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21.01.2001

19:15 Uhr

Fehlende Mittel zur Kapitalbeschaffung – Baldige Ernüchterung im Investmentbanking

Viele enttäuschte Mittelständler werden der Börse bald den Rücken kehren

VonR. LANDGRAF, F.SCHÖNAUER

FRANKFURT/M. In den kommenden Jahren werden sich verstärkt Unternehmen vom Börsenzettel streichen lassen. Wie der Managing Director der Morgan Stanley Bank AG Jan P. Weidner sagte, liege der Grund an den mangelnden Umsätzen in den deutschen Nebenwertsegmenten sowie einer enttäuschenden Kursentwicklung. Vor allem einige Gesellschaften aus dem MDax, Smax sowie einige Unternehmen des Neuen Marktes seien in der Vergangenheit stark vernachlässigt worden. Auch stünden sie vor der Schwierigkeit, sich über die Börse ausreichend frisches Kapital zu verschaffen. Dem hohen Aufwand für die Öffentlichkeitsarbeit (Investor Relations) stehe ihrer Ansicht nach zudem nur ein geringer Mehrwert an der Börse gegenüber. Europaweit traten allein 1999 bereits 67 Aktiengesellschaften ihren Rückzug von der Börse an.

Das so genannte "Delisting" oder "Going Private" kommt in der Regel nur bei Firmen in Frage, die einen oder wenige Großaktionäre haben. Die Aktionärsgruppe sollte zwischen 30 und 40 % stellen. In einer Studie nannte Dresdner Kleinwort Wasserstein kürzlich mehr als 40 "Going Private"-Kandidaten. Unter ihnen befanden sich Salzgitter, Teldafax, Maxdata, Teles, Villeroy& Boch oder FAG Kugelfischer. Als weiterer Grund für ein Delisting gelten finanzielle Überlegungen. So könnten Finanzinvestoren unterbewertete Gesellschaften übernehmen und sie wenige Jahre später wieder an einen anderen Investor oder über die Börse veräußern. Die Investmentbanken werden von diesem Geschäft in Zukunft entsprechend stärker profitieren.

Trotzdem geht Weidner davon aus, dass es in den kommenden Jahren im Investmentbanking zu einer Ernüchterung kommt. Zwar halte der Trend zur Konsolidierung bei den Unternehmen an, vor allem bei den Finanzdienstleistern (und hier gerade unter den Direktbrokern), Versorgern, der Chemie und im Handel. Allerdings hätten viele Institute in den vergangenen Jahren ihre Teams in Deutschland aufgebaut. Die großen Deals der Zukunft würden jedoch nur von wenigen Häusern betreut. Unternehmensvorstände setzten seiner Meinung nach künftig auf Teams mit hoher Umsetzungsgeschwindigkeit und qualitativ hochwertiger Arbeit, betonte der Managing Director. Das größte Potenzial haben deshalb seiner Meinung nach die Amerikaner Morgan Stanley und Goldman Sachs sowie die Deutsche Bank wegen ihrer Platzhirsch-Stärke. Allerdings sieht das die Konkurrenz anders: Häuser wie JP Morgan Chase, UBS Warburg und Schroder Salomon Smith Barney sehen sich ebenfalls in der Spitzengruppe.

Das Geschäft für die deutsche Tochter der US-Investmentbank Morgan Stanley Bank Dean Witter läuft nach eigenen Angaben bislang rund. Weidner erläuterte, im vierten Quartal 2000 habe es die erwartete Delle nicht gegeben. Konkrete Zahlen nannte er nicht. Leonhard H. Fischer, der für das Investment Banking zuständige Vorstand der Dresdner Bank, äußerte sich mit dem Beginn des neuen Jahres ebenfalls sehr zufrieden. "Für uns hätte es nicht besser beginnen können", sagte er, auch wenn die Bank bislang (noch) nicht mit einem großen Deal in Deutschland glänzen kann. Allerdings hatte das Institut das Mandat beim Tiernahrungshersteller Ralston Purina inne, der kürzlich vom Lebensmittelkonzern Nestle übernommen worden war. Im Gegensatz dazu befindet sich die Deutsche Bank. Deren Leiter der Europa-Abteilung "Fusionen und Akquisitionen" Don Johnston sagte erst kürzlich, sein Geschäftsfeld sei hinter den Erwartungen des Vorstands zurück geblieben. Die Deutsche Bank liegt nach Angaben des Informationsdienstleisters Thomson Financial bei den Beraterbanken für globale M & A-Transaktionen nur auf Rang 11, das Volumen betrug dabei 326,1 Mrd. $. Bei den angekündigten Transaktionen lag sie sogar nur auf Rang 14 (122,3 Mrd. $). Bei abgeschlossenen Übernahmen von deutschen Unternehmen lag die Deutsche Bank auf Rang 6 mit einem Volumen von 212,3 Mrd. $ (angekündigt: Platz 3 mit 20 Mrd. $). Spitzenreiter hier war JP Morgan (siehe Tabelle).



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