Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2003

14:39 Uhr

„Fehlerhafte Vereinfachung“

Bilanzfehler: Agiplan-Aktie stürzt ab

Nach Bekanntwerden von Unregelmäßigkeiten im Neunmonatsabschluss 2002 ist der Aktienkurs der Mülheimer Agiplan Technosoft AG am Montag zeitweise um mehr als 45 Prozent eingebrochen.

vwd DÜSSELDORF. Am Freitagabend hatte das im SMax notierte Software-Unternehmen mitgeteilt, dass die betrieblichen Erlöse auf Grund einer "fehlerhaften Vereinfachung" und eines "systematischen Fehlers" nur 6,4 Mill. statt der zuvor gemeldeten 7,4 Mill. Euro betragen hätten. Der Verlust vor Steuern liege somit bei 2,0 statt bei 0,5 Mill. Euro. Zudem sei Rüdiger Burkat zum 16. Januar aus dem Vorstand ausgeschieden.

Ein Sprecher des Unternehmens erläuterte am Montag auf Anfrage, es habe Unstimmigkeiten zwischen Aufsichtsrat und Vorstand gegeben. Zu den genauen Umständen äußerte er sich zwar nicht, doch stehe Burkats ausscheiden nicht zufällig in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Bilanzkorrektur, da er vormals für die Finanzen zuständig gewesen sei. Die Unregelmäßigkeiten seien bei eine Routineüberprüfung durch den im November 2002 berufenen Finanzvorstand Wolfgang Stabenow aufgefallen, sagte der Sprecher weiter.

Zum Einen habe es sich um eine unzulässige Vereinfachung bei der Ermittlung des Bestandes von unfertigen Leistungen gehandelt. Dies sei auch in früheren Zwischenberichten so gehandhabt worden, nicht aber in den Jahresabschlüssen. Der so genannte systematische Fehler in der Buchhaltung sei dagegen auch in den vorangegangenen Jahresabschlüssen enthalten, sagte der Sprecher weiter. Hier seien im Wesentlichen erwartete Umsätze aus langfristigen Wartungsverträgen vorzeitig in die Gewinn- und Verlustrechnung eingebucht worden. Wie die Unregelmäßigkeiten zu Stande gekommen sind, konnte der Sprecher nicht erklären.

Derzeit werde noch geprüft, ob und bis wann Agiplan Technosoft ältere Abschlüsse revidieren müsse. Für 2001 lägen zwar keine genauen Zahlen vor, doch dürften sich die Abweichungen in einer ähnlichen Größenordnung bewegen wie im vergangenen Jahr. Zum Verlauf des vierten Quartals 2002 konnte der Sprecher ebenfalls keine Angaben machen. Wann der Jahresabschluss veröffentlicht werde, stehe noch nicht fest.

Die vor rund einem Jahr noch mit 5,15 Euro bewertete Aktie des Unternehmens sank am Montag bis 12.20 Uhr um 26 Prozent auf 0,39 Euro. Zwischenzeitlich hatte der Wert sein bisheriges Allzeitzeittief von 0,28 Euro erreicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×