Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2003

16:27 Uhr

Falsche eidesstattliche Versicherung

Anklage gegen Motivationstrainer Höller erhoben

Jürgen Höller, einst Deutschlands gefragtester Motivationstrainer, muss sich vermutlich vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Würzburg hat Anklage gegen den 39-Jährigen erhoben.

HB/dpa WÜRZBURG. Der Hauptvorwurf laute auf Untreue, sagte am Donnerstag der Leitende Oberstaatsanwalt Clemens Lückemann. Höller, der die Massen mit "Tschakka!"-Rufen zu positiven Denken ermutigte, soll sich mit rund 900 000 Euro aus seiner eigenen, inzwischen insolventen Firma persönlich bereichert haben. Seit 31. Oktober vergangenen Jahres sitzt Höller in Untersuchungshaft.

Der Autor von Bestsellern wie "Sag ja zum Erfolg" und "Sprenge Deine Grenzen" war offenbar in erhebliche persönliche Zahlungsschwierigkeiten geraten. Im Frühjahr 2001 soll er das Geld vom Konto der Höller-Vermögensverwaltungs-GmbH auf sein Privatkonto überwiesen haben. In drei Tranchen sei die Zahlung über die Bühne gegangen, bestätigte Höllers Verteidiger Sven-Thorsten Oberhof der Deutschen Presse-Agentur.

Das Geld habe als Darlehen dienen sollen, bis der verschobene Börsengang von Höllers zweiter - und inzwischen zahlungsunfähiger - Firma Inline AG zu verwirklichen gewesen wäre, meinte Oberhof. In Bezug auf einen Rückzahlungsanspruch der GmbH habe Höller aber versäumt, der Firma entsprechende Sicherheiten zu geben. "Keiner der Heerscharen von Juristen und Fachleute, die Jürgen Höller beraten haben, hat warnend den Zeigefinger gehoben", sagte der Verteidiger. Ein Darlehen dieser Art sei sogar die Idee der Fachleute gewesen. "Keiner hat Jürgen Höller je darauf aufmerksam gemacht, das das ein Fehler ist."

Höller soll laut Staatsanwaltschaft auch eine falsche eidesstattliche Versicherung zu seinem Privatvermögen abgegeben haben. Höller habe ein Vermögen von rund 300 000 Euro verschwiegen, darunter etwa 230 000 Euro auf einem Schweizer Konto, sagte Lückemann. "Das sollte wohl ein Startkapital für die Zeit nach Abschluss des Strafverfahrens sein", mutmaßte der Oberstaatsanwalt. Sollten sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bestätigen, kommt laut Lückemann eine Haftstrafe ohne Bewährung in Betracht.

Höller, der auf seinen Seminaren die Parole "Alles ist möglich" ausgab, wird ferner fahrlässiger Verstoß gegen das Kreditwesengesetz vorgeworfen. Höller habe die Übertragung von Anlegergeldern auf seine GmbH nicht rechtmäßig angemeldet, sagte Oberstaatsanwalt Lückemann. Dagegen seien die beiden Verfahren wegen angeblicher Insolvenzverschleppung bei der Höller Vermögensverwaltungs-GmbH und der Inline AG eingestellt worden, sagte Verteidiger Oberhof. Dem Motivationstrainer war vorgeworfen worden, damit Kleinanleger betrogen zu haben, die vorbörsliche Zeichnungen getätigt hatten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×