien teilte mit, es habe seinen Truppenaufbau entlang der pakistanischen Grenze abgeschlossen. Offen blieb, ob beide Länder bei einem regionalen Gipfeltreffen versuchen wollen, ihre Spannungen um die Kaschmir-Region abzubauen.

Reuters Neu-Delhi/Islamabad. Großbritanniens Premierminister Tony Blair will in den kommenden Tagen in beiden Ländern Gespräche führen. Kaschmir-Separatisten drohten Indien mit neuen Anschlägen.

Ein Militärsprecher sagte in Jammu, in Kaschmir hätten die pakistanischen Truppen im Grenzabschnitt Nowshahra am Morgen das Feuer eröffnet. Die indischen Soldaten hätten den Beschuss erwidert und vier Pakistaner getötet sowie acht Bunker zerstört. Ein Vertreter der pakistanischen Armee sagte am Mittwoch in Muzaffarabad, der Hauptstadt des unter pakistanischer Verwaltung stehenden Teils von Kaschmir, die Lage sei "überaus explosiv und gefährlich". Auch kleine Zwischenfälle könnten jederzeit außer Kontrolle geraten.

Der indische Verteidigungsminister George Fernandes sagte, der Truppenaufmarsch an der Grenze sei abgeschlossen, es seien aber keine Kampfpositionen eingenommen worden. Er habe die Hoffnung, dass durch diplomatische Bemühungen und internationalen Druck auf Pakistan eine Auseinandersetzung vermieden werden könne. Fernandes schloss nicht aus, dass der indische Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee und der pakistanische Präsident Pervez Musharraf auf der in dieser Woche beginnenden regionalen Gipfelkonferenz in Nepal zusammenkommen. "Alles ist möglich", sagte Fernandes.

Vajpayee hatte in seiner Neujahrsansprache Gespräche angeboten, wenn Pakistan seine "anti-indische Mentalität" ablege und die Unterstützung für Rebellenorganisationen, die für die Loslösung Kaschmirs von Indien kämpfen, einstelle. Aus dem Umfeld von Vajpayee verlautete allerdings, für ein Treffen mit Musharraf in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu bestehe "keine Chance". Dies gelte auch für ein Treffen auf Außenministerebene.

Pakistan war zuletzt indischen Forderungen nach Bekämpfung militanter Gruppen nachgekommen und hatte die Büros von zwei Organisationen geschlossen und unter anderen auch deren Chefs verhaftet. Indien macht die Organisationen Jaish-e-Mohammad und Lashkar-e-Taiba für den Anschlag auf das Parlament in Neu-Delhi verantwortlich. Pakistan hat seinerseits auch grundsätzliche Bereitschaft zu Gesprächen betont. "Pakistan möchte alle offenen Fragen im Dialog lösen", sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Blair könnte eine wichtige Rolle spielen

Der ehemalige pakistanische Präsident Farooq Leghari sagte im BBC-Rundfunk, der britische Premierminister Blair könne in Indien und Pakistan eine wichtige Rolle spielen, um die Spannungen zwischen beiden Staaten abzubauen. Blair kommt am Freitag nach Indien und fliegt am Sonntag für zwei Tage nach Pakistan weiter. Der britische Außenminister Jack Straw warnte in der BBC, von Blairs Besuch eine Beilegung des Konflikts zu erwarten. Blair reise nicht mit einen Friedensplan in die Region.

Die Jaish-Gruppe drohte in einer am Mittwoch von Zeitungen im indischen Teil Kaschmirs veröffentlichten Erklärung mit "neuen tödlichen Attacken". In den nächsten Tagen würden die "tödlicheren und modernen Waffen" gegen die indische Armee und paramilitärische Kräfte eingesetzt. In Pakistan erklärte ein Jaish-Sprecher, die Gruppe werde ihre Operationsbasis jetzt in den indischen Teil Kaschmirs verlegen. "Wir werden Basen in den Bergens Kaschmirs aufbauen, und niemand wird uns daran hindern", sagte der Sprecher. Die Gruppe Lashkar hatte bereits im Dezember angekündigt, ihre militärische Organisation ins indische Kaschmir zu verlegen.

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