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14.03.2003

09:00 Uhr

Fehler bei der Buchführung veranlassen Betriebsprüfer zu Schätzungen - Kleinunternehmer sollten freiwillig Aufzeichnungen erstellen

Die Firmenkasse - ein steuerliches Risiko

VonGregor Nöcker

Wer eine Firmenkasse führt, kann schnell in steuerliche Schwierigkeiten geraten. Entdeckt der Steuerprüfer Fehler in der Kassenführung, werden Einkünfte zugeschätzt. Doch es gibt Chancen, sich zu wehren.

MÜNSTER. Erscheint der Betriebsprüfer, so interessiert ihn häufig auch die Kasse des Betriebes. Kassenbücher, -berichte oder Z-Bons sind vorzulegen. Anhand dieser Unterlagen versucht der Betriebsprüfer, Fehler in der Kassenführung zu finden. Dies ist in der Regel der Fall, wenn die Kassenendbestände negativ sind, also wenn die Kassenausgaben die Kasseneinnahmen auf dem Papier übersteigen. Folge ist, dass der Prüfer annehmen darf, dass die Kassenführung und damit die Buchführung nicht ordnungsgemäß ist.

Für jeden Unternehmer ein großes Problem: Denn in diesem Fall darf der Betriebsprüfer Einnahmen zuschätzen und sich das entsprechende Mehrergebnis für die Prüfung zuschreiben. Der vorsichtige Prüfer wird diese Zuschätzungen durch bestimmte Kalkulationsmethoden und neuerdings durch statistische Methoden wie den so genannten "Chi-Test" untermauern.

Letzteres ist ein aus der Wahrscheinlichkeit stammendes Verfahren, bei dem die Abweichungen der verwendeten Zahlen im Kassenbuch von deren Üblichkeit ermittelt wird. Doch eins ist klar: In der Regel führt die Schätzung zu einer höherer Steuerlast.

Was also kann der Steuerpflichtige dagegen tun? Gegen die Zuschätzungen kann er sich in der Regel dadurch wehren, dass er Übernahme- oder Rechenfehler in der Schätzung des Prüfers aufzeigt, die Brauchbarkeit der gewählten Schätzmethode anzweifelt oder die Richtigkeit der Buchführung trotz der Fehler in der Kassenführung anhand der finanzamtseigenen Richtwertesammlung darstellt. Soweit möglich, kann er auch auf eine falsche Arbeit des Prüfers hinweisen, wenn der Prüfer konkrete Erklärungen für ungeklärte Vermögenszuwächse nicht in der Schätzung berücksichtigt findet.

Ist der Steuerpflichtige gar ein Kleingewerbetreibender (Jahresumsatz bis 260 000 Euro oder Jahresgewinn bis 25 000 Euro), der seinen Gewinn nur durch eine "Einnahmen-Überschuss- Rechnung" ermittelt, so musste der Prüfer außerdem die besonderen Erleichterungen bei der freiwilligen Kassenaufzeichnung beachten. Ein Kassenbuch oder gar ein Kassenbericht, welches dieser Steuerpflichtige freiwillig erstellt, muss nicht notwendigerweise demjenigen eines buchführenden Gewerbetreibenden entsprechen.

Die Kassenführung des Kleingewerbetreibenden darf lückenhaft sein. Insbesondere die Aufzeichnung von Privatentnahmen und Privateinlagen kann fehlen. Auch müssen nicht in allen Fällen alle Betriebseinnahmen im Rahmen dieser Kassenaufzeichnung einzeln aufgeführt werden. So hat der Bundesfinanzhof schon 1966 für den Verkauf von Waren gegen Barzahlung über den Ladentisch entschieden, dass die Aufzeichnung eines Gesamtbetrages am Tagesende ausreicht. Kleingewerbetreibenden, die entsprechende Bargeschäfte haben, können deshalb auch eine Kassenaufzeichnung so erstellen, dass sie die Kasse am Abend auszählen und mit dem Tagesendbestand des Vortages vergleichen. Die Differenz, reduziert um Ausgaben und Herausnahmen, stellt die Einnahmen dar. Fehler bei der Aufzeichnung der Ausgaben oder Herausnahmen können dem Gewerbetreibenden nicht auffallen, zählt er doch jeden Abend den aktuellen Stand und rechnet davon zurück auf die Einnahmen. Mangels vollständiger Einlagen- und Entnahmenaufzeichnung kann eine solche Kasse vom Finanzamt nicht einem Soll-Ist-Vergleich unterzogen werden.

Die "Kassensturzfähigkeit" fehlt. Will der Prüfer in diesen Fällen Schwarzeinnahmen aufdecken, so reicht es nicht aus, dass einfach Kassenfehlbeträge festgestellt werden. Diese sind auf Grund der rein rechnerischen Ermittlung der Einnahmen jederzeit möglich und menschlich verständlich. Der Kleingewerbetreibende scheint bei dieser Art der Kassenaufzeichnung für den Fall der Schätzung im Vorteil zu sein, ist doch eine Zuschätzung allein auf Grund von Kassenfehlbeträgen leicht angreifbar.

Voraussetzung bleibt natürlich, dass der Kleingewerbetreibende darlegen kann, jeden Abend die Kasse auch tatsächlich ausgezählt zu haben. Häufige Übertragungsfehler zwischen den einzelnen Tagen wie auch Auf- und Abrundungen können ausreichen, diese Auszählung anzuzweifeln. Will der Prüfer die Vermutung der Ordnungsmäßigkeit der Aufzeichnungen ansonsten zerstören, so muss er die üblichen Prüfungsverfahren anwenden.

Ergeben sich hieraus berechtigte Zweifel an der Ordnungsmäßigkeit, so ereilt nun den Kleinunternehmer das Darstellungs- und Beweisproblem. Der Kleingewerbetreibende hat dann darzutun, dass er tatsächlich alle Einnahmen erfasst hat - mangels umfangreicher und lückenloser Kassenaufzeichnung ein schwieriges Unterfangen. Die Vermutung der Vollständigkeit und Richtigkeit existiert (dann) nicht.

Der Autor ist Diplom-Kaufmann, abgeordnet an das Finanzgericht Münster.

Quelle: Handelsblatt

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