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16.04.2003

09:21 Uhr

Fehlende Modelle zur Preisberechnung bremsen Marktteilnehmer

Wetter-Derivate warten auf den Durchbruch

VonUdo Rettberg

Jeder spricht vom Wetter - auch die Wirtschaft. Diese sieht sich den Risiken durch die Unberechenbarkeit des Wetters in vielfältiger Form ausgesetzt. Durch den Einsatz von Wetter-Derivaten können diese jedoch reduziert werden. Die neue Derivate-Generation hat die hochgesteckten Erwartungen bislang aber nicht erfüllt.

FRANKFURT/M. Der Erfolg vieler Unternehmen hängt vom Wetter ab. Der Wunsch, sich gegen die Risiken abzusichern, ist dementsprechend hoch. Wetter-Derivate sind ein Instrument, in das Marktteilnehmer große Hoffnung setzen. Bislang hat der Markt aber zwei Schwächen. Zum einen fehlt es an akzeptierten Modellen zur Preisberechnung. Zum anderen ist es bisher nicht gelungen, allgemein genutzte börsennotierte Derivate zu kreieren, durch die ein liquider Handel an Terminbörsen möglich wäre. An der Chicago Mercantile Exchange und der EuronextLiffe sind zwar Wetter-Derivate gelistet, doch hat sich damit bislang kein liquider Handel entwickelt. Geschäfte mit Wetterrisiken werden meist an OTC-Märkten (Freiverkehr) zwischen zwei Unternehmen getätigt.

Die Wachstumsaussichten sind dennoch nicht schlecht. Laut der Weather Risk Management Association ist der Markt 2002 um 72 % auf einen Risikogegenwert von 4,3 Mrd. $ gestiegen. Die Angst vor witterungsbedingten Katastrophen hat dazu geführt, dass sich die Branchen Tourismus, Agrarwirtschaft, Freizeit und Energie stärker mit unterschiedlichen Möglichkeiten der Versicherung beschäftigen. Wetter-Derivate sind eine von zahlreichen Möglichkeiten. Im Gegensatz zu herkömmlichen Versicherungen gelten diese Instrumente als effizient, da für die Erbringung einer finanziellen Leistung bei Wetter-Derivaten im Gegensatz zur Wetterversicherung keine Schadens-Feststellung notwendig ist.

Immer mehr Firmen stellen bei der Analyse ihrer Bilanzen eine starke Korrelation zwischen Klima- und Witterungsveränderungen und Ertragsentwicklung fest. So klagten zuletzt Manager börsennotierter US-Aktiengesellschaften wie des Motorsport-Veranstalters International Speedway Corp. und des Automobil CarMarx Inc. -Einzelhändlers über negative Einflüsse des Wetters auf ihre Umsatz- und Ertragszahlen im ersten Quartal. In Deutschland seien 70 % der erbrachten Wirtschaftsleistung direkt oder indirekt vom Wetter abhängig, sagt Justus Schütze von Vattenfall. Die Absicherung gegen Temperaturschwankungen, Windgeschwindigkeiten und Niederschlagsmengen sei daher nicht nur für die Energiebranche, sondern für alle Wirtschaftszweige interessant.

In der internationalen Bankenlandschaft haben Wetter-Derivate dadurch Bedeutung erlangt, dass die Weltbank-Tochter IFC im Januar 2002 eine Initiative startete, um die Wirtschaft in den Emerging Markets mit der Absicherung gegen Wetterrisiken vertraut zu machen.

Europas Banken schätzen die Chancen für Wetter-Derivate unterschiedlich ein. "Wir sehen in Märkten wie Ökonomie-Derivate ein größeres Potenzial", ist Wolfgang Stolz, Vorstand von UBS Warburg. "Der Markt für Wetter-Derivate boomt", sagt indes Tim Hogman vom Finanzhaus Cantor in London. "Mittelfristig dürften die Zuwachsraten des Weltmarktes für Wetter-Derivate im zweistelligen Prozentbereich pro Jahr liegen", schätzt Josef Auer von der Deutschen Bank.

Die Energiebranche sieht in dem Markt Wachstumspotenzial. "Wettergeschäfte sind zukunftsträchtig", sagt Gabriele Rahn von Vattenfall Europe Trading in Hamburg. Man wolle daher den Handel mit diesen Instrumenten ausbauen. Bislang seien Geschäfte vor allem zur Absicherung des konzerneigenen Strom- und Wärmegeschäfts getätigt worden. Jetzt werde mit dem Energieversorger HEW ein Produkt angeboten, das den Energiebezug des Kunden mit einem Absicherungsinstrument kombiniert. Daraus resultiert ein wetterindizierter Strompreis.

Cantor Index - eine Tochter von Cantor Fitzgerald - bietet Privaten und Firmen gemeinsam mit weatherXchange jetzt neue Derivate. Diese ermöglichen die Spekulation auf Niederschlagsmengen und die Sonnenscheindauer in London.

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