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21.06.2000

09:16 Uhr

FBI ermittelt

US-Software-Firma warnt vor neuem Virus

"Stages" beschädigt keine Dateien, kann aber e-mail-Systeme verstopfen, sagt das FBI. Der Virus überträgt sich wie der vor sechs Wochen aufgetauchte "Love Bug".

Reuters NEW YORK. Die im US-Bundesstaat Virginia ansässige Computer-Sicherheitsfirma ICSA.net hat vor einem neuen Computervirus gewarnt. Der Virus verberge sich hinter einem Witz über die Altersstufen des Lebens und trage die Kurzbezeichnung "Stages". Die Infektionsrate nehme noch immer zu, teilte die Firma mit. Die US-Bundespolizei FBI hat Ermittlungen aufgenommen. Auf ihrer Website hieß es, "Stages" beschädige keine Dateien, es könne aber e-mail-Systeme verstopfen. Nach Angaben von Computerexperten könnte der neue Virus das Werk eines in Argentinien lebenden Software-Autors sein, der sich zur Entwicklung mehrerer in den vergangenen Jahren international aufgetauchter Viren bekannt hat.

"Stages" ist den Angaben zufolge erstmals vor einigen Wochen entdeckt worden, damals aber verbreitete er sich nur langsam. Seit Montag jedoch begann der Virus, sich weltweit auszubreiten. Tausende Computer seien betroffen. Schadenberichte habe es nur wenige gegeben und die hätten sich auf zeitweise Schließungen überfüllter Computer-Netzwerke bezogen.

"Stages" verbreitet sich über e-mail-Adressen und richtet sich gegen die Nutzer von Microsoft Corps. Internet Explorer. Er überträgt sich wie der vor sechs Wochen aufgetauchte "Love Bug". Er benutzt Namen wie "Funny", "Jokes" und "Life Stages text". Wenn die Post geöffnet wird, kopiert sich der Virus automatisch in eine beliebige Anschrift im Adressbuch des Computernutzers und kopiert sich zudem auf angeschlossene PC's in Firmennetzwerken.

Die US-Fluggesellschaft Delta Air Lines, die drittgrößte Gesellschaft der USA, hat am Montag vorsorglich das gesamte firmeninterne e-mail-System geschlossen, nachdem der Virus auf Computern von Mitarbeitern entdeckt worden war. Am Dienstag wurde es für den internen Gebrauch wieder geöffnet.

Ein unter dem Decknamen "Zulu" bekannter langjähriger Hacker, der vermutlich in Argentinien lebt, hat die Verantwortung für "Stages" übernommen. Ende Mai habe er den Programmier-Code auf einer Website über Virusnachrichten veröffentlicht, sagte ICSA.net-Manager Bruce Hughes. In einem dazugehörigen Kommentar habe er sich als Autor gerühmt.

"Zulu" gilt als Erfinder des nach einer Figur aus der Fernsehserie "Seinfeld" benannten "Bubbleboy"-Virus - der erste Virus, der nach Ansicht von Experten in eine e-mail-Nachricht eingearbeitet war. "Zulu" bezeichnet auch den "Monopoly"-Virus als sein Werk. Darin wurde das Markenzeichen eines Monopoly-Spiels dargestellt mit Microsoft-Chef Bill Gates, der eine Hand voller Geldscheine hoch hält.

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