Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.01.2002

19:00 Uhr

Familienunternehmen ist erfolgreich auf dem Automatisierungsmarkt

Lenze bietet den Großen im Maschinenbau die Stirn

VonStefan Winter

Vor fünf Jahren erlebte die Lenze-Gruppe ihre schwerste Krise, seither hat sie den Umsatz verdoppelt. Der Spezialist für Automatisierung behauptet sich gegen Weltkonzerne. Das Familienunternehmen versucht, das Tempo des Mittelstands mit dem Management-Know-how der Konzerne zu verknüpfen.

HB HAMELN. Größe sei eigentlich nur gut fürs Image, sagt Peter Lohse. Der Vorstandschef der Lenze AG kennt sich aus mit Großen wie Siemens, ABB, oder General Electric, die sich wie Lenze im Geschäft mit Automations- und Antriebstechnik tummeln. Allein der Siemens-Bereich Automation and Drives setzt ungefähr zwanzig Mal so viel um wie der Mittelständler aus Hameln.

Das Bekenntnis des Vorstandschefs hat nichts mit Selbstbescheidung zu tun, sondern mit Selbstbewusstsein. Unter seiner Regie ist Lenze gewachsen wie nie zuvor. Den Standard eines Konzerns zu erreichen, ohne die Vorzüge eines Mittelständlers aufzugeben – das versuchen Lohse und sein designierter Nachfolger Erhard Tellbüscher.

Manchmal schlagen sie die Großen sogar auf deren Terrain. So bilanzierte das Hamelner Familienunternehmen schon 1997 nach dem internationalen Rechnungslegung- Standard IAS. Auch sonst muss der Geschäftsbericht keinen Vergleich scheuen. Jürgen Krumnow, Mitglied im Lenze-Beirat und Ex-Vorstand der Deutschen Bank, ist voller Lob: Bei Lenze ergänzten sich "Tradition, Teamgeist und Innovation in idealer Weise".

Als 1996 mit Lohse der erste familienfremde Manager an die Spitze rückte, lag der Schwerpunkt noch auf Tradition. Das Unternehmen stand vor dem 50-jährigen Jubiläum – und war am Tiefpunkt angelangt. Im Geschäftsjahr 1995/96 waren 7 Mill. DM Verlust bei 400 Mill. DM Umsatz aufgelaufen. Heute weist das Unternehmen den doppelten Umsatz und 46 Mill. DM Reingewinn aus.

Größe kostet Geschwindigkeit

Lenze wachse "immer im Rahmen dessen, was man sich leisten kann", sagt Lohse, der darunter rund 15 % pro Jahr versteht. Zu große Sprünge gefährdeten die Selbstständigkeit. Größe bringe zwar Kosteneffizienz, koste aber Geschwindigkeit. Lenze trennt Bereiche daher möglichst schnell formal und räumlich ab. "Wir müssen teilen, um es zu beherrschen", sagt Lohses designierter Nachfolger Tellbüscher.

So blieben bei einem Zukauf in Italien die bisherigen Eigentümer in der Geschäftsführung. Ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Heidesheimer Insat W+P GmbH ist am Sitz des Partners angesiedelt. Software-Know-How wurde mit dem Startup Engenion in Bremen eingekauft. Inzwischen gehören zur Lenze-Gruppe 38 Unternehmen.

Das Führungsprinzip setzt selbstständige Mitarbeiter voraus. Die Belegschaft wird am Gewinn beteiligt, Gruppenarbeit ist Standard. "Wenn einer den Ball verschlägt, muss der andere hinterherlaufen", sagt Tellbüscher. Ein Fachmann des Maschinenbau-Verbands VDMA lobt Lenzes Baukastensystem, das kundenspezifische Lösungen zu vernünftigen Preisen ermögliche. Die Ausgründungen hätten die erhoffte Marktnähe gebracht.

Nach Jahren starken Wachstums steht das Konzept jetzt auf dem Prüfstand. In den nächsten Monaten werde sich das Tempo nicht halten lassen, gibt Lohse zu. Er sagt das mit der Gelassenheit von 44 % Eigenkapitalquote im Rücken. Der Maschinenbau sei nun einmal ein zyklisches Geschäft, doch schlecht seien die Zahlen immer noch nicht. Bis in den Herbst hinein wuchs der Umsatz zweistellig. Von tiefen Einschnitten in Investitionen oder Personal ist keine Rede.

Jüngst hat sich Lenze den Zugang zu neuem Kapital geöffnet. Aus der GmbH & Co. KG wurde eine Aktiengesellschaft. Ein Börsengang ist zwar nicht geplant, aber internationalen Investoren könne man das bisherige Rechts-Konstrukt beim besten Willen nicht erklären. Kapitalgeber werden gebraucht, um weiter zu wachsen – in den USA, aber auch in China. Und ein bisschen Imagepflege könne auch nicht schaden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×