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28.01.2002

13:54 Uhr

Fast ein Drittel der Firmen ohne Gewinn - Pleiten befürchtet

Sparkassen: Lage im deutschen Mittelstand Besorgnis erregend

Mehr als die Hälfte der Sparkassen erwartet bei ihren mittelständischen Firmenkunden in diesem Jahr eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation.

afp/ap BERLIN. Die Lage im deutschen Mittelstand ist nach Einschätzung des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes (DSGV) "Besorgnis erregend". Fast ein Drittel (31 %) der Unternehmen machten derzeit keinen Gewinn, teilte der Verband am Montag in Berlin in seiner Mittelstandsanalyse mit. Die Auftrags- und Umsatzentwicklung sei insgesamt rückläufig, die Kapitalpolster vieler Betriebe zu dünn. Nach 33 000 Pleiten und dem Verlust von einer halben Million Arbeitsplätzen im vergangenen Jahr sei zu befürchten, "dass sich dieser Trend auch im laufenden Jahr fortsetzen wird".

Eine Besserung sei "derzeit nicht absehbar", erklärte DSGV-Präsident Dietrich Hoppenstedt. Für die Erhebung wurden 450 Sparkassen befragt, die traditionell wichtigste Geschäftspartner des Mittelstandes sind. Dabei gingen insgesamt 170 000 Firmenkundenbilanzen in die Auswertung ein.

Mehr als die Hälfte der Sparkassen erwarte bei ihren Kunden in diesem Jahr eine Verschlechterung der Situation, erklärte Hoppenstedt. Nur vier Prozent gingen von einer positiven Entwicklung unter ihren Mittelstandskunden aus. Die Investitionstätigkeit im Mittelstand ist der Umfrage zufolge praktisch zum Erliegen gekommen. Nicht einmal jede zehnte Sparkasse habe noch Mittel für Investionen ausgegeben. "Davon kann keine Wachstumsdynamik ausgehen", betonte Hoppenstedt.

Hoppenstedt fordert maßvolle Tarifabschlüsse

Verbandspräsident Dietrich Hoppenstedt forderte daher am Montag in Berlin weitere steuerliche Entlastungen und eine Reduzierung der Lohnnebenkosten. Die Tarifpartner mahnte er zu maßvollen Lohnabschlüssen. Eine Richtzahl für die Tarifrunde nannte Hoppenstedt nicht. Er sagte, zwar sollten die Arbeitnehmer am Zuwachs des Bruttosozialprodukts beteiligt werden, doch sei dieser zurzeit nicht besonders hoch. Auch was den Inflationsausgleich angehe, könnten nur die klassischen Teuerungsaspekte berücksichtigt werden.

Inflationstreibende Faktoren wie etwa die Ökosteuer dürften nicht auf die Arbeitgeber abgewälzt werden. Besonders wandte sich Hoppenstedt gegen das Argument der Gewerkschaften, die neue Lohnrunde solle dazu dienen, die Binnenkonjunktur zu stärken. Die Zahl der Insolvenzen bezifferte Hoppenstedt für 2000 auf 27 000 und für das vergangene Jahr auf 33 000. Es sei mit einem weiteren Anstieg im laufenden Jahr zu rechnen, warnte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Allein im vergangen Jahr seien eine halbe Million Arbeitsplätze verloren gegangen, weil Betriebe vom Markt verschwanden.

Gestützt auf die Bilanzdaten ihrer Firmenkunden für 2000 und auf eine Umfrage unter 540 Sparkassen zur Lage der mittelständischen Wirtschaft im Jahr 2001 kommt der Verband zu einer düsteren Gesamteinschätzung. Danach wurden von den rund 3,3 Mill. mittelständischen Unternehmen 2000 durchschnittlich nur drei Prozent ihres Umsatzes als Gewinn erwirtschaftet. Ein Drittel erzielte überhaupt keinen Gewinn. Die Auftrags- und Umsatzentwicklung verschlechterte sich 2001 nochmals gegenüber dem Vorjahresniveau. Verbesserungen auf Grund der Prognose, dass die Konjunktur im Laufe des Jahres wieder anspringen wird, erhofft sich Hoppenstedt nicht. Der Mittelstand profitiere davon erst mit erheblicher Verzögerung.

Auch die Eigenkapitalquote wurde mit sieben Prozent im Jahr 2000 als zu knapp beziffert. Gerade bei kleinen Unternehmen würde die Quote oft nur zwischen 1,2 und 3,3 % liegen, während sie bei Großunternehmen knapp 23 % betrage. Der Investitionstrend zeige nach unten. Zudem würden nur 14 % der Investitionsmittel für Expansionen ausgegeben. Mit dem Rest würden Ersatzteile beschafft oder Rationalisierungsmaßnahmen eingeleitet. Hoppenstedt beklagte auch, dass mittelständische Unternehmer rund ein Viertel der Gesamtleistung für Löhne und Lohnnebenkosten verwenden müssen, während Großunternehmer dafür nur 18,8 % ausgeben. Gerade weil mittelständische Betriebe erheblich mehr Personal beschäftigten als Großunternehmen, müssten die Lohnnebenkosten reduziert werden. Er forderte auch eine Erhöhung des Rentenalters und einen Steuertarif von 35 % einschließlich Gewerbesteuer.

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