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30.01.2003

12:38 Uhr

FC Bayern geht nach Japan

„Go East“: Bundesliga entdeckt Asien

"Go East!" Ein halbes Jahr nach der Fußball- Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan beginnt die Bundesliga Asien für sich zu entdecken.

HB/dpa MÜNCHEN. "Asien ist als wirtschaftlicher Markt die einzige lukrative Plattform. Südamerika ist uninteressant, in den USA hat sich Fußball trotz der WM 1994 nicht durchgesetzt. Und Afrika kann man wirtschaftlich vergessen", begründet Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge die Bedeutung eines Aufbruchs nach Fernost: "Die Engländer haben es uns vorgemacht, Italien und Spanien ziehen nach. Die Bundesliga muss Flagge zeigen."

Der Rekordmeister steht in den Startlöchern. "Spätestens Mitte Februar haben wir alles unter Dach und Fach. Und wir haben uns entschieden, zunächst nach Japan zu gehen", sagte Rummenigge am Donnerstag der dpa. Mit einer "allumfassenden Plattform" und "ohne finanzielles Risiko" plant man einen Einstieg in großem Stil.

Etwas kleiner als der große FC Bayern agiert die Konkurrenz. Der Südkoreaner Du-Ri Cha erzielte am vergangenen Wochenende sein erstes Bundesligator für Arminia Bielefeld. Der japanische Nationalspieler Naohiro Takahara soll für den Hamburger SV ebenfalls Tore schießen und so in seiner Heimat einen gewinnträchtigen HSV-Boom auslösen. Gleiches verspricht sich 1860 München von dem neu verpflichteten Chinesen Jiayi Shao. "Asien ist in der heutigen Zeit näher gerückt. Die Vereine versuchen, sportliche und wirtschaftliche Interessen zu verbinden", sagt Ex-Nationalspieler und Japan-Kenner Guido Buchwald.

Aus gutem Grund: Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung (6,2 Milliarden) lebt in Asien. Der Weltverband FIFA wies 2000 in einer Statistik 105,3 Millionen aktive Fußballer in Fernost aus, doppelt so viele wie in Europa. "Wir haben in Oliver Kahn nach David Beckham den zweitpopulärsten Spieler in Asien unter Vertrag", betont Rummenigge. Der Nationaltorhüter ist seit der WM in Japan zu einem Werbestar geworden, der Verein will das gewaltige Potenzial ebenfalls nutzen.

Unter einer "allumfassenden Plattform" versteht Rummenigge Internet-Auftritt, Merchandising, Testspiel-Reise und Verpflichtung eines asiatischen Spielers. Außerdem wollen die Bayern ihre in Asien aktiven Sponsoren wie Siemens oder Audi mit ins Boot nehmen. "Es wäre eine schöne Sache für uns, in Asien mit dem FC Bayern aufzutreten", teilte der Ingolstädter Autobauer auf Anfrage mit. Für die VW-Tochter ist Asien ein Wachstumsmarkt. 2002 wurden dort 56 000 Autos verkauft, ein Plus von 26 %. Eine gemeinsame Asien-Reise mit Spielen des FC Bayern "in Japan sowie China, Südkorea oder Thailand" (Rummenigge) noch in diesem Sommer ist beschlossene Sache.

Der HSV erhofft sich durch den Verkauf von Takahara-Trikots in Japan einen sechsstelligen Gewinn. Das Bundesliga-Debüt des 23 Jahre alten Stürmers wurde in seiner Heimat live vom TV-Sender "wowwow" übertragen. Zahlreiche Journalisten berichten täglich für japanische Medien über Takahara und damit auch über den HSV. Sportchef Dietmar Beiersdorfer hatte beim Takahara-Transfer auch "im Hinterkopf", neue Potenziale im Merchandising und Sponsoring zu erschließen.

"Wenn japanische Fußballer in der Bundesliga spielen, werden sich auch Sponsoren für die deutschen Clubs interessieren", glaubt Yasuhiko Okudera, der zwischen 1977 und 1986 für den 1. FC Köln und Werder Bremen spielte. An der Ablösesumme von rund 1,3 Mill. ?, die 1860 München für Shao an Guan Peking bezahlte, beteiligten sich chinesische Sponsoren. Die einheimischen Spieler steigern die Präsenz der Bundesliga im asiatischen Fernsehen. "Die Bundesliga ist in Asien bislang nur die Nummer fünf, sogar noch hinter Frankreich. Sie muss dort insgesamt präsenter werden", betont Rummenigge.

Es gibt aber auch skeptische Stimmen. "Wer kennt in Tokio schon den VfL Bochum?", entgegnet Werner Altegoer, der starke Mann beim VfL, auf das Asien-Thema. Um in Fernost aktiv zu werden, müsse man zunächst in der Tabelle besser dastehen, meint Michael A. Roth, Präsident des 1. FC Nürnberg. Und der sportliche Wert von Spielern aus Japan, Korea oder China muss sich auch erst noch beweisen. "Ich traue es ihnen hundertprozentig zu, in der Bundesliga Fuß zu fassen", sagt Buchwald, der in der japanischen J-League gespielt hat. Der Weltmeister von 1990 verweist auf die beiden Japaner Hidetoshi Nakata (AC Parma) und Shinji Ono (Feyenoord Rotterdam), die sich in Italien und den Niederlanden sportlich durchgesetzt hätten.

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