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25.05.2000

16:23 Uhr

dpa-afx FRANKFURT/M. Die Deutsche Börse AG wird nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bis zum Sommer 2000 selbst an die Börse gehen. Wie das Blatt in seiner Samstag-Ausgabe berichtete, wird um das Vorhaben seit Tagen hinter den Kulissen heftig gerungen. Werner G. Seifert, der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Börse AG, wolle dem Aufsichtsrat am heutigen Montag vorschlagen, einen Teil der Aktienanteile internationalen Großbanken zum Kauf anzubieten. Darüber hinaus soll eine Kapitalerhöhung durchgeführt und ein Teil des Aktienkapitals bis Sommer nächsten Jahres auch unter Privatanlegern gestreut werden.

Derzeit werden dem Bericht zufolge 81 Prozent des Kapitals von den Mitgliedsbanken gehalten, alleine 15 Prozent besitze die Deutsche Bank, gefolgt von der Dresdner Bank mit 8 Prozent und der Commerzbank mit 5 Prozent. Ausländische Institute hielten nur 5 Prozent, Makler etwa 9 Prozent und die Regionalbörsen den Rest. Der Vorschlag Seiferts sehe vor, bis zu 25 ausländischen Banken Anteile an der Deutschen Börse anzubieten. Dazu sollen die Alteigner Anteile abgegen, auch eine Kapitalerhöhung stehe an. Schätzungen zufolge bewegt sich der Wert der Deutschen Börse bei rund 1,5 Mrd.. USD, beziehungsweise 3,0 Mrd. DM.

Alles in allem sollen die ausländischen Institute etwa ein Drittel des Kapitals halten. Dabei sei den umworbenen internationalen Instituten noch nicht klar, ob sich das Drittel auf die 81 Prozent der Alteigner oder auf das Gesamtkapital beziehe. Die Finanzberater für die Transaktion seien die Deutsche Bank und Goldman Sachs.

Die Deutsche Börse AG habe den Kaufpreis in einer Modellrechnung unter dem Verweis auf die Börsenbewertung der Stockholmer und australischer Börsen begründet. Nach Meinung von Londoner Experten ist die Situation in Frankfurt aber anders: Im Herzen Europas nehme der Konkurrenzkampf an Härte zu, außerdem seien die Kosten der Deutschen Börse AG bedeutend höher. Schließlich sei Xetra bei der Abwicklung großvolumiger Orders nicht stark genug, die bei großen internationalen Investment-Banken eine Rolle spielten.

Das vom Vorstand vorgebrachte Argument, die Aktionäre erhielten auch eine Dividende und könnten auf hohe Kursgewinne hoffen, habe nicht alle Beteiligten überzeugt. Denn eine Investmentbank beurteile die Beteiligung an einer Börse nicht als Investment, sondern wolle Mitbestimmung bei der Schaffung eines effizienten Handelssystemes. In diesem Zusammenhang sei zu berücksichtigen, dass die Sparte Wertpapierabwicklung durch den Absprung der französischen Börse deutlich geschwächt sei. Die Deutsche Börse AG hatte mit der Cedel ein europäisches Clearing-Haus aufbauen wollen, die Franzosen hatten sich aber für Euroclear in London entschieden.

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