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17.01.2002

19:00 Uhr

FDP protestiert gegen Bevorzugung von Einzelpersonen

Schröder tritt im TV-Duell gegen Stoiber an

Der Herausforderer will ein TV-Duell, der Amtsinhaber ebenfalls - und den Sendern läuft das Wasser im Mund zusammen. Gerhard Schröder gegen Edmund Stoiber: Diese Premiere der deutschen Fernsehgeschichte verspricht Prestige und Quote. Die Intendanten buhlen, werden sich aber wohl bis Ende August gedulden müssen.

Edmund Stoiber. Foto: ap

Edmund Stoiber. Foto: ap

gof/hps BERLIN/DÜSSELDORF. Der Wettbewerb der Sender um ein TV-Duell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seinem Herausforderer Edmund Stoiber läuft bereits auf Hochtouren. Vor allem die privaten Fernsehsender brennen darauf, den Zuschlag zu erhalten. Allerdings haben die beiden öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF ebenfalls ihren Anspruch angemeldet. Während Stoiber am Donnerstag seine sofortige Bereitschaft signalisierte, lässt man bei der SPD Zeit. Schröder will zwei Streitgespräche: Das erste soll vier Wochen vor der Bundeswahl stattfinden, das zweite am 20. September zum Abschluss. Die beiden Duelle sollen bei ARD und ZDF geführt werden. Die privaten Sender könnten sich dann dazu schalten, schlägt der Kanzler vor.

Um die Chancen der Privatsender zu erhöhen, macht Claus Larass, Informationsvorstand bei Leo Kirchs Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG, einen anderen Vorschlag: Ein TV-Gipfel bei ARD und ZDF, der andere in einer gemeinsamen Sendung von Sat 1 und RTL. "Es kann durchaus sein, dass mehrere Privatsender das Fernsehduell gemeinsam machen." Das wäre ein Novum in der Geschichte des deutschen Privatfernsehens. Bisher vermieden es die Sender der Medienkonzerne Bertelsmann und Kirch, gemeinsam politische Sendungen zu veranstalten.

In den USA haben Fernsehduelle von Präsidentschaftskandidaten einen hohen Stellenwert für den Wahlerfolg. In Deutschland hingegen verweigerten die Amtsinhaber bislang den Disput vor laufender Kamera. "Meines Wissens hat es im deutschen Fernsehen noch nie ein Streitgespräch zwischen dem amtierenden Bundeskanzler und dem Herausforderer gegeben", sagte ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann.

Statt dessen strahlen die öffentlich-rechtlichen Sender vor Wahlen so genannte "Elefantenrunden" aus. Darin kamen traditionell die Spitzenkandidaten und Vorsitzenden aller im Bundestag vertretenen Parteien zu Wort. FDP-Vize Rainer Brüderle forderte am Donnerstag denn auch, die bisherige Übung fortzusetzen. Die Verfassung sehe keine Kanzlerwahl vor, sondern eine Parteienwahl, meinte Brüderle. Wenn nur Stoiber und Schröder aufträten, würde der irrige Eindruck erweckt, dass es nur um die beiden Volksparteien und deren Spitzen gehe.

Novum in der deutschen Fernsehgeschichte

Der Streit ist neu, denn Helmut Kohl hatte es zuvor in den 16 Jahren seiner Kanzlerschaft stets abgelehnt, ein direktes TV-Duell nur zwischen ihm und seinen SPD-Herausfordern zu führen. Auch Stoiber verweigerte in den Landtagswahlkämpfen seiner SPD-Herausforderin Renate Schmidt den direkten Schlagabtausch im Bayerischen Rundfunk.

Trotz Schröders Präferenz für ARD und ZDF fordern die Privatsender von der Politik ihren Tribut. Mittlerweile "kommt an den Privaten niemand mehr vorbei", glaubt Larass. Sowohl Pro Sieben Sat 1 als auch RTL verweisen auf ihr junges Publikum. Das Durchschnittsalter des ZDF - Branchenspott "Kukident-Sender" - liegt bei 48 Jahren. "Die Politiker wissen, dass sie mit uns ein junges Publikum erreichen können", sagt auch RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer.

RTL-Chefredakteur Hans Mahr und Kirch-Informationschef Larrass haben bereits bei Schröder und Stoiber wegen eines gemeinsamen Streitgesprächs vorgefühlt. Doch ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender bezeichnete das Projekt als Sache der öffentlich-rechtlichen Informationsprogramme. "Im Rahmen der umfangreichen Wahlberichterstattung des ZDF wäre dieses Aufeinandertreffen ein Höhepunkt", so Brender.

Bei der Mainzer Sendeanstalt lief gestern Abend ein 45-Minutengespräch von Kanzler Schröder mit Maybrit Illner in der Sendung "Berlin Mitte". Zuvor präsentierte sich bereits Stoiber auf RTL. Am nächsten Sonntag ist der CSU-Chef auch bei Sabine Christiansen zu sehen - als einziger Gast der ansonsten mehrköpfigen Polit-Talkrunde. Das gleiche Privileg erhielt zuvor Gerhard Schröder.

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