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02.08.2000

18:35 Uhr

Fachkräftemangel und Sicherheit im weltweiten Datennetz zentrale Themen auf der Internet-World

Web-Branche im Wechselbad zwischen Euphorie und Ernüchterung

In Berlin präsentieren sich die Internet-Unternehmen als Boom-Branche. Doch seit der Pleite der britischen boo.com müssen sich die E-Commerce- Gründungen auch kritischere Fragen gefallen lassen.

HANDELSBLATT, 24.5.2000 sk BERLIN. Der Mann ist im Dauerstress: Heute in Berlin, morgen in Jena, übermorgen in San Francisco. Wann und wo immer sein Lieblingsthema auf der Tagesordnung steht, Stephan Schambach, Gründer des E-Commerce-Dienstleisters Intershop Communications AG und Vorzeigemann der Internet-Branche, sitzt auf dem Podium und referiert über Milliardengeschäfte im Elektronischen Handel - oder wie gestern über die eigene Erfolgsstory, "wie er mit E-Commerce die Wirtschaft revolutionierte".



Zur Eröffnung der Internet-World in Berlin hatte die Humboldt-Uni die Gelegenheit genutzt, um den 29-Jährigen auf ihr Innovationsforum zu locken - fernab vom Messegelände, auf dem sich zur selben Zeit die ausgelassene Stimmung der Branche ausbreitete. Vor vier Jahren war dieser Treff eher eine Ausstellung mit regionalem Charakter. Heute gilt die Internet-World als "führende Messe für das Internet-Business in Europa".



Dieser Meinung ist zumindest Patrick Palombo, Vizepräsident E-Commerce und Neue Medien des Deutschen Direktmarketing-Verbandes (DDV). Während das WebThema auf der Computermesse Cebit in Hannover nur am Rande behandelt werde, stehe das Online-Geschäft in Berlin im Mittelpunkt, sagte Palombo dem Handelsblatt. Zudem habe die Zahl der Freaks ab- und die Zahl der Entscheider zugenommen: "Wer nach Berlin kommt, will sich über Geschäftslösungen informieren, die ihm helfen, Geld zu verdienen."



Das erscheint in der Tat wichtiger denn je: Spätestens die Pleite des britischen E-Commerce-Unternehmens boo.com wird wieder offen diskutiert über voreilig gekürte Hoffnungsträger und ebenso voreilig gefeierte Erfolgsstorys. Auf der Messe gibt es daher genug Gesprächsstoff - auch über die jüngste Abwärtsbewegung von dot-com-Firmen an den internationalen Börsen. Zwar wird es den über 500 Ausstellern aus Deutschland, Europa und den USA vor allem darum gehen, den erwarteten 100 000 Besuchern neue Unternehmenskonzepte anzupreisen. Eine nicht unerhebliche Zahl dürfte jedoch auch Energie darauf verwenden müssen, um für Vertrauen in ihre wirtschaftliche Entwicklung zu werben.



Auch über den Mangel an Fachkräften in der deutschen IT-Branche und die Sicherheit im weltweiten Datennetz wird diskutiert. Siegmar Mosdorf, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, betonte, dass der Fachkräftemangel nur durch gemeinsame Anstrengungen von Wirtschaft und Politik behoben werden könne. In puncto Sicherheit forderte er bessere Technologien von der Wirtschaft.



Doch die Problemthemen beeinflussen die Stimmung nur unwesentlich: Die Branche boomt und die Zukunftsaussichten sind gut - auch wenn weitere Unternehmen mit zunehmendem Konkurrenzdruck schlapp machen dürften. Bislang, berichtet DDV-Mann Palombo, nutzten erst 34 % der deutschen Handelsunternehmen das Internet zum Verkauf. Und während er den sogenannten Business-to-Business-Verkauf als "sehr gut funktionierend" bezeichnet, hält er das Geschäft mit dem Endkunden für "einen schlafenden Riesen". 90 % des Potenzials sei ungenutzt. Trotzdem hat sich der Umsatz online bestellter Waren 1999 mit 328 Mill. DM gegenüber 1998 mehr als verdreifacht. Darauf wies der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BHV) hin. Den Angaben zufolge haben 3,4 Millionen Bundesbürger mindestens einmal etwas per PC bestellt.

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