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17.01.2002

18:13 Uhr

Federal Express nächster A380-Kunde

Stornierungswelle stoppt Airbus-Erfolge

VonMatthias Eberle

Airbus kommt dem US-Konkurrenten Boeing im zivilen Flugzeugbau immer näher. Dank dicker Auftragsbücher lieferte Airbus in 2001 so viele Jets aus wie nie zuvor und erzielte einen Rekordumsatz von 20,5 Milliarden Euro. Für die nächsten beiden Jahre kündigt sich allerdings ein Einbruch an: 101 Aufträge sind bereits storniert.

HB PARIS. Mit kürzeren Arbeitszeiten und der Kündigung von Teilzeitbeschäftigten will der europäische Flugzeugbauer Airbus in diesem Jahr rechnerisch 6000 Stellen einsparen. Die anhaltende Krise in der Luftfahrtbranche solle aber ohne Entlassungen von Vollzeit-Personal durchgestanden werden, betonte Vorstandschef Noël Forgeard in Paris.

Im vergangenen Jahr stornierten Fluggesellschaften insgesamt 101 Bestellungen. Grund dafür sei in nahezu allen Fällen die Tatsache gewesen, dass Kunden vor dem Konkurs gestanden hätten. Airbus sammelte damit zwar nur noch 274 feste Aufträge im Wert von 37,3 Mrd. $ ein, lag damit aber zum zweiten Mal nach 1999 knapp vor dem Konkurrenten Boeing. Der US-Erzrivale bekam in 2001 zwei Bestellungen weniger (272). Der Rückgang des Netto-Auftragseingangs liegt bei Airbus um knapp 30 % unter Vorjahr, Boeing beklagt gar Einbrüche in Höhe von mehr als 50 %. Grund hierfür ist die Tatsache, dass die meisten US-Fluggesellschaften beim Flottenkauf auf den heimischen Marktführer Boeing setzen. Dort machte sich der Mix aus Konjunktureinbruch und den Terrorfolgen des 11. September noch weit stärker bemerkbar als in Europa oder in Asien.

Der Airbus-Umsatz blieb von den Folgen der Terroranschläge in 2001 noch weitgehend unbeeindruckt und kletterte auf ein Rekordniveau von 20,5 Mrd. Euro. Dank eines hohen Auftragsbestands konnte Airbus 325 Flugzeuge bauen - so viele wie noch nie zuvor. Nach Unternehmensangaben sitzt Airbus derzeit noch immer auf einem Auftragspolster von 1575 Jets. Forgeard erwartet für das laufende Jahr allerdings einen Rückgang der Airbus-Auslieferungen auf 300 Maschinen.

Luftfahrt-Analysten befürchten, dass diese Zahl auf deutlich unter 300 fallen könnte. Nach einer Reuters-Erhebung rechnen sie für das Jahr 2003 sogar mit einem Einbruch auf 250. Bei weniger als 280 Auslieferungen pro Jahr hält Airbus Entlassungen für unumgänglich. Konkurrent Boeing hatte als Reaktion auf die Krise bereits eine Woche nach den Terroranschlägen angekündigt, 30 000 Stellen streichen zu wollen. Allerdings hatte der weltgrößte Luft- und Raumfahrtkonzern vor gut zwei Jahren noch fast 600 Flugzeuge gebaut - doppelt so viele wie nun geplant. Airbus hingegen war erst im Begriff, die Produktion hochzufahren.

Nun will der europäische Herausforderer die anhaltende Schwäche des Konkurrenten zum Führungswechsel nutzen. "Bei den Aufträgen haben wir derzeit einen Marktanteil von 53 %", berichtet Forgeard. Der künftige Riesen-Airbus A380, davon ist der Airbus-Chef überzeugt, werde nach 85 Bestellungen im Vorjahr seinen Anfangserfolg fortsetzen. Forgeard kündigte den US-Paketdienstleister Federal Express als nächsten A380-Kunden an: "Sie werden noch in diesem Quartal zehn Maschinen in der Frachtversion bestellen", sagte er dem Handelsblatt.

An Airbus ist der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS zu 80 % beteiligt, der Rest liegt in Händen der britischen BAe Systems. Bei EADS macht Airbus annähernd zwei Drittel des Umsatzes und den Löwenanteil des Gewinns aus. Die EADS-Aktie reagierte positiv auf die Airbus-Jahreszahlen: Sie legte gestern in Paris um knapp 2 % auf rund 14 Euro zu.

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