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22.01.2003

20:29 Uhr

Fehlender Ausblick belastet Touristikkonzern

Kriegsängste und Tui lasten auf Dax

Der deutsche Aktienindex Dax hat am Mittwoch deutliche Verluste verbucht: Die Anhaltende Angst vor einem möglichen Krieg im Irak und schlechte Zahlen des Touristikkonzern Tui ließen das Börsenbarometer im Handelsverlauf auf 2 765 Punkte abstürzen. Das war der tiefste Stand seit Mitte Oktober 2002. Zum Handelsschluss verlor der Index 2,35 % auf 2803,25 Punkte.

dpa/rtr/vwd FRANKFURT/MAIN. Der MDax der mittleren Unternehmenswerte verlor 1,50 % auf 3023,82 Punkte, während am Neuen Markt der Auswahlindex Nemax 50 um 1,75 % auf 375,57 Zähler nachgab.

"Die Nervosität im Markt nimmt zu und die wenigen positiven Nachrichten haben eine sehr geringe Halbwertszeit", sagte Marktstratege Christian Schmidt von der Helaba. Auch die Kommentare der USA zu einem möglichen Krieg im Irak würden mit Argusaugen verfolgt. "Es gibt derzeit keinen Grund, warum es am Aktienmarkt aufwärts gehen sollte". Die Erwartung eines neuen Golfkriegs bremste das Kaufinteresse, die Anleger hielten Liquidität für Trumpf. Kurzfristig auflösen werde sich die Situation vermutlich nur bei positiven Überraschungen in Form einer Flucht des irakischen Diktators aus Bagdad oder bei Beendigung der Krise in Venezuela mit einem deutlich fallenden Ölpreis als Folge, meinten Händler eher skeptisch.

Zudem hielten charttechnisch orientierte Anleger weitere Rückschläge im Dax für wahrscheinlich. "Es gibt keine charttechnischen Indikationen, die für nachhaltig steigende Kurse sprechen. Da müsste der Dax über das Jahreshoch von über 3 150 Punkten steigen. Und das ist auf Sicht der nächsten zwei Wochen nicht zu erwarten", sagte Klaus Tafferner, technischer Analyst bei Concord Effekten. Die nächste nachhaltige Unterstützung sehen viele Experten beim Tief von 2 519 Punkten aus dem Oktober 2002.

Tui-Aktien gerieten nach Vorlage erster Kennzahlen für das abgelaufene Jahr in die Verlustzone. Der Kurs verlor 6,90 % auf 13,90 ?. Europas größter Touristikkonzern verzichtete wegen der Konjunkturschwäche und politischer Unwägbarkeiten auf eine Prognose für das laufende Jahr. Nach vorläufigen Zahlen sank das Betriebsergebnis binnen Jahresfrist auf 600 Mill. ? und damit stärker als von Analysten erwartet. Marktteilnehmer machten den Verzicht auf eine Prognose für 2003 für den Kursverfall verantwortlich. "Ich würde den Anlegern raten, wegen der Irak-Krise erst einmal abzuwarten, obwohl das Papier von der Dividendenrendite her attraktiv ist", sagte Analyst Viktor Hund von der BW-Bank.



Schlechte Nachrichten vom größten italienischen Versicherer Generali haben auch den deutschen Versicherungstitel Kursverluste gebracht: Die Titel der Allianz verbilligten sich um 2,71 % auf 82,20 ?. Im Oktober war der Titel unter die Marke von 80 ? gerutscht. Kursverluste gab es auch bei der Münchener Rück. Der Titel des weltweit größen Rückversicherers büßte 3,08 % auf 102,98 ? ein.

Der Finanzdienstleister MLP hat im vierten Quartal seine Kundenzahl im Rahmen der eigenen Erwartungen und der von Analysten auf mehr als 500 000 gesteigert. Die genaue Zahl wollte ein Sprecher am Mittwoch auf Anfrage nicht nennen. Ende des dritten Quartals hatte das Unternehmen noch 495 000 Kunden - ein Plus von 9 000 gegenüber dem Vorquartal. Die Aktie konnte jedoch nur kurz von der Mitteilung profitieren und verlor 8,03 % auf 9,05 ?. Analysten begründeten den Kursrutsch mit stärker werdenden Ängsten vor einem Ausscheiden des Finanzdienstleisters aus dem Dax. "Die Nachricht hätte man sich schenken können, sie sagt nichts über den Geschäftsverlauf aus", sagte Thorsten Wenzel, Analyst bei der DZ Bank.

Der Gunst der Käufer erfreuten sich somit laut Händlern nur ausgewählte Pharmawerte, die als defensiv gelten. So stiegen Altana um 0,7 Prozent auf 42,48 Euro und Fresenius Medical Care um 0,8 Prozent auf 43,22 Euro. In der zweiten Reihe legten Merck etwas zu. Tagesgewinner im Dax waren allerdings Commerzbank mit einem Plus von 5,6 Prozent auf 7,60 Euro. Händlern zufolge kursierten neuerliche Gerüchte über eine Fusion der Commerzbank und der Hypo-Vereinsbank. Aus Finanzkreisen verlautete allerdings, diese Gerüchte entbehrten einer Grundlage.

Auch Deutsche Post, Infineon, Henkel und Bayer verzeichneten überdurchschnittliche Verluste. Daimler-Chrysler gaben 1,3 Prozent auf 27,26 Euro ab. Vorübergehend hatten die Titel nur noch 26,29 Euro gekostet, damit waren sie so billig wie seit zehn Jahren nicht mehr. BASF wurden nur vorübergehend von der Ankündigung eines weiteren Aktienrückkaufprogramms gestützt, unter dem Strich blieb am Schluss ein Abschlag von 2,3 Prozent auf 34,28 Euro übrig.

Der Rentenindex Rex legte um 0,15 % auf 118,31 Punkte zu, der Bund Future zeigte sich unverändert bei 114,53 Punkten. Die Umlaufrendite sank von 3,83 (Dienstag) auf 3,80 %. Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0718 (Dienstag: 1,0653) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9330 (0,9387) Euro.

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