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29.06.2000

19:00 Uhr

Fehlt den Anlegern die Phantasie in den RTV-Aktien?

Interview: Ravensburger ist Trumpf

Käpt?n Blaubär und Fix & Foxi sind die bekanntesten Charaktere, die der Zeichentrickfilmproduzent RTV Family Entertainment vermarktet. Bei den Anlegern haben die Phantasie-Produkte in den vergangenen Wochen allerdings wenig Kurs-Phantasie ausgelöst. Handelsblatt spricht mit Arno Haselhorst, der Vorstandstmitglied der WCM-Beteiligungs - und Grundbestiz AG, sowie Finanzvorstand der RTV Family Entertainment ist.

Herr Haselhorst, sind Sie sicher, dass Sie mit Figuren wie Fix & Foxi, dem Moorhuhn und Käpt?n Blaubär gegen die erfolgreichen japanischen Pokémon-Monster oder die Kinderstars Teletubbies bestehen können?

Ein Erfolg wie der von Pokémon oder der Teletubbies ist nicht vorprogrammierbar. Wir haben allerdings vor, zukünftig pro Jahr zehn bis 15 eigene Charaktere zu entwickeln. Zwei Drittel davon werden unser Brot-und-Butter-Geschäft ausmachen, also ohne großes Vermarktungspotenzial an Fernsehsender verkauft. Bei drei bis fünf Charakteren erwarten wir allerdings gute Merchandising-Möglichkeiten. Die Chance ist also da, dass darunter ein Pokémon steckt.

Erfolgreiche Zeichentrickfiguren wie Pokémon werden weltweit mit gigantischem Aufwand vermarktet. Kann RTV gegen Unterhaltungs-Giganten wie Disney mithalten?

Im Vergleich zu den Wettbewerbern haben wir exzellente Voraussetzungen. Sicher, wir haben nicht die Größe von Disney. Als Bestandteil der Ravensburger-Gruppe können wir unsere Charaktere aber von der Entwicklung bis zur Verwertung über die gesamte Wertschöpfungskette vermarkten. Die Marke Ravensburger hilft uns zusätzlich, weil sie international bekannt ist.

Im Vergleich zu Ihrem traditionsreichen Stammhaus, der Ravensburger AG, entwickelt sich RTV rasend schnell. Ist der Mehrheitseigner denn kein Bremsklotz für die dynamische RTV?

Die Tatsache, dass der Vorstandsvorsitzende der Ravensburger AG uns an die Börse gebracht hat und wir in enger Abstimmung sind, zeigt, dass Ravensburger uns sehr fördert. Darüber hinaus können wir die Ressourcen von Ravensburger nutzen, wertvolle Kontakte, die von der Produktion bis zum Einzelhandel reichen. Bei Fix & Foxi haben wir die umfassende Vermarktung zum ersten Mal erprobt.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres ist RTV mit 2,4 Millionen DM in die roten Zahlen gerutscht. Damit können weder die Ravensburger AG noch die freien Aktionäre zufrieden sein.

Das Ergebnis war von außerordentlichen Faktoren beeinflusst wie den Verträgen mit Energee, CLT-UFA und Super RTL. Der Umsatz lag freilich auch höher als vorhergesagt. Im zweiten Halbjahr werden wir bei Umsatz und Ertrag kräftig zulegen, schon das zweite Quartal wird wesentlich besser als der Jahresbeginn. Was den Gewinn anbetrifft, können wir im Herbst dann auch von der Übernahme eines Produzenten in Australien und dem Kauf des Programmpaketes von der UFA profitieren. Viele Produkte, die jetzt mit hohen Kosten zu Buche schlagen, werden erst im zweiten Halbjahr oder sogar zu Beginn kommenden Jahres ausgeliefert. Beim Umsatz werden wir die geplanten 110 Millionen DM auf jeden Fall erreichen. Das ist ein riesiger Sprung im Vergleich zu 1999, als wir noch rund 39 Millionen DM umgesetzt haben.

Die RTV-Aktie wurde in den vergangenen Wochen von den Anlegern nicht gerade mit Wohlwollen behandelt.

Ja, wir wundern uns über den Kursverlauf. Es gibt Unternehmen im Markt, die sind deutlich höher bewertet als wir, haben aber nur einen Bruchteil unserer Substanz. Bei Analysten gelten wir sogar als unterbewertet und werden kurzfristig mit einem Kurspotenzial von 80 bis 90 Euro angegeben. Es ist schade, dass gerade jetzt viele Kleinanleger ihre Aktien abgeben.

Fehlt den Anlegern die Phantasie in den RTV-Aktien?

Möglich, doch unsere Wachstumschancen sind ausgezeichnet. Aus unserer guten Ausgangsposition heraus - wir arbeiten immerhin im zweit- wichtigsten Fernsehmarkt Europas - schauen wir immer nach möglichen Übernahmekandidaten. Vorrang hat dabei die Expansion in Europa. Dabei ausgesprochen förderlich ist auch die gute Partnerschaft mit CLT-UFA. Von unserem neuen Standort in Australien aus wollen wir allerdings auch das Geschäft in Asien ausbauen. Ferner werden wir die Marke Ravensburger stärker einbringen und das bekannte Logo, das blaue Dreieck, in den Vordergrund stellen. Wir sind auch offen für Partner, die sich über die Aktien, die unsere Mutter hält, an uns beteiligen könnten. Außerdem haben wir mit der neu gegründeten Produktionsfirma Waterfront die Grundlagen für Wachstum in Erwachsenenprogrammen gelegt.

Die Fragen stellte Joachim Hofer

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